695 Asylbewerber leben gegenwärtig im Landkreis Börde. 68 weitere Flüchtlinge muss der Landkreis im November regulär aufnehmen. Dazu kommen aber noch weitere 30, die in den Vormonaten nicht untergebracht werden konnten.

LandkreisBörde l In der neuen Unterkunft für Asylbewerber in Haldensleben an der Hafenstraße sind jetzt weitere 30 Plätze fertiggeworden, die nach der Abnahme sofort belegt werden können, sagt Iris Herzig, Fachbereichskoordinatorin in der Kreisverwaltung. Bei der endgültigen Fertigstellung sollen hier 150 Flüchtlinge Platz finden, 38 Reserveplätze sind geplant.

68 Asylbewerber muss der Landkreis im November aufnehmen, das sind gut 20 mehr als noch im September. Dazu kommen noch 30 aus Vormonaten. Flüchtlinge, die einen Erstantrag stellen, Asylbewerber, die einen Nachfolgeantrag einreichen, und Spätaussiedler müssen untergebracht werden.

695 sogenannte leistungsberechtigte Asylbewerber beherbergt der Landkreis derzeit. 400 davon leben in Gemeinschaftsunterkünften, 295 in Wohnungen. Im November werden auch zwölf Wohnungen in Oschersleben belegt, kündigt Iris Herzig an.

Mitarbeiter der Kreisverwaltung hatten in allen Einheitsgemeinden und Verbandsgemeinden des Landkreises nach möglichen Kapazitäten für die Unterbringung von Flüchtlingen gefragt. Die Angebote seien ausgewertet, sagt Iris Herzig. Einiges davon sei auch geeignet, das Problem sei in jedem Fall die Betreuung. Deshalb wird zunächst auf Kapazitäten in Städten und großen Orten orientiert. Wenn sich die Entwicklung jedoch so fortsetze, werde die Kreisverwaltung 2015 auch auf diese Kapazitäten zurückgreifen müssen, ist sich Iris Herzig sicher. Dabei soll jedoch darauf orientiert werden, in den Wohnungen möglichst bleibeberechtigte Flüchtlinge unterzubringen.

Die Unterbringung der Asylbewerber sei das eine Problem, die Betreuung das andere. Der Landkreis hat die Stelle eines Betreuungskoordinators/-koordinatorin ausgeschrieben. Eine der Voraussetzungen sind Sprachkenntnisse in Englisch, Französisch und Arabisch. Iris Herzig hofft, dass die Stelle in den nächsten Wochen besetzt werden kann. Sie ist froh über Initiativen von Vereinen und anderen Gremien, die sich um die Flüchtlinge bemühen. "Ohne Ehrenamtliche ist die Betreuung nicht zu sichern", ist die Fachbereichskoordinatorin überzeugt. Der Betreiber der Unterkunft an der Hafenstraße in Haldensleben habe selbst einen ägyptischen Mitarbeiter, der ersten Sprachunterricht geben kann. Der Partnerschaftsverein Haldensleben hat einen Kurs organisiert, und auch die Kreisvolkshochschule bemüht sich, Sprachkurse anzubieten.

In dem Wohnheim an der Hafenstraße leben derzeit 47 Flüchtlinge meist aus Afrika und zwei Familien vom Balkan. Die Flüchtlinge sprechen meist kein Wort Deutsch. Und bevor sie sich nicht einigermaßen orientieren können, können sie auch nicht in eine Wohnung umziehen, erläutert Iris Herzig.

Gemeinsam mit der Haldensleber Abgeordneten Verena Wicke-Scheil machte sich der flüchtlings- und migrationspolitische Sprecher der Landtagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen, Sören Herbst, vor wenigen Tagen ein Bild von der Unterbringung in der neuen Gemeinschaftsunterkunft in Haldensleben. "Die Unterbringung in Gemeinschaftsunterkünften ist kein Modell für die Zukunft", betont Herbst. "Die neue Einrichtung in der Hafenstraße wird im Vergleich zu anderen Flüchtlingsheimen, wie beispielsweise in Harbke, jedoch höhere Standards erfüllen und liegt zentraler. Das geht in die richtige Richtung, wenn diese Unterbringung für die Flüchtlinge erkennbar nur eine Zwischenstation auf dem Weg in eine eigene Wohnung ist. Entscheidend wird die Beratung der Flüchtlinge sowie der Zugang zu Sprachkursen und Arbeit sein. Die Verwaltung ist hier aufgerufen, Ermessensspielräume im Sinne der Betroffenen zu nutzen."

Die Abgeordnete Verena Wicke-Scheil hebt positiv hervor, dass der Landkreis Börde bereits bei der Ausschreibung der Leistung die Leitlinien des Landes für die Unterbringung von Flüchtlingen zur Bedingung gemacht habe. Außerdem habe der Landkreis angekündigt, ein Unterbringungs- und Betreuungskonzept zu erarbeiten. Beides müsse künftig in allen Landkreisen zur Grundvoraussetzung für eine genehmigungsfähige Flüchtlingsunterbringung werden.

Sören Herbst fordert, dass die Landesregierung die Landkreise über das Finanzausgleichsgesetz für eine bessere Unterbringung finanziell besser ausstattet. Außerdem müssten in Zukunft die Kommunen stärker in die Pflicht genommen werden, Wohnungen für Flüchtlinge zur Verfügung zu stellen.