Die innere Stärke des Personals könnte in den Kindereinrichtungen der Hohen Börde künftig eine größere Rolle spielen. Resilienz heißt das Stichwort - inzwischen auch für alle.

HoheBörde l Was ist Resilienz? Das fragten auch die Erzieherinnen in der Hermsdorfer Kindertagesstätte "Abenteuerland" noch vor einigen Monaten. Inzwischen ist dieser Begriff in den täglichen Arbeitsrhythmus integriert. Der Begriff Resilienz leitet sich ab vom englischen Wort "resilience" für "Spannkraft, Elastizität" und wird als die psychische Widerstandsfähigkeit gegenüber biologischen, psychologischen und psychosozialen Entwicklungsrisiken definiert.

Im Pilotprojekt "Schätze heben", dem sich die Mitarbeiter der Hermsdorfer Kita unterstützt von Mitarbeiterinnen der Landesvereinigung für Gesundheit (LVG) gewidmet haben, geht es konkret um die innere Stärke jedes einzelnen und die Stressbewältigung. "Eine Gelassenheit zu entwickeln für das, was wir nicht ändern können", nannte Claudia Bachtenkirch von der LVG ein Projektziel während einer Sitzung der Kita-Leiter der Hohen Börde.

Und genau diese Gelassenheit soll auch der Gesundheit zugutekommen, denn Statistiken beweisen, das Erzieherinnen in Kindertagesstätten häufiger gesundheitliche Probleme haben als andere. Sie leiden besonders oft an Erkrankungen des Muskel-Skelett-Systems, der Atemwege beziehungsweise der Stimme sowie psychischen Beeinträchtigungen.

"Da Resilienz erlernbar ist, kann jeder seine seelische Widerstandskraft stärken, seine `inneren Schätze heben` - zum Beispiel durch realistischen Optimismus, positive Selbstwahrnehmung oder zielorientierte Problemlösung. Je besser man die eigenen Ressourcen kennt und aktiv nutzt, umso leichter fällt der Umgang mit Belastungen", erklärte Claudia Bachtenkirch. Der Effekt sei aber nicht nur für die Erzieherinnen selbst von Vorteil, sondern auch die Kinder würden sich einiges abgucken.

Gudrun Meyer als Leiterin der Kita "Abenteuerland" hat gemeinsam mit ihren Kollegen in dem Pilotprojekt bereits positive Erfahrungen gemacht. "Als Leiter muss man schon ein bisschen resilient sein, denn man muss auch einiges ertragen", erklärte sie ihren Mitstreitern aus den anderen Einrichtungen der Einheitsgemeinde. Sie begrüßte besonders, dass es in dem Resilienz-Projekt vor allem um das Kita-Personal ging. "Viele in unserer Einrichtung haben daraus gelernt und sind stärker geworden", schätzte sie ein, betonte aber, dass sie in einem weiteren Schritt auch die Kinder mitgenommen haben. Zum Abschluss des Projektes ist auch noch eine Veranstaltung für die Eltern geplant. Generell wollen die Erzieherinnen der Hermsdorfer Einrichtung aber weiter an sich arbeiten und das Thema Resilienz auch weiterhin im täglichen Ablauf einplanen.

Aufgabe der Erzieherinnen ist es jetzt, für ihre Einrichtung passgenaue Lösungsmöglichkeiten zu finden. "Damit können sie selbst zur Gestaltung und Veränderung ihrer Arbeitsbedingungen beitragen - um wie der Bambus, Standfestigkeit und Kraft zu gewinnen", hofft auch Steffi Trittel als Bürgermeisterin der Gemeinde Hohe Börde.