Im Drömling startet das zweijährige Projekt "Ungehindert engagiert - Menschen mit geistiger Behinderung entdecken, erleben und erhalten den Lebensraum Wasser". Eine Gruppe von Menschen mit Handicap der Lebenshilfe "Altmark-West" Gardelegen hat mit dem Training als Naturschützer begonnen.

Piplockenburg/Mannhausen l Die 17 Männer mit geistiger Behinderung können es kaum erwarten, zu ihrer ersten Exkursion im Rahmen des Projektes "Ungehindert engagiert" zur Flachwasserzone aufzubrechen. Die Gruppe der Lebenshilfe "Altmark-West" Gardelegen ist nicht zum ersten Mal im sogenannten Land der tausend Gräben, denn es gab schon einige gemeinsame Aktionen und Arbeitseinsätze mit den Rangern des Drömlings. "Die Kooperation zwischen der Lebenshilfe und dem Naturpark gibt es schon seit mehr als zehn Jahren", blickt Sabine Wieter, Mitarbeiterin für Öffentlichkeitsarbeit in der Naturparkverwaltung Drömling, zurück.

In Bonn wurde das neue Projekt von EUROPARC Deutschland mit dem Deutschen Naturschutzpreis ausgezeichnet. Im Projekt werden Menschen mit Behinderung befähigt, sich gemeinsam mit Menschen ohne Behinderung ehrenamtlich im Naturschutz zu engagieren.

Das Projekt mit einer Laufzeit von zwei Jahren wird in vier Nationalen Naturlandschaften umgesetzt: im Naturpark Drömling, dem Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin sowie den Nationalparken Niedersächsisches Wattenmeer und Harz. Dort werden mit dem Preisgeld in Höhe von 86000 Euro betreute Gruppen aus Einrichtungen der Lebenshilfe und der Bodelschwinghschen Stiftungen darin unterstützt, praktische Naturschutzaufgaben an Gewässern zu übernehmen.

Zugleich erhalten die engagierten Menschen mit geistiger Behinderung Bildungsangebote zum Thema Naturschutz in Form von zielgruppengerechten Lernmaterialien und Trainingsstunden in leicht verständlicher Sprache.

Das erste Training übernehmen neben Sabine Wieter, Joachim Weber auch die Biologin Antje Weber. Die Biologin erklärt den Mitwirkenden, warum es so wichtig ist, die Lebewesen im Wasser zu schützen. "Es ist schön im Drömling, man kann die Landschaft genießen. Ich weiß jetzt, warum in der Flachwasserzone so viele Heuhaufen liegen", sagt Axel Lorenz von der Lebenshilfe und erklärt: "Die Vögel, die hier rasten mögen das hohe Gras nicht, denn sie wollen weit gucken." Und schon landet der nächste Silberreiher, der mit Ferngläsern bewundert wird. "Wir haben hier nicht nur viele Gänse, sondern auch Reiher, die als Fischfresser nach Nahrung suchen", beschreibt Ranger Joachim Weber. "Abends kommt sicher auch der Seeadler. Er ist der Gesundheitspolizist", weiß Tobias Bache, der zur Gruppe gehört.

Der Deutsche Naturschutzpreis wird einmal jährlich in mehreren Kategorien vergeben. Ziel des Deutschen Naturschutzpreises ist es, das Naturbewusstsein zu stärken und das bürgerschaftliche Engagement im Naturschutz zu fördern. Herausgeber sind das Bundesamt für Naturschutz und der Outdoor-Ausrüster Jack Wolfskin. Das von Jack Wolfskin gestiftete Preisgeld von insgesamt 250000 Euro dient der Umsetzung der Projekte.

Um die Natur hautnah zu erleben, schlagen die engagierten Gäste von der Lebenshilfe ihre Zelte neben der Pension der Familie Germer in Piplockenburg auf. Es ist eine aufregende Nacht mit Mücken und Fledermäusen. Am Morgen werden beim Frühstück Pläne für die nächsten Treffen geschmiedet. Sabine Wieter beschreibt die neuen praktischen Herausforderungen: "Wir wollen an der Flachwasserzone die Tür des Beobachtungshäuschens reparieren und den Weidenzaun erweitern. In Kämkerhorst muss der Weidentunnel geflochten und der Teich gemäht werden."

Maik Kobalkowski ist bei jedem der vergangenen Arbeitseinsätze dabei. Klar ist für den Bewohner der Lebenshilfeeinrichtung, dass er wieder mit anpackt.