Fast jeden Morgen liegt die Volksstimme morgens druckfrisch in den Briefkästen oder in den Verkaufsstellen. Viele aktuelle Informationen können ausgewertet werden. Wie diese überhaupt auf das Papier kommen, konnten interessierte Leser am Mittwochabend beim vorletzten Sommerabenteuer dieses Jahres erfahren.

Barleben l Wer kann schon behaupten, dass er heute schon weiß, was morgen in der Zeitung steht? Meist sind das nur die Redakteure selbst und diejenigen, bei denen die Zeitung im Produktionsprozess im Barleber Verlags- und Druckzen-trum durch die Hände geht. Am Mittwochabend war es aber auch eine Reihe von Lesern, die täglich im Landkreis Börde die Volksstimme lesen, vergönnt. Sie hatten sich für das Sommerabenteuer im Verlags- und Druckzentrum angemeldet.

Und hier ging es ab etwa 20.30 Uhr richtig zur Sache, denn die Druckmaschinen liefen sich warm, um die 18 Lokalausgaben der Volksstimme für den nächsten Tag auf das Papier zu bannen. Die Redaktionen in den Landkreisen hatten ihre Aufgaben weitestgehend erledigt.

In den Redaktionsräumen der sogenannten Mantelredaktion in Barleben, war gegen 22 Uhr nur noch Klaus-Dieter Mollenhauer zurückgeblieben. Er war an dem Abend "CvD", also Chef vom Dienst, und konnte noch eingreifen, um die Aktualität der Volksstimme für den nächsten Tag zu erhöhen. "Wir drucken zwar schon seit 21.15 Uhr, aber dass heißt nicht, dass wir nicht noch aktuell sein können", erklärte er den neugierigen Besuchern, während er noch wartete, dass über die Nachrichtenagentur aktuelle Handballergebnisse geliefert wurden. So konnte es auch passieren, dass noch ein anderer eingebauter Text der Aktualität wegen weichen musste.

Für die Stendaler Ausgabe war die Aktualisierung aber definitiv zu spät. Einige der Besuchergruppe trugen eines der Exemplare zu dem Zeitpunkt schon als Andenken unter dem Arm. Inklusive eingesteckter Werbung. Die Ausgaben, die den weitesten Fahrtweg bis zum Leser zurücklegen müssen, werden als Erstes gedruckt. Das sind beispielsweise die Altmark-Ausgaben.

Wie der Text und die Bilder, also alles das, was die Redakteure vorher recherchiert haben, aufs Papier kommen, erklärten ihnen Karl-Heinz Primas und Gert Frischbier, ehemals langjährige Kollegen des Unternehmens, während einer Führung. Die theoretischen Kenntnisse, die zuvor ein Imagefilm vermittelte, konnten in der Praxis hautnah erlebt werden. Von dem anstrengenden Bleisatz, der den Druckern einst zu schaffen machte, war keine Spur mehr. 1995 ist hier die damals modernste Druckerei der Welt in Produktion gegangen. Heute, fast 20 Jahre später, wird durch die Modernisierung hier für die Druckerei nur noch ein Drittel der damaligen Produktions- fläche benötigt.

Mit einem Laser wird das zu Druckende heutzutage auf die dünnen Aluminiumplatten aufgebracht. Wasserfreund- liche und fettabweisende Elemente, so erklärte es Karl-Heinz Primas, sorgen dafür, dass die Farbe an den Stellen haften bleibt, wo sie später im Druckprozess gebraucht wird. Pro Zeitungsseite gibt es jeweils eine Druckplatte in schwarz, cyan, magenta und yellow. Zwei Belichter schaffen in einer Stunde 480 Druckplatten zu belichten. Voll automatisch werden die Druckplatten, die jede Nacht aufs Neue von großer Zahl notwendig sind, auf die Strecke gebracht. "Wie in einer Geisterstadt sind während des Druckprozesses nur wenige Menschen zu sehen", so Primas weiter.

So ist das auch weitestgehend bei der Anlieferung und Bereitstellung einer weiteren Komponente für den Druckprozess - dem Papier. Nachdem die riesigen Rollen in drei verschiedenen Breiten angeliefert und für die Produktion vorbereitet sind, werden sie vollautomatisch in ein großes Lager einsortiert. Dort wählt ein programmierter Kran sie zu gegebener Zeit aus, um sie in den Produktionsprozess einzubinden. "Welche Papierbreite genutzt wird, hängt von der Seitenzahl der Zeitung ab", berichtete Karl-Heinz Primas. Eine breite Rolle wiegt 1,3 Tonnen. Täglich werden etwa 40 bis 50 Tonnen dieses Papiers im Verlags- und Druckzentrum verbraucht. Doch etwas Verlust jeder Rolle lässt sich nicht vermeiden - von etwa zehn Prozent war die Rede.

Nach etwa 30 bis 35 Minuten ist, wie Karl-Heinz Primas während der Führung sagte, eine Rolle aufgebraucht. Doch wenn eine der riesigen Rollen bedruckt und ins rheinische Zeitungsformat gebracht ist, ist das auch nicht schlimm. Der Rollenwechsel passiert ebenfalls vollautomatisch und ohne Menschenhand.

"Ganz spannend", wie Karl-Heinz Primas fand, während er die Besuchergruppe um etwas Geduld bat. Nur noch wenige Meter bedruckbares Papier befanden sich zu diesem Zeitpunkt auf der Rolle, eine weitere war bereits durch einen Schlitten in Stellung gebracht und vollautomatisch in die Druckmaschine eingelegt worden. Langsam kam die neue Papierrolle auf Touren und ohne die laufende Produktion zu unterbrechen, wurde auf dieser Rolle weitergedruckt. Der Rest der alten Rolle wurde aus der Maschine gelöst und fiel in den Müllbehälter, der sich ebenfalls selbständig in Bewegung gesetzt hatte. Unterdessen war Platz für die nächste Rolle entstanden, die der Kran aus dem Lager holte und der Schlitten wieder in Position brachte.

Zwischenzeitlich wurden bereits Tausende Zeitungen gedruckt, geschnitten, gefaltet und mit Werbeprospekten versehen. Um grobe Fehldrucke zu vermeiden, werden einige Exemplare stets kontrolliert. Mit geschultem Auge prüfen Mitarbeiter stichproben- artig die Zeitungen, um an den Druckmaschinen die Feinjustierungen vorzunehmen.

In rasender Geschwindigkeit setzten die Zeitungen ihren Weg fort, um letztlich in der sogenannten Weiterverarbeitung zu landen. Hier wurden die Werbeprospekte eingelegt und auch der "Biber", der jeden Donnerstag die Veranstaltungen in der Region ankündigt. Diese war bereits vorher unabhängig von der Tageszeitungsproduktion gedruckt worden. Blieb nur noch die Vorbereitung für den Versand, ehe sich auch in dieser Nacht Dutzende Fahrzeuge in Bewegung setzten, um die Zeitungen zu den Zustellern im nördlichen Sachsen-Anhalt zu bringen. Bis sechs Uhr am nächsten Morgen sollten die Zeitungen in den Briefkästen der Leser sein.

   

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