Oebisfelde-Weferlingen l "Wo ich Sie gerade hier sehe, muss ich mal was loswerden", sagt ein Oebisfelder Bürger und beginnt, Carolin Scharenberg und Matthias Lütkemüller von einem Problem in seiner Straße zu berichten. Schon sind die Polizeihauptmeisterin und der Polizeioberkommissar in ihrem Element beziehungsweise stecken vollständig in ihrer neuen Aufgabe.

Erst vor einer Woche hatte Sachsen-Anhalts Innenminister Holger Stahlknecht (CDU) die beiden Polizisten gemeinsam mit acht weiteren Kollegen aus dem Landkreis Börde in ihr neues Amt eingewiesen. Carolin Scharenberg und Matthias Lütkemüller sind seitdem die Regionalbereichsbeamten für die Einheitsgemeinde Oebisfelde-Weferlingen.

Als Ratgeber für die Bürger, Bindeglied zwischen Gemeinde und Polizei, Ansprechpartner für die Einwohner sollen die 36-Jährige und der 42-Jährige jetzt fungieren. Viele Medien haben für die Regionalbereichsbeamten, die als Symbolfiguren der umstrittenen Polizeireform betrachtet werden können, bereits den Vergleich zu den früheren, aus DDR-Zeiten bekannten Abschnittsbevollmächtigten (ABV) gezogen.

Die Bürger in der Einheitsgemeinde erhalten mit ihnen vor allem direkte und persönliche Ansprechpartner bei der Polizei. "Während unsere Kollegen in Oebisfelde und Weferlingen in Notfällen weiterhin unter der 110 erreichbar sind, kümmern wir uns künftig mehr um globale Probleme", umreißen die beiden Polizeibeamten ihr Betätigungsfeld.

Wenn es Probleme in der Nachbarschaft gibt, Raser, Ruhestörer, Querulanten oder gar problematische Verkehrssituationen, die den Bürgern das Leben schwermachen, so können sie sich künftig direkt an Carolin Scharenberg und Matthias Lütkemüller wenden, die extra für diese Zwecke ausgebildet wurden. Sie sollen die Polizei und die Bürger wieder näher zusammenbringen und möchten vor allem vor Ort mit den Menschen ins Gespräch kommen.

"Wir werden von Ort zu Ort fahren und in den einzelnen Orten zu Fuß unterwegs sein."

"Unsere Arbeit wird sich so gestalten, dass wir in der gesamten Einheitsgemeinde von Ort zu Ort fahren und in den einzelnen Orten zu Fuß unterwegs sein werden", erklären die Regionalbereichsbeamten. Ansprechen sei dabei nicht nur erlaubt, sondern unbedingt erwünscht.

Selbst, wenn sie nicht unmittelbar helfen können, leiten die Beamten das Hilfegesuch gern weiter oder sagen den Fragestellern, an welche Stelle sie sich wenden können. Durch beide soll die Polizei wieder ein Gesicht erhalten - die Bürger sollen wissen, wen sie ansprechen können.

In die neue Funktion als Regionalbereichsbeamte müssen Carolin Scharenberg und Matthias Lütkemüller aber auch erstmal hineinwachsen. Während sie vorher noch andere Dienste versehen haben - Matthias Lütkemüller war beispielsweise zehn Jahre lang als Diensthundeführer bei der Polizei tätig - sind die Beamten jetzt in der Eingewöhnungsphase. Denn die Regionalbereichsbeamten, die derzeit flächendeckend in Sachsen-Anhalt eingesetzt werden, gibt es offiziell erst ab dem 1. Januar 2015.

Präsenz zeigen Carolin Scharenberg und Matthias Lütkemüller jedoch schon jetzt. So begleiteten sie den Beginn des neuen Schuljahres, indem sie als Ansprechpartner vor einigen Grundschulen zugegen waren. In den Schulen und Kindergärten Oebisfelde-Weferlingens werden die Beamten bald keine Fremden mehr sein. Dort werden sie Präventionsarbeit leisten und an Verkehrserziehungsprojekten mitwirken.

Rundum sind die beiden Regionalbereichsbeamten als Polizisten zum Anfassen eingesetzt, was zwar nicht wörtlich zu nehmen ist, aber die Kommunikation zwischen Bürgern und Polizei verbessern und erleichtern soll. "Wenn wir irgendwo auftauchen, braucht sich also niemand wundern, ob etwas passiert ist oder wir jemanden suchen. Wir sind für die Anliegen der Einwohner in den Orten unterwegs, so oft wie es geht", erklären Carolin Scharenberg und Matthias Lütkemüller.

Für den Beginn ihrer Arbeit richten sie zunächst eine Sprechstunde im Oebisfelder Rathaus ein. Sie soll spätestens ab Oktober immer dienstags von 13 bis 18 Uhr stattfinden. Das Angebot kann nach Bedarf ausgeweitet werden. Erreichbar sind die Bürgerbeamten in der Weferlinger Revierstation unter Telefon 039061/988 49 14.