Der Schiffsverkehr auf dem Mittellandkanal musste am Dienstag eingestellt werden. An der Bergfrieder Anlegestelle war es zum Zusammenstoß zweier Schiffe gekommen. Dabei sank ein mit 817 Tonnen Eisenbarren beladener Frachter und versperrt seitdem die Wasserstraße. Wann diese wieder freigegeben werden kann, ist noch nicht abzusehen.

Oebisfelde/Bergfriede l "Ich arbeite seit 17 Jahren für das Wasserstraßenamt (WSA) Uelzen. Doch so etwas habe ich in meiner Laufbahn noch nicht erlebt", sagte Mittwochmorgen Arno Sigges, Außenbezirksleiter des WSA, an der Unglücksstelle am Bergfrieder Anleger und fügte hinzu: "Für uns ist das fast der Gau, der größte anzunehmende Unfall."

Der Gau sei für die daran Beteiligten zum Glück noch glimpflich verlaufen. Die vier Männer auf den beiden Schiffen seien mit dem Schrecken davongekommen, keiner habe sich verletzt.

Zum Unfallhergang erläuterte Sigges: "Das Güterschiff Rothensee kam aus Richtung Westen und wollte am Anleger festmachen. Dabei ging offenbar etwas schief. Das Schiff trieb auf den Kanal zurück und wurde von dem aus Richtung Haldensleben kommenden Frachtschiff Andromeda gerammt. Die Rothensee stellte sich anschließend quer und ging auf Grund eines Wassereinbruches unter. Vermutlich ist das Schiff in der Mitte auch noch auseinandergebrochen."

Um 18.06 Uhr wurden dann die Feuerwehren in Oebisfelde und Niendorf alarmiert. Die rückten mit 24 Kameraden und vier Fahrzeugen an. Zunächst hatten die schnellen Frauen und Männer Mühe, die Unfallstelle am stockdunklen und von starkem Nebel eingehüllten Anleger zu finden. Doch dann ging alles ganz schnell. Scheinwerfer wurden aufgebaut und das Schlauchboot der Oebisfelder Wehr mit Nico Göttmann und Florian Christenneke als Besatzung zu Wasser gelassen. Die beiden Wehrmänner paddelten zur Rothensee und brachten die dort ausharrenden Binnenschiffer sicher an Land. "Mehr konnten wir dort nicht tun", erklärte Oebisfeldes Wehrleiter Frank Hartwig.

Erst wird die Ladung geborgen, dann das Schiff

In der Nacht wurde dann auch schon das WSA Uelzen aktiv. Mitarbeiter bauten die Einsatzzentrale auf und brachten verschiedene technische Gerätschaften vor Ort. Am frühen Morgen setzten dann Experten zur ersten Bestandsaufnahme auf die Rothensee über. Fazit: "Wann der vielbefahrene und für die Wirtschaft sehr wichtige Mittellandkanal für den Schiffsverkehr wieder freigegeben werden kann, ist überhaupt noch nicht abzusehen. Die Bergung wird uns vor einige Probleme stellen", so Sigges.

Zunächst müsse die Ladung aus der Rothensee geborgen werden. Sigges: "Dann geht es an die eigentliche Bergung. Das Wie ist allerdings noch nicht klar. Wahrscheinlich werden wir Taucher einsetzen. Sie sollen schauen, wie groß das Leck ist. Eventuell bekommen wir die Rothensee wieder schwimmfähig. Möglich wäre auch der Einsatz von Schwimmkränen. Doch davon sind in Deutschland nicht viele vorhanden. Sie müssten herangeführt werden, und das dauert."

Keine Sorge müssen sich die WSA-Männer indes um die Umwelt machen. Aus der sogenannten Bilge des Schiffes seien zwar Öl- und Kraftstoffrückstände ausgetreten, doch da dieser Schiffsraum erst vor kurzem gereinigt worden sei, sei die Belastung, wie auch das Umweltamt bestätigt habe, minimal.

   

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