Seit anderthalb Jahren kooperiert die Evangelische Sekundarschule mit dem Zentrum zur Therapie der Rechenschwäche Magdeburg. Mathelehrerin Britta Meyer hat sich seither zur Beratungslehrerin für Rechenschwäche fortgebildet und kann eine Therapie auch mit individueller Förderung unterstützen.

Haldensleben/Hillersleben l "Bei mir haben schon Kinder gesessen und gezittert, weil sie solche Angst vor Mathe haben", sagt Britta Meyer. Das seien zwar Extremfälle, die aber zeigen, dass eine Rechenschwäche Schüler stark unter Druck setzen kann. Dabei könne eine Rechenschwäche in der Regel geheilt werden. "Und eine Rechenschwäche ist keine Intelligenzminderung", bekräftigt sie. Ihr liegt viel daran, dass den betroffenen Kindern geholfen wird, bevor sich diese Ängste zu einer Krankheit auswachsen. Wenn Kinder ständig nur Mathe pauken müssen, ohne auch nur einen Schritt weiterzukommen, wenn auch Nachhilfe nichts bringt, dann kann sich das schnell auch auf die Motivation und damit ebenso auf die anderen Fächer auswirken.

Die Lehrerin an der Evangelischen Sekundarschule beschäftigt sich seit längerem mit der Rechenschwäche. Als die Schule im Frühjahr des vergangenen Jahres eine Kooperation mit dem Zentrum zur Therapie der Rechenschwäche (ZTR) Magdeburg abschloss, begann sie kurz danach eine Fortbildung zur Beratungslehrerin für Rechenschwäche sowie zur Durchführung therapiebegleitender schulischer Förderungen. Die hat sie im Sommer beendet und kann sich nun noch besser um Schüler kümmern, die eine Rechenschwäche, eine Dyskalkulie, haben.

Britta Meyer testet auch in diesem Schuljahr wieder die neu hinzugekommenen Fünftklässler auf eine mögliche Rechenschwäche. Wenn sie Anzeichen dafür feststellt, wird ein Therapeut vom Therapiezentrum Magdeburg hinzugezogen, der sich noch intensiver mit dem Schüler beschäftigt. Dabei wird zum Beispiel mit dem Kind besprochen, was es beim Rechnen denkt, sagt Dr. Klaus Retzlaff, der Leiter des Zentrums. "Schüler mit einer Rechenschwäche haben wenig Vorstellungen, wie der Zahlenraum aufgebaut ist." Viele Kinder würden die einfachsten Aufgaben schriftlich rechnen. "In der Grundschule kann der eine oder andere die Dyskalkulie vielleicht noch verstecken, in der Sekundarschule aber geht das nicht mehr", meint der ZTR-Leiter. Dann wird auf den Grundrechenarten aufgebaut. Und wenn die nicht beherrscht werden, klappt es auch nicht mit den höheren Rechenarten.

Die Tests, die Britta Meyer mit den Schülern probiert, zeigen die Probleme. Britta Meyer ist sicher, dass dabei keiner "durchrutscht". Wenn sich dann nach dem Test eines Therapeuten die Rechenschwäche bestätigt, werden die Eltern zu einem Gespräch gebeten. Dabei wird das Problem erläutert, die Eltern können entscheiden, ob sie eine Therapie für ihr Kind möchten, denn dafür fallen Kosten an. In besonderen Fällen sind Zuschüsse möglich.

Die Therapiestunden können problemlos an der Schule stattfinden, erklärt die Mathelehrerin. Im vergangenen Schuljahr kam regelmäßig eine Therapeutin an die Schule, so läuft es auch in diesem Schuljahr.

Britta Meyer unterstützt mit spezieller Förderung der Schüler die Therapie, kann sie aber nicht ersetzen. Individuelle Übungen helfen jedoch dabei. Und was für die Psyche der Schüler ganz wichtig ist: "Während der Therapie wird der Schüler in der Regel von der Notengebung befreit", versichert Schulleiterin Pia Kampelmann. In der 5. Klasse kann eine Therapie noch rechtzeitig greifen, denn der normale Schulstoff muss auch bewältigt werden. Und eine Therapie kann bis zu zwei Jahre dauern, weiß Britta Meyer. Und sie weiß auch, dass es vorangeht, wenn Eltern, Schule und Therapie an einem Strang ziehen. An der Schule werden zum Thema Rechenschwäche übrigens auch Elternabende angeboten.