Helmstedt, die Stadt der Einheit, soll nach 25 Jahren noch einmal fast genauso im Mittelpunkt stehen wie beim Mauerfall. Diesmal allerdings wird der Besucheransturm die Helmstedter nicht völlig kalt erwischen. Sie bereiten sich mit vielen Partnern auf den 9. November vor.

LandkreisBörde/Helmstedt l Die Helmstedter hoffen, dass es am 9. November in ihrer Stadt genauso voll sein wird wie vor 25 Jahren. Jetzt allerdings erwarten sie die Besucher am Tag. Vor einem Vierteljahrhundert kamen die Menschen aus der DDR quasi über Nacht und verstopften mit ihren Trabis die Straßen.

Helmstedt, die Stadt der Einheit, lädt von 13 bis 18 Uhr ein zu einem großen Bürgerfest, das mit Martinimarkt und Gänsemarkt gekoppelt wird. In der ganzen Innenstadt wird gefeiert.

Auf dem Gröpern gibt es eine Festmeile mit Präsentationen von Nachbarkommunen, Vereinen, Verbänden, Zeitzeugen, Förderern aus Niedersachsen und Sachsen-Anhalt. Hier wird ein Nachbau der Mauer stehen, auch das Fluchtfahrzeug von Michael Schlosser wird gezeigt. In einem zur Tarnung erbauten Hühnerstall hatte Schlosser autodidaktisch, mit Studium der DDR-Zeitschrift "Armeerundschau" und durch die Beobachtung von Agrarfliegern ein Flugzeug für eine Flugweite von 18 Kilometer Luftlinie konzipiert. Von einer Wiese nahe der A9 sollte das Motorflugzeug den Grenzkontrollpunkt Hirschberg (Ostthüringen) überfliegen und in Rudolphstein (Nordfranken) in der Freiheit landen. Bevor es soweit kam, wurde er jedoch im Oktober 1983 verhaftet und inhaftiert, ein Jahr später von der BRD freigekauft.

Ausstellungen gehen auf das historische Datum ein

Diese und weitere Erinnerungen, beispielsweise mit einer Ausstellung "Spiegelungen" im Zonengrenzmuseum oder mit der Fotoausstellung "25 Jahre Mauerfall" im Kaufhaus Berlin gehen direkt auf das historische Datum ein.

In der Marktpassage präsentiert das Gymnasium am Bötschenberg kleine Programme - um 14 Uhr "Wenn Mauern fallen", um 14.30 Uhr politisches Kabarett und um 15 Uhr die Band "Nameless". Im Rathaus bietet die Deutschen Post einen Sonderstempel an.

Die Gegenwart überwiegt: Mehr Aus- als Rückblick

Insgesamt überwiegt an diesem Tag die Gegenwart, gibt es mehr Ausblick als Rückblick. Auf dem Gröpern bauen aus dem Landkreis Börde auch die Gemeinden Hötensleben und Harbke Stände auf. Der Lauftreff Helmstedt-Niederndodeleben ist vertreten. Grenzübergreifend präsentieren sich die Partnerschaftsvereine Helmstedt und Haldensleben an einem gemeinsamen Stand. Hier geht es um gemeinsame Vorhaben der Vereine, und hier soll Soljanka angeboten werden, eine in der DDR beliebte Suppe, die längst auch "drüben" Freunde gefunden hat.

Die Stadt Haldensleben wird sich ebenfalls mit einem Stand vorstellen. Stadtmitarbeiterin Astrid Seifert wird viele Prospekte mitnehmen, für die nächsten Veranstaltungen in der Kreisstadt werben wie für den Weihnachtsmarkt auf Schloss Hundisburg und den Sternenmarkt auf dem Haldensleber Marktplatz. Und unter dem Motto "Komm doch mal rüber..." sollen die Helmstedter zum Gegenbesuch eingeladen werden. Haldensleben und Helmstedt sind seit Juni 1990 urkundlich verbriefte Partnerstädte.

An dem Sonntag gibt es viele Marktstände, Fahrgeschäfte auf dem Martinimarkt auf dem Holzberg - übrigens bereits ab 7. November. Der Gänsemarkt auf dem Marktplatz bietet viele Aussteller, Kleinkunst und Lebensmittel, die Innenstadt lädt ein zum verkaufsoffenen Sonntag. Auf dem Juleumshof steht die große Bühne von NDR1 Niedersachsen. Da sind Linda Hesse und die Ich-will-Spaß-Show mit Markus, Geiersturzflug, UKW, Peter Hubert, Hubert Kah, Fräulein Menke und anderen Künstlern zu erleben.

Die ZeitOrte-Messe der Tourismusregion Braunschweiger Land, der Zweckverband Großraum Braunschweig und das Amt für Regionalentwicklung/Europa-Büro informieren über die niedersächsische Region.

Von Weferlingen wird der historische Triebwagen "Anton" um 12.10 Uhr nach Helmstedt und um 18.30 Uhr zurückfahren. Dafür müssen sich Interessenten aber bei der Lappwaldbahn in Weferlingen anmelden. Die Bahnverbindung über die frühere innerdeutsche Grenze wurde nach der Wende wiederhergestellt, allerdings fahren hier nur Güter- oder Sonderzüge.