200 bis 220 Millionen Euro sind einer Schätzung zufolge in den vergangenen 23 Jahren ins Haldensleber Zentrum geflossen. Denn so lange läuft bereits die Stadtsanierung. Auf der jüngsten Sitzung des Bauausschusses gab Horst Müller von der Saleg einen Überblick.

Haldensleben l Marktplatz, Gärhof, Stendaler Straße: An diesen sowie vielen weiteren Stellen hat die Stadtsanierung das Gesicht Haldenslebens nachhaltig verändert. "Wenn man sich an den Zustand von 1989 erinnert, weiß man, dass dringender Handlungsbedarf gegeben war", erklärte Horst Müller von der Sachsen-Anhaltischen Landesentwicklungsgesellschaft (Saleg). Vor den Mitgliedern des Bauausschusses stellte er die wichtigsten Eckpunkte der Stadtsanierung vor.

Grundlage ist die Städtebauförderung, die 1971 in der damaligen BRD eingeführt und nach der Wende auch für die neuen Bundesländer übernommen wurde. Das "Programm für städtebauliche Sanierungs- und Entwicklungsmaßnahmen" sei die "Mutter aller Städtebauförderprogramme".

In Haldensleben begann die Stadtsanierung 1991 - zunächst unter der Trägerschaft der Bau BeCon. Im Sommer 2001 übernahm die Saleg die Rolle als Sanierungsträger. Das Ziel der Stadtsanierung ist "die wesentliche Umgestaltung und Verbesserung von Stadtgebieten zur Behebung städtebaulicher Missstände", zitierte Horst Müller das Baugesetzbuch.

Das Sanierungsgebiet "Historischer Stadtkern" in Haldensleben umfasst rund 39 Hektar. Dazu gehören etwas über 500 Grundstücke, mit rund 1200 Wohnungen, in denen zirka 2000 Einwohner leben. Insgesamt wurden seit 1991 mehr als 700 Einzelmaßnahmen in Angriff genommen oder bereits umgesetzt. Bei der überwiegenden Mehrheit handelt es sich dabei um private Projekte, die von der Stadtsanierung ebenfalls gefördert werden.

Zwar hat die Stadt auch zahlreiche eigene Projekte ins Werk gesetzt. Ihre Hauptaufgabe besteht jedoch darin, zu planen und zu koordinieren. Aus diesem Grund gibt es ein Sanierungskonzept, an dem sich alle Maßnahmen orientieren müssen. Weitere Fördermittel gibt es seit 2005 aus dem Programm "Stadtumbau Ost - Aufwertung" sowie seit 2008 aus dem Programm "Aktive Stadt- und Ortsteilzentren".

Um einzuschätzen, wie groß der Anteil privater Initiativen an der Stadtsanierung ist, lohnt sich ein Blick auf folgende Zahlen: Bis zum Ende des vergangenen Jahres flossen durch die Stadtsanierung rund 41,5 Millionen Euro ins historische Zentrum. Jeweils etwa ein Drittel davon brachten der Bund ein, das Land Sachsen-Anhalt und die Stadt selbst.

Planungs- und Vorbereitungsmaßnahmen sowie Gutachten und ähnliches kosteten rund 4 Millionen Euro. Knapp 19 Millionen Euro flossen in Baumaßnahmen und 17 Millionen in "Ordnungsmaßnahmen". Dazu gehören beispielsweise die Erneuerung sämtlicher Straßen und Plätze, der Bau von Parkplätzen oder der Abriss von Gebäuden.

Bis zum 17. September 2014 wurden 41,89 Millionen Euro investiert. Hinzu kommen 11,4 Millionen Euro aus dem "Stadtumbau Ost" und 2,4 Millionen aus dem Förderprogramm "Aktive Stadt- und Ortsteilzentren". Alles in allem liegt der Eigenanteil der Stadt bei rund 17 Millionen Euro.

Aber: "Jeder Euro kommunale Eigenmittel initiiert eine Investition von zirka zwölf Euro", betonte Horst Müller vor dem Bauausschuss. Den Löwenanteil davon bringen Privatpersonen ein. Auf diese Weise erklärt sich die eingangs genannte Summe von 200 bis 220 Millionen Euro an Investitionen.

Laut Horst Müller bildet die Stadtsanierung einen wichtigen Faktor beim zunehmenden Wettbewerb mit anderen Regionen und Städten. Dabei hatte er als Vertreter der Saleg auch Lob im Gepäck: "Haldensleben hat flächendeckend einen sehr guten Sanierungsgrad erreicht. Mein Kompliment."

Seit 2006 genießen rund 70 "Problemgrundstücke" besondere Aufmerksamkeit. Darauf befinden sich zum Beispiel leerstehende Gebäude oder solche mit einem ruinösen Bauzustand. Bei 21 davon sei die Sanierung mittlerweile bereits abgeschlossen oder stattdessen ein Neubau errichtet worden. Bei weiteren 22 Grundstücken habe die Sanierung begonnen - oder es gebe zumindest eine begründete Hoffnung, dass dies geschieht. Bei fünf Grundstücken wolle die Saleg "dran bleiben".

Bei 22 Grundstücken bestünde allerdings "ganz wenig Hoffnung". "Natürlich fallen in einer überwiegend sanierten Innenstadt solche Grundstücke besonders ins Auge. Der Kontrast ist einfach höher", sagte Horst Müller.

Markante aktuelle Projekte, die mit Städtebaufördermitteln unterstützt werden, sind unter anderem die Seifenfabrik, das Mehrgenerationenhaus und die Villa Albrecht.

"In den nächsten zwei, drei Jahren kann die Sanierung in Haldensleben abgeschlossen werden", schätzte Horst Müller ein. Ein verbindliches Datum, an dem die Stadt mit der Sanierung fertig sein müsse, gebe es nicht.

Allerdings ist zu beachten, dass das "Programm für städtebauliche Sanierungs- und Entwicklungsmaßnahmen" eingestellt wird. Nur für 2014 und 2015 gibt es noch bereits bewilligte Finanzmittel. "Aber für 2015 sind es nur 30 000 Euro. Das ist ein Tropfen auf den heißen Stein", erklärte Horst Müller. Zwar gebe es die Möglichkeit, Geld aus anderen Fördertöpfen zu erhalten. Das ursprüngliche Programm sei jedoch "das flexibelste und am besten zu handhabende" gewesen, so Horst Müller.

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