Drei Tage Party im ganzen Zentrum: Für die Besucher dürfte das Altstadtfest ein voller Erfolg gewesen sein. Doch in finanzieller Hinsicht sieht das anders aus. Laut einer ersten Bilanz muss die Stadt 123 555 Euro zuschießen. Und noch sind nicht alle Rechnungen eingegangen.

Haldensleben l Die Hauptursache für das hohe Minus ist die Altstadtfest-Lotterie. Von 25 000 gedruckten Losen wurden nur 13 320 verkauft. "Wir haben das Ziel nicht erreicht, das wir uns gesetzt hatten", erklärt Bürgermeister Norbert Eichler.

Seit zwei Jahren ersetzt die Lotterie den Eintritt, der offiziell Kulturbeitrag genannt wurde. Der Grund: An den Einlasskontrollen gab es immer wieder Schwierigkeiten. Unter anderem, weil einzelne Bürger die Armbändchen nicht anlegen wollten oder gleich einfach so durchgingen. "Deswegen haben wir gesagt, wir versuchen mal etwas anderes - nämlich die Lotterie", so Norbert Eichler. Doch der erhoffte Erfolg blieb aus. 2013 gab es 50 000 Lose, rund 16 400 wurden verkauft. Bei einem Preis von zwei Euro pro Stück bedeutete das Einnahmen von zirka 32 800 Euro. Dieses Jahr waren es etwa 26 600Euro.

Hinzu kommt: "Das Lotterieverfahren ist deutlich aufwendiger, als wir es uns vorgestellt haben", erläutert Doreen Scherff, die Leiterin des Amtes für Bildung, Kultur, Soziales, Jugend und Sport. Zum Vergleich: Laut Norbert Eichler hat die Stadt durch den Eintritt jährlich zwischen 40 000 und 45 000 Euro eingenommen.

Gleichzeitig sind die Kosten gestiegen: Letztes Jahr hat die Stadt 169 639 Euro für das Fest ausgegeben. Für 2014 sind es nach derzeitigem Stand 179 733 Euro. Diese Zahl wird sich laut Doreen Scherff noch erhöhen. Denn bisher seien nicht alle Rechnungen bei der Stadt eingegangen.

Für die Kostensteigerung gebe es im Wesentlichen drei Gründe: Zum einen habe die Stadt mehr Toilettenwagen aufgestellt, weil deren Anzahl 2013 von den Festbesuchern bemängelt wurde. Daneben sei die Bühne teurer geworden - ebenso wie der Baustrom.

Insgesamt ergibt sich damit ein Rekorddefizit von bisher 123 555 Euro. 2013 waren es etwa 105 000 Euro, 2012 rund 50 000 Euro. Welche Konsequenzen das hat, sei noch nicht klar. Entweder könne man versuchen, 2015 mehr Lose zu verkaufen. Das solle im Zweifelsfall vor allem im Vorfeld des Festes passieren, denn laut Doreen Scherff seien die Losverkäufer im bunten Festgemenge zu leicht zu übersehen. Darüber hinaus würde die Stadt dann mit einem festen finanziellen Grundsockel in das Fest starten.

Variante 2: Die Lotterie wird wieder durch den Eintritt ersetzt. Variante 3: Das Altstadtfest fällt aus. Vor diesem Hintergrund appelliert Norbert Eichler vor allem an den Gemeinschaftssinn der Gäste: "Die Veranstaltung ist kein Fest der Stadtverwaltung, sondern eines von Bürgern für Bürger. Es soll die Menschen zusammenbringen", so der Bürgermeister. "Aber wenn wir das nicht stemmen können, können wir solche Dinge nicht mehr machen." Die Entscheidung müsse jedoch der Stadtrat treffen. "Die Gespräche, die ich geführt habe, haben mir gezeigt, dass Gäste von außerhalb fast keine Lose gekauft haben", berichtet Eichler. Stattdessen habe es einige Bürger gegeben, die dafür gleich eine größere Anzahl von Losen erstanden hätten. "Ohne sie wäre das Ergebnis noch schlechter."

Daneben gibt aber auch eine ganze Reihe positiver Aspekte: Die Händler, die Standbetreiber sowie die Beschicker des Trödelmarktes hätten sich zufrieden gezeigt. Die Polizei habe keine größeren Vorfälle zu vermelden gehabt. Laut Stadthof sei das Müllaufkommen nicht größer als in den vergangenen Jahren gewesen. Besonders die Mitglieder von Khepera hätten auf dem Alten Friedhof einen enormen Ansturm erlebt und sich sehr zufrieden gezeigt. "Der Umzug am Sonntag war ebenfalls schön. Er hat sich mit der Zeit gut entwickelt", ergänzt Doreen Scherff. Erfreulich sei, dass die Veranstaltung so viele junge Gäste angelockt habe. "Vom Losverkauf abgesehen, war es ein schönes Fest", so die Amtsleiterin.

Wie viele Besucher es genau gab, ist unbekannt. Seit es keine Einlasskontrollen mehr gebe, sei eine genaue Zählung laut Doreen Scherff auch nicht mehr möglich. Einer Schätzung zufolge sei die Zahl der Gäste im Vergleich mit den Vorjahren jedoch konstant geblieben. Auch das ist für Norbert Eichler ein Grund zur Freude: "Der Zuspruch ist über die ganzen Jahre geblieben. Das Fest hat sich nicht totgelaufen. Für mich ist es deshalb unverständlich, dass man die Lose nicht an den Mann bekommt, um das Fest zu finanzieren. Wir erreichen einfach zu wenige Menschen."

Dabei sei es nicht nur ein Fest für Haldensleben selbst. Es locke Gäste aus der ganzen Region an. "Mir persönlich würde es sehr leid tun, wenn das Altstadtfest künftig ausfällt oder nur noch alle zwei Jahre stattfindet", betont Norbert Eichler.

Für die Lotterie könnte es jedoch auch von anderer Seite Probleme geben. Denn das Landesverwaltungsamt muss sie jedes Jahr genehmigen. Wenn zu wenig Lose verkauft werden, könne das Amt seine Zustimmung aber auch verweigern.

Für Doreen Scherff läuft letztlich alles auf eine Botschaft hinaus: "Leute, bitte tut etwas für euer Fest."