Weg vom Bekannten, hin zu etwas Neuem - der Hallenser Künstler Hannes Uhlenhaut nutzt sein Stipendium auf Schloss Hundisburg, um sich auszuprobieren. Statt wie bisher mit Porzellan beschäftigt er sich nun verstärkt mit Gips und Styropor und schafft damit Wolkiges.

Hundisburg l Daten werden heutzutage nicht mehr nur auf Festplatten, CDs oder USB-Sticks gespeichert. Mobile Daten landen in einer "Cloud" - zu deutsch in einer Wolke. Dieser Trend geht auch an der Kunst nicht vorbei. Nur dass der Hallenser Künstler Hannes Uhlenhaut keine Daten speichert, sondern die "Cloud", also die Wolke an sich, in ihrer abstrakten Form äußerst interessant findet. "Mich reizt das Spiel mit Formen", erklärt der 27-Jährige.

Er arbeitet derzeit als Stipendiat auf Schloss Hundisburg und nutzt diese Möglichkeit, neue künstlerischen Wege für sich zu entdecken. Der Absolvent der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle hat sich während seiner Studienzeit der Arbeit mit Keramik verschrieben. "Doch ich möchte mich auch als Bildhauer versuchen", erzählt Hannes Uhlenhaut. Diese Freiheit nimmt sich der freischaffende Künstler nun auf Schloss Hundisburg heraus.

Fünf Kunstwerke hat er seit August geschaffen. Während ein Teufelskopf noch als detaillierte Porzellanfigur - der edelsten Form der Keramik -entstanden ist, so sind die anderen vier Arbeiten deutlich fülliger - eben irgendwie wolkig. "Normalerweise ist meine Formsprache sehr realistisch", meint Uhlenhaut und deutet auf den Teufel. Sein Hang zum Comic ist deutlich sichtbar. "Diese moderne Kunstform verbinde ich gern mit der

Porzel-

lanäs-

the-

tik

und

bringe

damit Altes und Neues zusammen", beschreibt er seinen künstle-rischen Anspruch. Dass er ein Porzel-

lan-

werk

ge-

schaf-fen hat, das habe durchaus

seinen

Grund,

meint er. Schließlich war die Althaldensle-

ber Porzel-

lanfabrik

Nathusius

neben der Königlichen Porzellan-Manufaktur in Berlin die bekannteste

preußische Porzellanmanufaktur ihrer Zeit und begründete die Porzellanindustrie in Haldensleben. Und diesem geschichtlichen Zusammenhang will Uhlenhaut mit seiner Arbeit ein kleines Denkmal setzen.

Neben dieser einen Porzellanarbeit dominiert in Hundisburg jedoch

ein ganz anderes

Material, mit dem Hannes Uhlenhaut sich ausprobieren möchte. Seine "wolkigen" Arbeiten haben alle einen Kern aus Styropor, auf den er Gips aufbringt. Der wird dann so bearbeitet, dass ein Frauenkörper mit üppigen Rundungen oder ein Schaf mit einem Wolkenkopf entsteht. Und auch die Wolke selbst findet sich unter seinen Arbeiten.

"Die Werke, die hier auf Schloss Hundisburg entstehen, sind für eine Ausstellung geplant", erzählt Uhlenhaut. Zwar teilt er sich in Paunsdorf bei Leipzig mit anderen Künstlern ein Atelier, doch da gebe es nicht so viel Platz für seine Neu-kreationen, gesteht er. Deshalb ist er sehr froh darüber, seine Werke vorerst auf Schloss Hundisburg einlagern zu dürfen. "Ich wüsste sonst nicht, wohin damit."

Auch wenn sein Stipendium in diesen Tagen ausläuft, fertig ist Hannes Uhlenhaut mit seinen Werken noch nicht. "Da wird noch dran gefeilt werden", ist er sich sicher. So richtig zufrieden sei ein Künstler eben nie mit seiner Arbeit, verrät er.

Schließlich gehe es ja um Kreativität, und die sei nun mal auch tagesformabhängig, so Uhlenhaut weiter. "Es gab auf Schloss Hundisburg Tage, an denen habe ich nur zehn Minuten gearbeitet, weil es mir nicht von der Hand ging. Und an anderen Tagen habe ich zehn oder zwölf Stunden durchgezogen, weil es so gut lief", macht er deutlich, dass Kreativität nicht mal eben so mit einem Fingerschnipp abrufbar sei.