Die Ausstellung der Philatelisten
Haldensleben steht von Donnerstag bis Sonntag im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit aller Briefmarkenfreunde. Die Philatelisten-Verbände aus Deutschland, Österreich, der Schweiz, der Niederlande und Lichtenstein treffen sich zu einer Ausstellung der Spitzensammler ("Rang-1-Ausstellung").
Eine Ausstellung dieses Ranges findet nur alle drei Jahre statt. 2011 war die Stadt Chur in der Schweiz Gastgeber des philatelistischen Großereignisses. In Haldensleben werden 230 Aussteller erwartet. Die Verbände rechnen bis Sonntag mit 3000 bis 5000 Besuchern.
Die Veranstaltung steht unter dem Motto "25 Jahre friedliche Revolution und Fall der Mauer". Das Thema ist dem Ausstellungsort in der Nähe des ehemaligen Grenzübergangs Marienborn gewidmet. Der Katalog der Veranstaltung widmet sich ausführlich dem Thema.
Heute wird eine 15-köpfige Jury die ausgestellten Sammlungen in einer Rangfolge bewerten. Neben Briefmarken stehen daneben themenbezogen historische Briefe und postalische Dokumente im Mittelpunkt. Zu den ältesten Exponaten gehört ein Notenbrief aus der Zeit um 1500, der von Friedrich dem Weisen verfasst worden sein soll.
Die Ausstellung öffnet Donnerstag um 15 Uhr für die Öffentlichkeit. Freitag und Sonnabend ist sie von 9 bis 18 Uhr geöffnet, am Sonntag bis 15 Uhr. Eintritt wird nicht erhoben.

Haldensleben l Horst Jaster geht mit seinen 89 Jahren schon am Stock. Doch wenn der Mainzer Geschichten über seine Briefmarken, Karten und gestempelte Umschläge erzählt, scheint er in einen Jungbrunnen zu tauchen. Beschwingt tänzelt er vor den Schaukästen hin und her, lacht und strahlt über das ganze Gesicht. Die Zeit der Inflation um 1923 ist das Sammelgebiet des Mainzers.

"Damals wurde extra vermerkt, ob ein Brief über den Briefkasten eingeworfen wurde, weil der Wert der aufgeklebten Marke am nächsten Morgen eigentlich schon nicht mehr stimmte", erzählt er. Unglaubliche fünf Milliarden Mark steht als höchste Angabe auf einer Marke. Horst Jaster besitzt auch einen Brief, dessen aufgeklebte Marken von Pfennigen bis Millionen Märker Wert waren. Alles sauber abgestempelt. "Das ist schon ungewöhnlich. Bestimmt hat das ein Sammler gemacht", glaubt der alte Herr. Knapp 80000 Euro hat er sich im Laufe der Jahrzehnte seine Inflationssammlung kosten lassen. "Heute gibt es nicht mehr so viele Sammler. Da sinkt der Wert. Aber 50000 Euro würde ich vielleicht noch bekommen", glaubt Horst Jaster.

Mit seinen 89 Jahren ist er der älteste der insgesamt 230 Aussteller bei der großen Rang-1-Schau, die von heute bis Sonntag in Haldensleben veranstaltet wird. "Rang 1 bedeutet, dass nur wirklich Spitzensammlungen, die von Fachjurys entsprechend bewertet wurden, teilnehmen dürfen", erklärt Maik Schröder vom Haldensleber Briefmarkenverein. Diese Sammlungen widmen sich zum Beispiel Tieren, historischen Ereignissen oder Epochen.

40 Mitglieder stark ist die Philatelisten-Truppe von Haldensleben noch. "Briefmarken zu sammeln, ist etwas aus der Mode gekommen. Heute schreiben die jungen Leute ja alle mit dem Handy", gibt Maik Schröder zu. Im Bundesverband deutscher Philatelisten hat sich die Zahl der Mitglieder in den vergangenen 25 Jahren von 80000 auf 40000 halbiert. In Sachsen-Anhalt, so Schröder, gibt es noch etwa 50 Vereine. "Doch die Zahl der aktiven Mitglieder ist im Vergleich zu den 1980er Jahren auf etwa ein Drittel gesunken", erzählt er.

Dass die Schau der Super-Philatelisten, die nur alle drei Jahre stattfindet, nun ausgerechnet nach Haldensleben gekommen ist, hat aber mit einem Sammler aus der Ohrestadt zu tun, der als besonders erfolgreich gelten darf: Apotheker Alfred Schmidt. Er erreichte bei der letzten Weltausstellung der Philatelisten für seine Sammlung von postalischen Roland-Dokumenten eine "Großgold"-Bewertung - die höchste, die es gibt. Seit 2013 ist Schmidt Vizepräsident des Bundesverbandes. Deshalb Haldensleben? "Ja, vielleicht auch. Aber in erster Linie hatte der Verband ohnehin vor, diese große nationale Ausstellung zukünftig mehr in kleineren Städten zu veranstalten. Hinzu kommt das Motto Grenzöffnung. Da passt Haldensleben wegen seiner Nähe zu Marienborn gut", erzählt der Apotheker.

Der Mann und seine Mitstreiter hatten gestern alle Hände voll zu tun. Es galt, nicht nur die Ohrelandhalle herzurichten, sondern auch letzte Hand an die Organisation des Rahmenprogramms zu legen. Schließlich wollen die Haldensleber ihre Heimatregion den vielen Gästen im besten Lichte präsentieren.

Dazu gehört ein Festempfang im Herrenkrughotel, die gemeinsame Besichtigung der Gedenkstätte Marienborn und ein Fachkongress der Philatelisten. Nicht zu vergessen die Arbeit der 15-köpfigen Jury, die alle Sammlungen in Augenschein nehmen und bewerten wird.

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