Irxleben l Neugier hält jung. Christine Rothe ist dafür ein Paradebeispiel. Jetzt feierte die Irxleberin ihren 90. Geburtstag. Jürgen Kebernik, der stellvertretende Ortsbürgermeister, kam zum Gratulieren und war platt über eine Begegnung, die ihm noch lange in Erinnerung bleiben wird.

Seit 14 Jahren wohnt die in Hainichen geborene Christine Rothe in Irxleben - in der Nähe ihrer Kinder Maria und Thomas, in der Nähe ihrer vier Enkel und fünf Urenkel. Nah sind der Jubilarin auch ihre Bücher, ihre Erinnerungen, ihre Aufzeichnungen. Christine Rothe notiert ihr Leben. Vom verbrauchten Blumenwasser bis zum mehrseitgen Exzerpt für jedes gelesene Buch: Alles hält sie schriftlich fest. "Das war schon früher so, jede Haushaltsausgabe wurde notiert, auch wir Kinder mussten eintragen", erinnert sich Tochter Maria, die ihren Weg als Zahnärztin gemacht hat. Sohn Thomas arbeitet in der Hirnforschung. Ihr 2007 verstorbener geliebter Ehemann Hans-Joachim war leidenschaftlicher Wissenschaftler. Von ihm hat Christine Rothe wissenschaftliches Arbeiten gelernt, da ist sich Tochter Maria sicher. Zeitungsartikel archiviert Christine Rothe bis zur Seitenzahl der Ausgabe, selbst ihre sonntäglich für ihre Kinder bis heute gekochten Drei-Gänge-Menüs sind schriftlich festgehalten.

Archivarin im beruflichen und im persönlichen Leben

Gelernt hat die Jubilarin den Beruf einer Industriekauffrau, sich später im Fernstudium zur Archivarin qualifiziert und Jahrzehnte lang im Leipziger Staatsarchiv gearbeitet. Bis heute liest sie begeistert Sach- literatur und Tatsachenromane. Ihre jüngste Lektüre - beendet am 20. August 2014 - war Martina Güldemanns Buch "Aufgewachsen in Leipzig in den 60er und 70er Jahren" und hat natürlich hat Eingang in das jüngste ihrer ungezählten "Literatur(tage)bücher" gefunden - mit persönlicher kurzer Inhaltsangabe, mit Lese- eindrücken und einem eigenen Fazit. Täglich wird das Archiv ihres Lebens um mehrere handbeschriebene Seiten reicher. Jürgen Kebernik konnte es nicht glauben.

Christine Rothe interessiert sich für alles und das ununterbrochen. Egal ob Politik, Kunst oder Sport. "Wenn sie wissen wollen, wer in der Weltmeistermannschaft mitgespielt hat, fragen sie Sie. Sie ist ein wunderbarer Gesprächspartner. Wir sind alle glücklich das wir Mutti haben", schwärmt ihre Tochter.

Auf einer drei Meter langen Papierrolle hat Maria Wendt zum 90. Geburtstag handschriftlich Rückschau auf neun Lebensjahrzehnte ihrer Mutter gehalten, Sohn Thomas hat ein reich bebildertes und aufwändig gestaltetes Büchlein mit Familienerinnerunen geschenkt. Beide Präsente sind voller persönlicher Erinnerungen an wundervolle Kindergeburtstage, an Theater- besuche der Familie, an Urlaube, Heiligabende und an Lieder, die Christine Rothe für ihre damals noch kleinen Kinder komponiert hat.

Das Rezept: Nie aufgeben und offen sein für Alles

Auch heute hat das Geburtstagskind immer etwas zu tun. Lesen, interessante TV-Sendungen "aber nie Kriegsfilme, davon habe ich genug erlebt", angeregte Gespräche begleiten sie durch einen nie langweiligen Lebensabend. Jeden Dienstag wird "Knack" oder Räuberrommé gespielt, sonntags kommt die Familie zum Essen. Christine Rothes Rezept fürs Altwerden: "Nie aufgeben, für alles offen sein, meine Neugier hat mich fit gehalten." Das hält Geist und den Körper jung. Ihr Körper kommt bis heute "ohne ein einziges Ersatzteil" (Tochter Maria) aus. Selbst die Zähne sind komplett und strahlen täglich aus einem Antlitz voller Güte und Lebensfreude.