Uthmöden l In den nächsten Monaten hat Bärbel Wartberg etwas weniger Arbeit, denn die Schwalben sind bereits in den Süden aufgebrochen. Seit dem 12. September seien sie weg, sagt die Uthmödenerin, die gerade die Plakette "Schwalbenfreundliches Haus" am Tor angebracht hat. Auf diese Plakette des NABU ist sie ein bisschen stolz, denn an den Balken der Toreinfahrt an der Langen Straße kleben inzwischen 34 Schwalbennester. "Als wir 2002 hier eingezogen sind, waren es zwei", erzählt die Naturfreundin. Damals haben sie den Hauseigentümer gefragt, ob die Schwalbennester bleiben dürfen, sie würden sich auch darum kümmern. Der Vermieter habe zugestimmt.

Da Schwalben sehr viel Dreck machen, sind die Vögel nicht überall beliebt. Bärbel Wartberg streut Sand auf die Steine in der Einfahrt unter den Nestern. Jeden zweiten Tag kehrt sie den Dreck weg, schrubbt auch zwischendurch mal. Jetzt ist Ruhe. "Zwischen dem 9. und 15. April kommen sie wieder", weiß Bärbel Wartberg aus Erfahrung. Vielleicht bauen sie dann auch wieder neue Nester. Wenn sie im Sommer mit ihrem Mann auf der Bank auf dem grünen Hof gesessen hat, dann hörten beide gern das Zwitschern der kleinen Schwalben.

"Aber wir haben hier auf dem Grundstück noch andere Vögel. Ein Amselpärchen, Kleiber, Rotschwänzchen, Bachstelze, viele Blau- und Kohlmeisen. Und im vergangenen Winter haben wir sogar ein Eisvogelpärchen im Garten gehabt", erzählt Bärbel Wartberg. "Da mussten wir erstmal nachfragen, was das für Vögel sind, denn die gibt es hier recht selten."

Bärbel und Joachim Wartberg gehen auch gern am Kanal und an der Ohre spazieren, genießen die Natur. Besonders freuen sie sich, wenn die Enkel zu Besuch sind, denn den Kindern zeigen sie die Biber und die vielen Vögel besonders gern.

Doch am meisten gibt es hier nun mal Schwalben. "In diesem Jahr sind auch alle groß geworden, es ist kein junger Vogel aus dem Nest gefallen."

Schwalben ernähren sich von fliegenden Insekten, deshalb wurden sie besonders in der Landwirtschaft geschätzt. Früher gab es keinen Kuhstall ohne Schwalbennester. Diese Lebensgrundlagen gibt es kaum noch. Doch Rauch- und Mehlschwalben sind an menschliche Siedlungen als Lebensraum gebunden. Beide Schwalbenarten bauen ihre Nester an Fassaden. Sie verwenden dazu lehmige Erde, die sie in Pfützen sammeln und mit Speichel zu einer festen Masse verkleben. Wegen der Verschmutzung der Hauswände durch Nestbaumaterial und Kot werden die Nester so manches Mal beseitigt, obwohl dies nach dem deutschen Bundesnaturschutzgesetz verboten ist. Auch leere Nester dürfen den Winter über nicht zerstört werden.

Der NABU Sachsen-Anhalt hat mit Unterstützung vom Umweltministerium 2012 erstmalig die Aktion "Schwalbenfreundliches Haus" gestartet. In den ersten beiden Jahren wurden über 220 Schwalbenfreunde ausgezeichnet. 81Schwalbenhäuser waren es 2012 und 140 im Jahr 2013. In diesem Jahr läuft die Aktion noch, obwohl die Vögel längst gen Süden aufgebrochen sind. Bewerbungen können noch an den NABU gerichtet werden.

Mehr dazu unter www.NABU-LSA.de, e-mail NABULVLSA@aol.com, Tel. 0391/5619350.

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