Wie Dornröschen nach 100 Jahren Schlaf vom Prinzen wachgeküsst wird, hat Puppenspielerin Meike Kreim im Rahmen des Grenzgängerfestivals in Wieglitz gezeigt. Außerdem hat ein singender Engel die zahlreichen Gäste der Wieglitzer Kirche begeistert.

Wieglitz l Meike Kreim vom Theater Papperlapapp aus Leipzig ist in Wieglitz längst keine Unbekannte mehr. Zum achten Mal ist die Puppenspielerin zum Grenzgängerfestival ins kleine Dorf am Mittellandkanal gekommen. Die Mitglieder des Gemeindekirchenrates "zittern", ob genügend Gäste kommen, denn eine halbe Stunde vor Aufführungsbeginn ist die kleine Kirche noch leer. Aber wenige Minuten später füllen sich die Reihen vor der Puppenbühne. Mehr als 60 Gäste sind da. Neben Omas und Uromas mit ihren Enkelkindern sowie Familien, sitzen viele andere, die sich die Freude am Märchen bewahrt haben.

Dieses Mal schlüpft die freche Küchenmaus Millie Mäusezahn aus dem Koffer. Die Maus weiß alles über das Schloss und seine Bewohner, denn sie ist die oberkönigliche Küchenmaus. Doch warum bekommt das Königspaar keine Kinder? Das wundert die langzahnige Maus schon lange. Als ein Frosch der Königin weissagt, dass sie eine Tochter zur Welt bringen wird, ist die Freude des Königspaares riesengroß. Ein Fest soll gefeiert und die dreizehn Feen des Landes sollen geladen werden, um ihre guten Wünsche zu überbringen. Doch es gibt nur zwölf goldene Teller im Schloss und so wird kurzerhand die 13. Fee ausgeladen. Sie soll nichts vom Fest erfahren! Eine Fee wäre keine Fee, wenn sie sich einfach ausladen ließe und so nimmt das Schicksal seinen Lauf. Doch zum Schluss küsst der Prinz Dornröschen wach und alle feiern das Glück.

Besonderes Interesse findet bei Kindern und Erwachsenen das vor der Kirche aufgestellte Spinnrad. Viele wollten wissen, wie das Spinnen denn jetzt funktioniert. "Astrid Leischwitz und Annerose Schulze hatten die schöne Idee, die Besucher mit einem echten Spinnrad neugierig zu machen. Und auch Marlis Damm aus Bülstringen, die mit drei Enkelkindern die Märchenaufführung besuchte, kann Tipps für eine richtige Spinntechnik geben", erklärt Angelika Huchel und lädt die Gäste zur Kaffeetafel ein.

Burkhard Engel vom Cantaton-Theater widmet sich am Abend berühmten Satirikern deutscher Zunge wie Erich Kästner, Kurt Tucholsky, Wilhelm Busch und Heinrich Heine. Deren Denken und Schaffen in eineinhalb Stunden im Alleingang zu würdigen und zu charakterisieren, ist eine fast unlösbare Aufgabe. Doch der Musiker, Schauspieler, Dozent, Autor und Rezitator bewältigt sie in einer zugleich routiniert und leichthändig dargebotenen Zeitreise. Mit Versen von Christian Morgenstern und Joachim Ringelnatz begeistert er die über 40 Besucher. Als Hilfsmittel benutzt der singende Engel nur seine Gitarre, einen Hocker, einen Notenständer und ein Rednerpult. Auch nach der Vorstellung laden die Wieglitzer bei schmackhaften Brotaufstrichen und Wein zum Verweilen ins Zelt neben Kirche und Kanal ein. "Dieser Tag war rundum schön, gutes Wetter und fröhliche Besucher in der geschmückten Kirche", zieht Angelika Huchel zufrieden Bilanz. Sie bedankt sich im Namen des Gemeindekirchenrates bei den Mitfinanzierern und bei allen, die zum Gelingen des Tages beigetragen haben. Viele Besucher äußern den Wunsch, solche Veranstaltungen noch öfter in der Kirche zu erleben. Das passt wunderbar ins Konzept, denn die Wieglitzer Christen haben eine Vision. Sie wollen ihr kleines Gotteshaus sanieren und nach der Verschönerung als Schifferkirche eröffnen.

 

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