Zur Nachtwächterführung durch die Stadt an der Aller hatte der Oebisfelder Heimatverein am Wochenende eingeladen. Vereinsvorsitzender Ulrich Pettke entführte dabei nicht nur Einheimische sondern auch Gäste auf eine Reise durch das mittelalterliche Oebisfelde.

Oebisfelde l Genau drei Minuten nach 20 Uhr ging am Sonnabend ein Fenster des Oebisfelder Heimatmuseums auf. Hinaus schaute Oliver Wolf. Als mittelalterlicher Minnesänger stimmte er "Unter den Linden" von Walther von der Vogelweide an. Ganz untypisch für die frühere Zeit, waren auch seine Kinder Jovan und Liona sowie Ehefrau Michaela mit von der Partie, letztere begleitete das einleitende Musikstück auf der Flöte. Dann meldete sich Heimatvereinsvorsitzender Ulrich Pettke zu Wort. Als Nachtwächter in siebenter Generation war es seine Aufgabe, die Besucher, die zum wiederholten Male zahlreich zu einer der Oebisfelder Nachtwächterführungen erschienen waren, durch die historische Altstadt zu geleiten. Unter ihnen waren auch rund 20 Kollegen der Wolfsburger Autostadt, die die Führung zum Anlass für einen gemeinsamen Ausflug nahmen. Vom großen ging es auf den kleinen Burghof, wo es nicht nur Erläuterungen zum Burgturm und Kaminzimmer, sondern auch zum Verließ im Gewölbe gab.

Von dort klangen plötzlich schreckliche Laute herüber, sodass die Gäste sich schnell in Richtung der Stadtmauer zum Braunschweiger Tor weiter bewegten. Über die Achterstraße ging es zum Kirchplatz und über den Schildplatz, die Mauerstraße und die Badstubenstraße zum Markt und von dort wieder zur Burg.

Unterwegs wurde an etlichen Bauwerken angehalten und Ulrich Pettke informierte mit viel Witz und Charme über die Historie der Stadt an der Aller. Ab und an fragte er die von ihm erläuterten Fakten ab und stellte so sicher, dass auch der letzte Besucher durch die Führung etwas über Oebisfelde lernte. Vor allem dürften aber die Einlagen der Heimatvereins-Mitglieder, die die Veranstaltung durchzogen, in den Köpfen der Besucher geblieben sein. So begegnete der Gruppe auf ihrem Weg nicht nur Bettler Heinrich, der sich über eine milde Gabe und ein paar Streicheleinheiten freute, sondern auch ein Betrunkener, der zuerst aus der Kneipe geworfen und daraufhin von seiner Frau mit dem Nudelholz nach Hause gescheucht wurde. Es gab streitende Nachbarn, einen Spanner, Halunken und eine Magd, die den Schatz aus dem Brunnen vor der Burg stehlen wollte. Den bekam der Nachtwächter jedoch zum Glück der Gäste noch rechtzeitig zu fassen, sodass er kleine Schnäpse an die Erwachsenen und Goldtaler an die Kinder verteilen konnte. Bereits vor der Führung hatten einige Mitglieder des Heimatvereins die Gäste mit Getränken und warmen Speisen versorgt. Nicht nur damit, sondern auch mit ihren Rollen, teilweise Doppelrollen, bei den Führung waren sie mehr aus ausgelastet. Das Publikum dankte es ihnen jedoch und honorierte die Veranstaltung nicht nur mit viel Applaus. So gingen beispielsweise der fünfjährige Etienne und sein zweijähriger Bruder Ian aus Wolfsburg nach der Führung zum Nachtwächter und bedankten sich aufrichtig bei ihm für den tollen Stadtrundgang.

Zwei Nachtwächterführungen bietet der Heimatverein am kommenden Freitag, 17. Oktober, noch einmal an. Während der Rundgang um 20 Uhr bereits ausverkauft ist, gibt es in der Buchhandlung Hoffmann am Markt noch sechs Restkarten für die Führung um 21.30 Uhr zu kaufen.

   

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