Die Haldensleber Feuerwehrleute beherrschen ihr freiwilliges Handwerk. Erstmals absolvierten sie eine gemeinsame Einsatzübung mit der Deutschen Bahn AG. Und sie blieben dabei sogar im "Fahrplan".

Haldensleben l Im Haldensleber Bahnhof steht ein Gefahrgutzug. Doch ein Waggon leckt und Chlor tritt aus - unmittelbar am Stellwerk. Der dort arbeitende Fahrdienstleiter bemerkt die Havarie, rettet sich auf den kleinen Balkon des Gebäudes und wird ohnmächtig. Keine Weiche wird mehr gestellt, der weitere Zugverkehr ist sich selbst überlassen - ein noch größeres Unglück droht.

Doch der Schrankenwärter am Jungfernstieg bemerkt den Vorfall, ruft bei der Notfallleitstelle der Deutschen Bahn AG an. Die wiederum informiert die Rettungsleitstelle des Landkreises: Um 18.09 Uhr wird am Dienstag die Freiwillige Feuerwehr Haldensleben alarmiert. 18 Kameraden rücken mit vier Fahrzeugen, darunter die Drehleiter, aus. Unter Atemschutz bergen die Feuerwehrleute den bewusstlosen Fahrdienstleiter und schaffen ihn auf einer Rettungstrage, die an der Drehleiter befestigt ist, zur Verletztensammelstelle.

Bahn-Notfallmanager gibt Übungsszenario vor

Souverän lösen die Feuerwehrleute die Aufgabe, auch wenn es nur eine Übung ist, zu der sie gerufen worden sind, und nur eine Puppe als ohnmächtiger Fahrdienstleiter herhalten muss. Das Szenario dagegen ist gar nicht so abwegig. "So etwas kann immer mal passieren", schätzt Bernd Minschke ein. Der Notfallmanager der Deutschen Bahn AG hat das Übungskonzept vorgegeben und mit Haldenslebens Wehrleiter Frank Juhl detailliert ausgearbeitet. "Es ist das erste Mal, dass wir eine gemeinsame Übung mit der Bahn haben. Einsätze bei der Bahn hatten wir aber schon mehrere", erzählt Juhl.

Die Bahn sei auf den Wehrleiter zugekommen und habe gefragt, ob eine gemeinsame Übung möglich wäre, so Juhl weiter. "Wir sind verpflichtet, mindestens einmal im Jahr in jedem Notfallbezirk der Bahn eine Übung mit der Feuerwehr abzuhalten", nennt Minschke den Grund. Er ist als Notfallmanager für den Bezirk Oebisfelde zuständig, der den Bereich von Vahldorf bis Oebisfelde und den Abschnitt Gardelegen-Wolfsburg der ICE-Strecke Berlin-Hannover umfasst.

Zeitvorgabe eingehalten: Keine Zugverspätungen

Minschke hat auch den Einsatz "Personenrettung vom Stellwerk" vorgegeben. "Die jeweilige Übung wird immer auf die Örtlichkeit ausgerichtet. Da bot sich das Stellwerk in Haldensleben an", sagt er. Das dafür von ihm und Frank Juhl erstellte Übungskonzept ist von der Stadtverwaltung dann abgesegnet worden. "Das läuft relativ reibungslos", lobt der Wehrleiter die gute Zusammenarbeit mit der Stadt.

Als Teil der Übung hat die Feuerwehr auch den Bahnhof komplett gesperrt. Doch Zugreisende hätten keine Einschränkungen hinnehmen müssen, versichert Frank Juhl. Nach 40 Minuten sei der Bahnbetrieb wieder ganz normal gelaufen. "Wir hatten die Alarmierung bewusst auf 18.09Uhr gelegt, denn um 18.05Uhr verlässt der letzte Zug den Bahnhof. Somit hatten wir gut eine dreiviertel Stunde Ruhe vor dem Zugverkehr. Und wir haben uns auch an die Zeitvorgabe halten können, damit es keine Behinderungen und Verspätungen gibt", ist der Wehrleiter stolz auf die Arbeit seiner Kameraden.

Für Notfallmanager Minschke steht fest, dass die Übung nicht die letzte Zusammenarbeit mit der Freiwilligen Feuerwehr Haldensleben sein werde. "Ich werde auf jeden Fall den Kontakt pflegen. Im nächsten Jahr wird unser Notfallmanagement bei den Kameraden einen Vortrag halten, wie sie sich bei Einsätzen an Bahnstrecken richtig verhalten sollten", plant er.

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