Weil der Besitzer eines Gröninger Grundstücks keine Wasserrechnungen mehr bezahlt, wird den Mietern in der nächsten Woche der Hahn abgedreht. Eine direkte Lösung ist nicht möglich.

Gröningen l Wenn Frauke Kuhl-mey dieser Tage den Wasserhahn aufdreht, dann liegt eine Spannung in der Luft. Die Angst ist groß, dass es zischt und kein Tropfen herauskommt.

Denn der Trink- und Abwasserverband Börde (TAV) hat angekündigt, im Gröninger Mehrfamilienhaus Reichenstraße 22 den Trinkwasserzulauf zu kappen. Der genaue Wortlaut des TAV-Schreibens, das Frauke Kuhlmey in der vergangenen Woche als Postwurfsendung im Hausflur gefunden hat, lautet: "Hiermit teilen wir mit, dass zu unserem Bedauern die Wasserversorgung für das gesamte Objekt auf unbestimmte Zeit eingestellt wird. Nachfragen richten Sie bitte an den Eigentümer, nicht an den Trink- und Abwasserverband."

Katastrophe seit Anfang des Jahres befürchtet

Solch eine Katastrophe hatte Frauke Kuhlmey schon befürchtet. Spätestens seit Anfang des Jahres. Denn da hatte ihr die bisher zuständige Verwaltungsgesellschaft mitgeteilt, dass sie das Haus nicht mehr verwalten würde, sondern von nun an der Besitzer, der in einem anderen Bundesland wohnt, der Ansprechpartner für die Mieter sei, an den auch die Miete direkt gezahlt werden müsse. "Was ich auch sofort in die Wege geleitet habe, denn meine Miete einschließlich der Nebenkosten wird vom Arbeitsamt bezahlt", so Frauke Kuhlmey, die damals auch schon andere Anzeichen wahrgenommen hatte, dass der Hauseigentümer seinen finanziellen Pflichten gegenüber den Ver- und Entsorgungsunternehmen nicht mehr nachkommt, beispielsweise auch keine Müllgebühren bezahlen würde. "Die Müllentsorgung hat dann aber wieder geklappt, nachdem ich mit der Frau des Hauseigentümers telefonisch gesprochen und darum gebeten habe, das in Ordnung zu bringen", wie Frauke Kuhlmey sagt.

Dennoch war der Mutter zweier Töchter im Alter von 8 und 14 Jahren die ganze Sache nicht geheuer, weshalb sie sich nach einer neuen Wohnung umgesehen und die auch in Gröningen gefunden hat. Am 1. November wird sie umziehen. "Doch habe ich Angst, dass ich hier in dieser Wohnung die letzten Wochen kein Wasser mehr haben werde", sagt Frauke Kuhlmey, die ihren Vermieter telefonisch nicht mehr erreichen kann und deshalb doch beim TAV angerufen hat. Auch wenn der Wasserverband per besagter Postwurfsendung die Bewohner aufgefordert hatte, sich nicht an ihn, sondern an der Eigentümer des Hauses zu wenden.

"Ich muss doch für meine Töchter und mich kochen"

"Aber was soll ich denn machen. Ich muss doch für meine Töchter kochen, wir müssen uns waschen und auch die Wäsche muss gewaschen werden." Weshalb Frauke Kuhlmey eine TAV-Mitarbeiterin per Telefon gebeten habe, doch wenigstens noch bis zum 1. November Trinkwasser zu liefern, das sie persönlich bezahlen würde.

"Aber ich habe beim Trink- und Abwasserverband leider kein Verständnis gefunden", sagt Frauke Kuhlmey. Woraufhin ihr Nachbar Marco Lange, der mit dem selben Problem konfrontiert ist, aber bereits am Montag nächster Woche in eine neue Wohnung ziehen wird, beim TAV angerufen und um eine individuelle Lösung gebeten habe. "Aber die Mitarbeiterin des Wasserverbandes hat kein Entgegenkommen gezeigt", so Marco Lange. Wie beide Mieter sagen, wäre es doch sicherlich kein Problem, dass sie das Wasser, das sie in ihren letzten Tagen in diesem Haus noch verbrauchen werden, selbst bezahlen.

Vertragspartner ist der Grundstückseigentümer

Doch, das sei ein Problem, wie TAV-Geschäftsführerin Vinny Zielske auf Anfrage sagt. "Denn unser Vertragspartner ist der Grundstückseigentümer." Und es sei deshalb technisch und rechtlich nicht möglich, in einem solchen Mehrfamilienhaus mit einzelnen Mietern Vereinbarungen zu treffen. Die Trinkwasserversorgung in diesem Haus aufrecht zu erhalten, sei nur möglich, wenn der Vermieter oder aber die Mieter den gesamten ausstehenden Betrag begleichen würden, der derzeit 238 Euro beträgt. "Die Mieter müssen dieses Problem also mit ihrem Vermieter lösen", sagt Vinny Zielske, die jedoch ankündigt, dass das Wasser in dieser Woche noch nicht abgestellt wird. Wenn aber bis Anfang nächster Woche nichts passiert, "werden wir kein Trinkwasser mehr liefern".

Wovon dann noch eine dritte Mieterin betroffen sein wird. Denn in diesem Haus wohnt noch eine Rentnerin, die jedoch nicht zu erreichen war. Wie auch die Grundstücksbesitzer unter der Telefonnummer nicht zu erreichen waren, die den Mietern Frauke Kuhlmey und Marco Langer bekannt ist.