Walbeck ist einer der ältesten Orte der Region. Die im Jahr 2000 eröffnete Heimatstube im Kantorat gibt einen guten Überblick über die bewegte Geschichte. Es ist ruhig geworden um die Ausstellung zur Ortsgeschichte. Dabei kann ein Blick in die Vergangenheit sehr spannend sein und auch Widersprüche aufzeigen.

Walbeck l Die Ottonenzeit wird in der 6. Klasse behandelt, weiß Jutta Pätz, die Vorsitzende der Interessengemeinschaft der Walbecker Natur- und Heimatfreunde, die sich auch um die Heimatstube im Kantorat kümmert. Vielleicht gibt es ja doch Geschichtslehrer, die mit ihrer Klasse mal in die Walbecker Heimatstube kommen, meint sie, oder aber auch andere interessierte Gruppen. Die Zeit von Otto I. war für Walbeck sehr ereignisreich. Schließlich hatte sich Graf Lothar II. von Walbeck an einer Verschwörung gegen Kaiser Otto I. beteiligt. Er wurde zwar begnadigt, ließ jedoch als Sühne ein Chorherrenstift in Walbeck auf dem Hagen errichten. Davon zeugt heute nur noch eine Ruine, sie ist aber der Grund, dass Walbeck mit diesem alten Bauwerk an der Straße der Romanik liegt. Jutta Pätz kann viel aus dieser Zeit erzählen. In der Heimatstube sind mehrere Modelle der Stiftskirche zu sehen, die Auskunft über die Baugeschichte geben.

An den Begründer der Stiftskirche, den Grafen Lothar II., erinnert die Tumba in der benachbarten Kirche. Auf seinen Vater Graf Lothar I. geht übrigens die erste nachweisliche urkundliche Erwähnung von Walbeck zurück: Lothar I. ist in der Schlacht bei Lenzen gefallen, was schriftlich festgehalten wurde. Über das Jahr, in dem diese Schlacht stattfand, gibt es allerdings bei den Chronisten unterschiedliche Aussagen. Thietmar von Merseburg, einer der bedeutendsten Chronisten des frühen deutschen Mittelalters und Nachkomme des Gefallenen, sowie zahlreiche andere Quellen datieren die Schlacht bei Lenzen auf das Jahr 929. Die "Walbeckische Chronike" des Helmstedter Geschichtsprofessors Heinrich Meibom, des Älteren, gibt für die Schlacht bei Lenzen aus nicht bekannten Gründen den 7. September 930 an. Nicht bekannt ist auch, weshalb sich die Walbecker auf dieses Datum festlegten und ihre 1000-Jahr-Feier 1930 ausrichteten. Das alles ist in der Heimatstube zu erfahren.

So wird vermutet, dass damals keine anderen Quellen zur Verfügung standen. Vielleicht habe es aber auch daran gelegen, dass der Bürgermeister Karl Grimm, der sich ganz besonders für das Ortsjubiläum eingesetzt hat, erst im Dezember 1929 in sein Amt gewählt wurde. Korrigiert wurde das Datum bei späteren Jubiläumsfesten jedenfalls nicht. Folglich richteten die Walbecker 2005 ein riesiges Fest zur 1075-Jahr-Feier aus. Dieses Fest mit seinem geschichtlichen Rückblick hat übrigens dazu geführt, dass seitdem alljährlich zur Mittsommernacht das Mittelalter auf dem Hagen an der Stiftskirchenruine wieder lebendig wird, organisiert von den "Turmfalken".

Nicht nur über das Alter von Walbeck gibt es zwei verschiedene Auffassungen. Auch für den Namen sind zwei Erklärungen in der Heimatstube nachzulesen, bekräftigt Jutta Pätz. In der Festschrift zur 1000-Jahr-Feier heißt es: "Das Dorf Walbeck hat den Namen von einem Bache, so aus dem Walde, nächst dabei aufs Dorf zu und in die Aller fleußt und auf sächsisch die Waldbecke genannt worden." Verschiedene Namensvarianten werden angeführt. "Eine alte Urkunde des Domkapitels zu Halberstadt und das Testament Kaiser Ottos IV. nennt es Wallebecke und Walbke, heutigentags wird es nach der niedersächsischen Mundart Walbke genann", hieß es 1930. Der niederdeutsche Name Walbke ist auch heute noch im Sprachgebrauch. Eine andere Interpretation für den Ortsnamen hatte der Weferlinger Natur- und Heimatforscher Alfred Fischer in den 80er Jahren gegeben, übrigens auch in der Volksstimme veröffentlicht. Wal bedeutet im Lied eines bekehrten Sachsen aus dem 10. Jahrhundert eine mit Klippen bestandene Felswand, was für den Westhang noch heute zuträfe. Das -bici (gleich -beki, beck oder -bock) bezeichne niederdeutsch einen Erdbuckel und passe durchaus auf den flachen Bergabfall nach Osten und Süden. Danach wäre Walbeck die vermutlich älteste Bezeichnung für den Burgberg.

Die Walbecker Ortschronisten, die im Jahr 2000 die Heimatstube eingerichtet haben, stellen es jedem frei, sich für eine Variante zu entscheiden. Sie führen beides an. Neben Jutta Pätz waren vor allem Dieter Hahne und Ralf Wetteborn die Initiatoren und Gestalter der Heimatstube. In den ersten Jahren kamen die Besucher scharenweise. Das hat nachgelassen, einen Besuch ist die Heimatstube aber immer noch wert, meint Jutta Pätz. Jetzt wird nur noch auf Anfrage geöffnet. Die Walbeckerin führt auch gern zur Stiftskirchenruine und erläutert das in der Heimatstube Dokumentierte an Ort und Stelle. Zu erreichen ist sie telefonisch unter 039061/2603.