Die angekündigten Entlassungen beim Fruchtsaftunternehmen in Calvörde werden Ende des Monats umgesetzt. Mit dem Neustart nach der Fusion und der Umstrukturierung wird der Mitarbeiterstamm, der derzeit noch aus 290 Arbeitskräften besteht, um 67 reduziert. Betroffen seien Arbeitsplätze in allen Bereichen.

Calvörde l Bereits im November 2013 schlossen Gerber Emig und Refresco die Fusion zum gemeinsamen Unternehmen Refresco Gerber ab. Voraus- setzung für die Genehmigung der Fusion durch die Europäische Wettbewerbskommission war der Verkauf der Emig Produktionsstätte in Waibstadt/Baden--Württemberg. Der Standort in Calvörde ist nun Teil der deutschen Refresco-Geschäftseinheit mit Hauptsitz in Mönchengladbach.

"Wir haben uns die unternehmerische Aufgabe gestellt, das Werk in Calvörde in die Erfolgsspur zurück zu bringen", sagte Refresco-Personalleiter Johannes Hansen. Er erklärte, dass das Unternehmen eine interne Untersuchung zur Ermittlung von Verbesserungspotenzialen vorgenommen hat, die durch ein renommiertes Beratungsunternehmen begleitet wurde. "Wir haben eine Vielzahl von Einzelmaßnahmen zur Verbesserung von Arbeitsabläufen, Produktionsprozessen und Investitionen sowie eine Bandbreite von möglichen Personal-anpassungen definiert, die wir jetzt sukzessive am Standort umsetzen werden. Dabei ergibt sich aus dem ermittelten zukünftigen Personalbedarf einen Stellenabbau von 67 Mitarbeitern. Es sind alle Bereiche des Unternehmens betroffen", erläuterte der Personalchef.

Ursprünglich sollten noch weitere 40 Arbeitsplätze gestrichen werden. Das konnte der Betriebsrat mit hartnäckigen Verhandlungen verhindern. "Uns ging es darum, Zukunftssicherheit herzustellen, da kann nicht zu viel Personal entlassen werden. Wir haben viele Verhandlungen und Gespräche mit Betroffenen geführt. Wir reden über Interessenausgleiche und über Arbeitszeitmodelle", sagte Thomas Michaelis, Vorsitzender des Betriebsrates am Standort Calvörde.

"Wir tun alles, um diesen Stellenabbau so sozial verträglich wie möglich zu gestalten."

Johannes Hansen, Personalleiter bei Refresco

Der Personalleiter erklärte: "Wir tun alles, um diesen Stellenabbau so sozial verträglich wie möglich zu gestalten. Wir haben mit dem Arbeitsamt Kontakt aufgenommen. Es wird eine Informationsveranstaltung geben. Mitarbeiter, die bereit sind, im Schicht- betrieb zu arbeiten, sollen laut Aussage der Agentur für Arbeit derzeit gut zu vermitteln sein."

Und auch auf der Führungsebene gibt es eine Veränderung. Der Calvörder Standort hat mit Volker Tuisl, der zuvor in einem anderen Refresco-Betrieb tätig war, einen neuen Werksleiter. Der bisherige Werksleiter, Rainer Fauth, wird den Übergang unterstützen.

Ob dann wirklich in Sachen Entlassungen Ruhe eintritt, konnte Hansen nicht ver- sprechen. Der Getränkemarkt sei hart umkämpft. Das richte sich nach der Entwicklung der Marktlage. Manche große Handelshäuser würden derzeit eigene Produktionskapazitäten aufbauen und ihre Getränke selbst herstellen. Und trotzdem schaut Hansen optimistisch in die Zukunft. "Wir müssen jetzt beweisen, dass wir die richtigen Schritte unternommen haben. Wenn es uns gelingt, die Wettbewerbsfähigkeit des Standortes wieder herzustellen, dann werden wir auch wieder Investitionen in neue Technologien und Maschinen in Calvörde ermöglichen", erklärte Hansen.

Bereits über mehrere Jahre sei die Entwicklung des Marktes, dass weniger Saft und dafür mehr kohlensäurehaltige und stille Erfrischungsgetränke und Mineralwässer getrunken werden. Außerdem gehe der Trend bei den Fruchtsäften und fruchtsafthaltigen Getränken von Kartonver- packungen zu Plastikflaschen. Hierfür sei Calvörde mit drei schnell laufenden Linien für PET-Flaschen gut aufgestellt. Zudem wurde am Standort die Abfüllmenge von Getränken für internationale Marken- produkte erweitert.

"Wir hoffen, dass mit dem Neustart auch wieder investiert wird und dass wir die Arbeitsplätze sicherer für die Zukunft gestalten. Mit unserer ursprünglichen Stärke, Limonaden herzustellen, könnten wir wieder ein weiteres Standbein haben", blickte Michaelis voraus.

Gesucht werden derzeit noch zwei Auszubildende als Fachkraft für Lebensmitteltechnik oder für Lagerlogistik am Standort in Calvörde. Die Chance, nach der erfolgreichen Ausbildung übernommen zu werden, sei groß. "Wir bilden dafür aus, dass wir die jungen Fachkräfte dann auch innerhalb der deutschen Geschäftseinheit beschäftigen, ob das dann am jeweiligen Ausbildungsstandort möglich sein wird, können wir jedoch nicht versprechen", erklärte der Personalchef.