Wie in einem Dornröschenschlaf liegt seit mehr als zwei Jahren das kleine Waldhotel mit Gaststätte im Calvörder Grieps. Nachdem der Versuch, das Hotel zu vermieten, gescheitert war, sucht die Gemeinde nun nach einem geeigneten Pächter.

Calvörde l Die gemeindeeigene Waldgaststätte Grieps ist ein Mosaikstein, um Calvörde touristisch attraktiver zu gestalten. Zum Naherholungsgebiet Grieps gehören neben der Gaststätte das Reitstadion und der Sportplatz, der derzeit von den Calvörder Bogenschützen als Trainingsstätte genutzt wird. Ursprünglich sollte mit der Inbetriebnahme des nahegelegenen Sportboothafens im Mai 2013 auch die gastronomische Einrichtung im Grieps wieder eröffnet werden.

Bereits im Oktober 2012 wurde ein Pachtvertrag geschlossen. Die Pächter hatten den Termin zur Wiedereröffnung immer wieder verschoben. Die Gemeinde kündigte daraufhin den Vertrag und verlangte den Schlüssel zurück. Es hat damals ein Versöhnungsgespräch mit den Pächtern mit dem Ziel einer gütlichen Einigung gegeben. Das Gespräch hatte zu keinem Ergebnis geführt. Die Gemeinde hatte über einen Rechtsanwalt Räumungsklage bei Gericht eingereicht. Die Pächter weigerten sich, den Schlüssel herauszugeben. "Wir sind nun zu einem Vergleich gekommen. Das heißt, es war eine gütliche Einigung. Zum 1.August haben wir uns im Einvernehmen getrennt. Das ist für uns natürlich erfreulich, denn nun haben wir endlich als Gemeinde wieder den Zugriff auf das Haus und können nach einer neuen Lösung suchen", erklärte Calvördes Bürgermeister Volkmar Schliephake bei der jüngsten Zusammenkunft des Gemeinderates.

Der Grieps als Naherholungsgebiet habe in Verbindung mit dem Sportboothafen reichlich Potenzial. "Dazu brauchen wir einen Pächter, der sich mit Power einsetzt und Ideen entwickelt", betone Schliephake, der das Naherholungsgebiet als Tor zum Drömling bezeichnet.

"Der Grieps ist seit je her bürgerliches Veranstaltungsgelände", weiß Jürgen Schrader, der sich in seinem Buch "Der Flecken Calvörde - Eine 1200-jährige Geschichte" ausführlich mit dem Sport- und Festplatz Grieps beschäftigt hat. Die erste schriftlich hinterlassene Nachricht besagt, dass der Männer-Turnverein im Juli 1863 auf dem Turnplatz im Grieps eine Veranstaltung mit Unterhaltungsmusik, Aufmarsch und Schauturnen durchgeführt hat. Nach Schraders Aufzeichnungen hat der Radfahrverein Germania am 9. August 1897 ein Sommerfest auf dem Schützenplatz im Grieps gefeiert. 1906 kam ein Tennisplatz hinzu. Das erste Fußballspiel fand dort 1911 statt.

"Das Ensemble von Sport-, Tennis-, Fest- und Schützenplatz sowie von Sportheimen und dem Café Wettstedt machten damals den Grieps zu einer beliebten und stark besuchten Ausflugsstätte", weiß Schrader aus seiner Geschichtsforschung. Nach Beendigung des Zweiten Weltkrieges wurde die gesamte mit Grieps bezeichnete Waldflur ein Standort für eine russische Division. Zelte und schnell errichtete Holzbaracken waren bis zum Herbst 1946 Heimat für 20000 russische Soldaten. Ab 1947 diente das Gelände wieder als Freizeitanlage. Das Café Wettstedt war erhalten geblieben. Sport- und Versorgungsgebäude entstanden. Eine große Festhalle für Tanzveranstaltungen für 600Gäste kam 1967 hinzu. Auch in der DDR-Zeit war der Grieps eine Kultstätte der Geselligkeit. 1993 brannte der Saal ab. Das Gaststättengebäude wurde als Restaurant und Hotel wieder eröffnet.

Das Areal wieder mit Leben zu erfüllen, gehört nun zu den Zielen der Gemeinde Calvörde. Gemeinsam mit der Stadt Oebisfelde-Weferlingen, Hansestadt Gardelegen und der Stadt Klötze beteiligt sich die Gemeinde Calvörde an der Planung des Tourismus- und Vermarktungskonzeptes Drömling, die im Frühjahr kommenden Jahres starten und bis Mitte 2015 dauern soll.

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