Auf dem ersten Teilstück der A14-Nordverlängerung in Sachsen-Anhalt rollt seit Mittwoch der Verkehr. Nutznießer sind vor allem die Colbitzer. Ihr Ort wird durch den 5,65 Kilometer langen neuen Autobahnabschnitt vom Durchgangsverkehr entlastet.

Colbitz l Großer Bahnhof unweit der Anschlussstelle Wolmirstedt. Hunderte festlich gestimmte Menschen wollten die Freigabe miterleben.

"Die Menschen sehnen die Autobahn herbei. Deshalb haben wir heute einen Grund zum Feiern", sagte Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU), der auch auf die Hoffnungen von Wirtschaftsansiedlungen einging. "Viele Investoren sind wegen der fehlenden Autobahn weitergezogen."

"Jede Klage bringt Zeitverzögerung und erhöht damit die Kosten."

Haseloff appellierte an die Umweltverbände, ihre ablehnende Haltung zur A41-Nordverlängerung aufzugeben. "Jede Klage bringt Zeitverzögerung und erhöht damit die Kosten. Dieses Geld könnten wir in bessere Umweltschutzmaßnahmen stecken."

Zuvor hatte die Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesverkehrsministerium, Katherina Reiche (CDU), daran erinnert, dass der A14-Lückenschluss das derzeit größte Infrastrukturprojekt in den neuen Bundesländern ist. "Wir sollten die bestehende Lücke so schnell wie möglich schließen", forderte die aus Brandenburg stammende Politikerin. Sie teilte mit, dass bis zum Jahr 2015 drei weitere Abschnitte realisiert werden sollen.

Verkehrsminister Thomas Webel (CDU) bedankte sich in seiner Rede bei allen Baufirmen und Planern, aber auch bei den Bürgern, die für den Autobahnneubau Grundstücke zur Verfügung gestellt hatten.

Webel betonte, dass die A14 wohl die grünste Autobahn Deutschlands wird. Allein auf dem Colbitzer Abschnitt seien Wild- und Fledermaus-Querungshilfen sowie zahlreiche Amphibiendurchlässe gebaut worden.

Der Verkehrsminister freute sich auch über eine Abordnung der Colbitzer Kita "Heideblümchen", die die Freigabezeremonie musikalisch eröffnet hatte. "Auch die Kinder freuen sich über die neue Autobahn und die damit verbundene Verkehrsberuhigung vor ihrer Kindertagesstätte", erklärte Thomas Webel.

Bevor Haseloff, Reiche und Webel das schwarz-rot-goldene Band, auf dem mit goldener Inschrift Datum und Anlass aufgedruckt waren, durchtrennten und damit das Autobahnteilstück freigaben, wurde es gesegnet. Den Segen erteilten der evangelische Pfarrer Dieter Kerntopf und sein katholischer Amtsbruder Peter Zülicke.

"In der Bibel gibt es das Wort Autobahn nicht, aber es ist von Wegen die Rede", so Dieter Kerntopf, der ebenso wie Peter Zülicke allen Autofahrern auf ihrem Weg über das neue Autobahnstück wünschte, ihr Ziel sicher zu erreichen.

Kerntopf sprach von einem segensreichen Tag für Colbitz. "Aber, wenn für einen Wachtelkönig ein höherer Lärmschutzstandard gilt, als für ein Krankenhaus, dann ist das die Umkehrung der Schöpfung", kritisierte er überzogene Umweltstandards.

Autobahnbefürworter aus der Altmark und aus der Prignitz waren mit Transparenten gekommen. "Die A14 in ihrem Lauf halten weder BUND noch die Grünen auf" oder "Grüße aus der Prignitz. Danke für einen weiteren befahrbaren Abschnitt der A14" war da zu lesen.

"Wenn für einen Wachtelkönig ein höherer Lärmschutzstandard gilt, als für ein Krankenhaus, dann ist das die Umkehrung der Schöpfung."

Heidekönigin Julia I. überreichte den Politikern auf einem Samtkissen die Scheren für den feierlichen Bandschnitt. "Ich hoffe auch, dass ich in nicht allzu langer Zeit auf dieser Autobahn bis an die Ostsee fahren kann", erklärte die Repräsentantin der Colbitz-Letzlinger Heide. Nach der Freigabe setzte sich ein langer Fahrzeugzug in Bewegung. An der Spitze ein Oldtimer. In dem Mercedes S220 Ponton hatten Reiner Haseloff, Katherina Reiche und Thomas Webel Platz genommen. Am Steuer der stolze Besitzer des 1957 gebauten Autos, Jürgen Endreß aus Osterburg. Am späten Nachmittag rollte dann schon der normale Feierabendverkehr...