Hohe Qualität zu niedrigen Preisen: So lautet das Fazit von Axel Gedaschko zum Haldensleber Wohnungsmarkt. Gestern war der Präsident des Bundesverbandes deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen in der Stadt zu Gast. Dabei informierte er sich über den Bestand und aktuelle Projekte der Wobau und der Wohnungsbaugenossenschaft "Roland".

Haldensleben l Das Wohngebiet am Süplinger Berg, Rolandviertel, Köhlerstraße, Mehrgenerationenhaus sowie das Wobau-Projekt an der Gräwigstraße: Das Programm für den etwa dreistündigen Besuch war eng getaktet. Der Gesamteindruck fiel dabei durchweg positiv aus: "Die Wobau und die WBG Roland haben die Stadt extrem positiv geprägt", befand Axel Gedaschko.

Bei der vorangegangenen Tour waren auch Bürgermeister Norbert Eichler, Jost Riecke, Direktor des Verbandes der Wohnungswirtschaft Sachsen-Anhalt, und Ronald Meißner, Direktor des Verbandes der Wohnungsgenossenschaften Sachsen-Anhalt, mit dabei - ebenso wie der Geschäftsführer der Wobau Harald Schmidt, Wobau-Prokuristin Carola Pasemann und Wolfgang Kaiser von Vorstand der WBG Roland.

Laut Harald Schmidt liegt die Brutto-Warmmiete der Wobau derzeit bei neun Euro pro Quadratmeter. "Wenn wir das überall hätten, gäbe es keine Diskussion über eine Mietpreisbremse", betonte Axel Gedaschko. Besonders positiv hob er hervor, dass die beiden Haldensleber Gesellschaften bei ihren Projekten "nicht an der Hauskante aufhören, sondern das ganze Wohnumfeld miteinbeziehen". Schließlich zählten zu einer angenehmen Wohnsituation nicht nur die eigenen vier Wände. Jost Riecke lobte vor allem die Zusammenarbeit der beiden Gesellschaften untereinander sowie mit der Stadt: "Das führt zu einem besseren Ergebnis als singuläres Handeln."

Gleichzeitig ging es aber auch um die Probleme, mit denen sich Wobau und WBG auseinandersetzen müssen. "Die Baukosten werden immer höher und die staatlichen Vorgaben machen auch nicht immer glücklich. Vielleicht haben wir die Schraube schon überdreht. Schließlich muss alles auch bezahlbar bleiben." Das gelte besonders für die energetische Sanierung. "In diesem Bereich dürfen die Anforderungen nicht mehr höher werden, denn sonst stehen in die Investitionen in keinem Verhältnis mehr zu den Einsparungen", betonte Axel Gedaschke.

Gleichzeitig bemerke man steigende Ansprüche bei den Mietern. Das schlage sich nicht zuletzt in einer hohen Nachfrage nach hochwertigen Wohnungen nieder. Ein Beispiel: Für knapp fünf Millionen Euro errichtet die Wobau an der Gräwigstraße derzeit 31 neue Wohnungen. Schon vor Baubeginn waren alle vergriffen.

Gleichzeitig gehe das Interesse an Wohnungen im fünften oder sechs Stockwerk ohne Fahrstuhl deutlich zurück. "Das bedeutet für uns einen Spagat, der nicht immer einfach ist", erklärte Harald Schmidt. "Wir bauen natürlich gerne neu, aber wir dürfen auch den vorhandenen Bestand nicht vergessen." So habe es in den 1990er Jahren eine große Sanierungswelle gegeben. "Mittlerweile ist der Zeitpunkt gekommen, an dem man an den sanierten Wohnungen wieder etwas machen muss." Aus diesem Grund werde sich die Wobau bald wieder verstärkt auf die Pflege des Bestandes konzentrieren. Weitere Großprojekte wie das an der Gräwigstraße werde es in den nächsten Jahren voraussichtlich nicht geben. "Wir können nur das Geld investieren, das wir einnehmen, und auch nicht ohne Grenzen Kredite aufnehmen.

Dieser Einschätzung schloss sich auch Axel Gedaschko an. "Die deutschen Wohnungs- unternehmen sind im Schnitt derzeit kernsolide. Das muss auch so bleiben. Denn wenn man auf Teufel komm raus investiert, entsteht die nächste Blase am Immobilienmarkt."