Der Vier-Zeit-Hof in Bebertal mausert sich zum kulturellen Zentrum weit über die Ortsgrenzen hinaus. Die Osnabrücker Band "Mimi Crie" um Frontfrau Henrike Kinnemann hat an diesem Ort Station gemacht.

Bebertal l Im Jahr 2010 gründete Henrike Kinnemann gemeinsam mit Florian Mohr, Klavier, Jonas Böker, Schlagzeug, und Hajo Cirksena, Bass, die Band. Die gebürtige Haldensleberin, die in Osnabrück lebt, weihte am Tag des offenen Denkmals mit einem Konzert die neue Bühne im historischen Vier-Zeit-Hof in Bebertal ein.

Nicht nur Radfahrer, die die Elbe-Aller-Radwege oder die Radwege an der Straße der Romanik nutzten, machten Halt im Vier-Zeit-Hof. Der Hof bietet mit seiner einzigartigen und historischen Ansicht ein schönes Ambiente für eine Pause. Mehr als nur ein Pausenfüller war am Sonntag der Auftritt von "Mimi Crie". Die Band beschreibt sich folgendermaßen: "Mimi Crie - Gesungene Musiktherapie in Zeiten des Burn Outs". Eingesetzte Therapie- methoden sind Augenzwinkern, Schmunzeln und Lachen. Erwünschtes Ziel ist das Wohlbefinden der Zuhörer durch die Erleichterung über die Erkenntnis, dass es in Zeiten des Burn Outs Vielen so geht. Mann und auch Frau sind mit all diesen Wehwehchen und Problemchen nicht alleine. Die arme Mimi Crie! Was macht sie nur falsch, dass kein Mann bei ihr bleibt? Erfindungsreich ist sie ja, die Frau Crie, doch zum "Richtigen", ja, dem Richtigen fürs Leben, führt sie ihre Experimentierfreudigkeit leider trotzdem nicht. Und wenn die Suche nach dem perfekten Mann doch nur das einzige Problem wäre, mit dem sich die junge Dame rumschlagen muss... Dem ist natürlich nicht so! Auch ganz normale Alltagsschwierigkeiten fordern sie immer wieder auf, kreativ zu werden und ihren ganz eigenen Umgang mit diesen zu finden.

Mimikry bedeutet bildungssprachlich Anpassung, die der Täuschung oder dem eigenen Schutz dient. Wie sehr Frau Mimi das kann, stellte die Band unter Beweis und erzählte mit deutschen Texten in Bebertal die Geschichte. Die jungen Musiker, die ihren Stil Chansonpop nennen, haben ihre ganz eigene Duftmarke gesetzt. Die Songs ihres Albums mit dem Namen "Traumfrau" machten das deutlich.

Die Titel sind mal schnell, mal langsam, mal leise und mal laut, melancholisch und lebensfroh, nachdenklich und dann wieder richtig frech und provozierend. Und eins ist allen gemein - sie erzählen kleine Geschichten, die jeder nachvollziehen kann. Die Traumfrau steht mit beiden Beinen mitten im Leben, manchmal aber auch völlig daneben, sie kann träumen und sich völlig verlieren. Rike ist auch eine starke Solistin. Mehrfach stellte sie das, sich am Klavier begleitend, unter Beweis. Wenn Rike Kinnemann zum Mikrofon greift, dann lebt sie ihre Musik, fühlt mit den Figuren, von denen sie singt.

Darüber hinaus konnten sich die Gäste am Tag des offenen Denkmals auch über die Geschichte des Vier-Zeit-Hofes informieren.Einen Bauernhof gab es nachgewiesen schon seit 1646 an dieser Stelle. Am 5. November 1831 brach auf dem Gehöft ein Feuer aus. Das gesamte zerstörte Anwesen, auch das Wohnhaus, musste neu aufgebaut werden. Nach einem weiteren Brand am 29. Dezember 1869 wurde das Stallgebäude an der Straße aufgestockt. Seit 1767 lebte und wirtschaftete die Familie Ahrendt hier in mehreren Generationen. Im Jahr 1921 heiratete Otto Schwentesius eine Tochter, Elise Ahrendt, und übernahm den Hof. 1922 wurde die alte Querscheune abgerissen, der Hof erweitert und mit einer größeren Scheune geschlossen. Auch hier brachte wieder ein Brand eine Veränderung, manche Bebertaler erinnern sich noch an diesen Brand im Jahr 1949.

"Fleiß und Liebe zum Detail ließen diesen denkmalgeschützten Hof in seiner Besonderheit bestehen."

Marion Schnitzler

Seit Oktober 2010 lebt und arbeitet Marion Schnitzler hier. Wie sie auf den Hof gestoßen ist, erklärt sie im Volksstimme-Gespräch. "Durch einen Zufall habe ich Pfingsten 2010 den Hof und das Schild ,zu verkaufen` entdeckt. Schon bei der ersten Besichtigung des Hofes reifte der Entschluss - hier wird eine Radfahrunterkunft entstehen." Im August 2012 wurde Eröffnung gefeiert.

"Mit Fleiß und Liebe zum Detail ist der denkmalgeschützte Vier-Seiten-Hof mit all seinen Besonderheiten bestehen geblieben", sagt Marion Schnitzler.

Bilder