Wenn das Turmtheater ruft, ist die Kulturfabrik ausverkauft. Am Freitagabend feierte das Haldenleber Laientheater die Premiere von ihrem neuen Stück "Funny Landing - Runter kommen sie alle!" und legte am Sonnabend gleich eine zweite Vorstellung des Dreiakters von Autor Bernd Spehling nach.

Haldensleben l Von wegen Vorhang auf. Beim Haldensleber Turmtheater beginnt der Reigen bereits vor der Eingangstür zur Kulturfabrik. "Airport Haldensleben" prangt in großen Buchstaben über dem Spielort. Jeder Theaterbesucher wird vom Flugkapitän persönlich begrüßt und kommt auch nicht drum herum, dass sein Handgepäck untersucht wird, die Männer müssen sogar durch einen "Nacktscanner" bevor sie den Bühnenraum im Dachgeschoss der Kulturfabrik betreten dürfen. Ist das Procedere erledigt, geht es, ausgerüstet mit Klatschmagazinen, Kotztüte und Bonbons - serviert von zuvorkommenden Stewardessen im Foyer - auf die Plätze. Zu diesem Zeitpunkt ahnen die Zuschauer bereits, dass sie sich auf eine turbulente Reise mit dem Turmtheater begeben werden.

Die Szenerie der diesjährigen Turmtheater-Produktion ist eine Cocktailbar in einem Jumbojet. "Herr des Hauses" hinter dem Tresen ist der frisch ernannte Chef-Steward Ruben Simon - von Thomas Becker mit einer Vielzahl herrlichster Grimassen gespielt. Die "Fun Airline" soll verkauft werden. Die Airline Chefin Margitta Meinecke-Büchler (Kathrin Vogel) will mit ihrer Crew um den Chef-Steward und die Stewardess Dana Düsing (Melanie Wilke) einen guten Eindruck beim Käufer Scheich Ganesh Arjun Indra el Bharat (Rolf Koppenhöfer) und seinem Dolmetscher Kasi Murali (Frank Uebel) hinterlassen. Das ist gar nicht so einfach, da die anderen Passagiere ihr das Leben nicht gerade einfach machen.

Allerhand Fluggäste sorgen im Laufe des Fluges nach Dubai für reichlich Verwirrung. Da ist zum einen die Familie Vinzelberg, die zu der Hochzeit der Tochter Lilian Vinzelberg (Manuela Bergmann) nach Dubai unterwegs ist. Für den Brautvater Vincent Vinzelberg (Peter Golomb) ist es eine Zumutung, mit einer solchen Schar an Verwandschaft 10 000 Meter über der Erde auf engsten Raum eingesperrt zu sein. Vor allem die trinkende Tante Stina Bürger (Regina Peters) macht ihm das Leben schwer. Vincents dänische Frau Tuuli - von Judith Vater mit herrlichem Akzent dargestellt - ahnt bereits, dass das nicht gut gehen kann. Und so dauert es auch nicht lange, bis Vincent die Idee kommt, für eine erzwungene Zwischenlandung zu sorgen. Und das mit allen Mitteln!

Da sich unter den Passagieren allerdings auch die Showmasterin Paola Pablo (Doris Trautvetter), die für ihre Sendung "Ich bin ein Star, lacht mich nicht aus" bekannt ist, befindet, werden die Turbulenzen zunächst für einen Scherz mit der versteckten Kamera gehalten. Nur die Showmasterin selbst gerät zunehmend in Panik und versucht, den Brautvater unschädlich zu machen.

Für reichlich Lacher sorgt Frank Uebel, der in seiner Doppelrolle als Scheich-Dolmetscher und als Bräutigam Ben Breitenfeld viele Facetten zeigt. Während er als vermummter Araber mit seinem Scheich fast ausschließlich lautstark in einer Kunstsprache kommuniziert, hat er sich als frustrierter Bräutigam, der wenigstens genauso wenig Lust auf die Hochzeit hat wie der Brautvater, nicht viel Text zu merken: "Ja nee.... So wie das hier läuft... Ich fühl mich hier nur als Fußabtreter." Immer wieder ist das die einzige Antwort des Bräutigams, auf alles, was ihn gefragt wird. Mit diesem Running-Gag sorgt Uebel für immer wiederkehrende Lachsalven beim Publikum.

Das turbulente Spiel über den Wolken mit reichlich Slapstick, Wortwitz und auch einigen Anspielungen auf vorangegangene Produktionen des Turmtheaters - Stichwort: Kniechen, Näschen, Öhrchen - unterhält kurzweilig. Auch weil am Ende alles doch ganz anders kommt, als von den Zuschauern erwartet.

Die Kulturfabrik verwandelt sich am kommenden Freitag, 12. September, und am Sonnabend, 13. September, zum nächsten Mal in der "Airport Haldensleben". Abflug ist jeweils um 20 Uhr. Weitere Aufführungen sind für den 2., 3. und 4. Oktober vorgesehen.

   

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