Eine verschmierte Stützmauer am Süplinger Berg präsentiert sich jetzt mit einem herbstlichen Wald. Ein Graffitikünstler hat die Wand mit Kindern in einem Ferienprojekt gestaltet. Mittel aus dem Programm Soziale Stadt und aus dem Stadthaushalt machten es möglich.

Haldensleben l Im Schritttempo fahren die Autofahrer an den beiden Männern und den Kindern vorbei, die eifrig an der Stützmauer hinter dem Edeka-Markt arbeiten. Einige drehen mehrere Runden. Und einer hält sogar an und betrachtet sich den Herbstwald in aller Ruhe, auch wenn er damit den nachfolgenden Autofahrer ebenfalls zum Anhalten zwingt.

Michael Braune, Dirk Lenz, Justeen Drabschinski, Kevin Wrage und Saskia Rascher lassen sich davon nicht stören. Sie haben am letzten Ferientag noch viel zu tun, denn das fantasievolle Wandgemälde muss fertig werden.

Acht Mädchen und Jungen hatten sich an dem Vorhaben beteiligt. "Montagfrüh haben wir uns erstmal hingesetzt zum Trockentraining", sagt der Graffiti-Künstler Michael Braune. In den Räumen von Kids Co. haben die Kinder und Jugendlichen dann zwei Stunden lang zum Thema Herbst gezeichnet. Nach den Zeichnungen wurde die Wand eingeteilt, dann ging es los. Die Mädchen und Jungen haben viel eigenständig gearbeitet. Der Profi hat die Konturen übernommen, Feinheiten und vor allem die Tiere gesprüht.

Für Michael Braune ist das nicht das erste Graffiti-Projekt, das er in Haldensleben mit Kindern und Jugendlichen gestaltet. Die Wand am Bahnhof und das Trafohaus hinter Kids Co. tragen seine Handschrift. "In Haldensleben hat das mit den Jugendlichen immer gut funktioniert", sagt Michael Braune. Im Grunde genommen gibt er bei diesen Projekten auch Kunstunterricht, erläutert er. Kompositionslehre, Stilformen, Perspektiven, wie Lichter gesetzt werden und vieles mehr lernen die Kinder und Jugendlichen. "Und wenn ich von 100 Kindern vielleicht ein oder zwei für Graffiti begeistern kann, sie mit dem Virus infizieren kann, dann ist das gut." Und einige Talente habe es schon gegeben.

Bei den Projekten geht es aber zunächst darum, gemeinsam etwas zu bewegen und Spaß dabei zu haben. Das sieht auch Saskia Rascher so. "Ich habe auch schon beim Stromhaus mitgemacht", sagt die 13-Jährige. Auch da lief die Organisation über Kids Co. Mit Justeen Drabschinski (10) und Kevin Wrage (13) ist Saskia auch am letzten Ferientag noch dabei. Die Mauer hebt sich jetzt als Blickfang von einem beschmierten Nachbargebäude ab. Die Mädchen und Jungen sind stolz auf ihr Werk und hoffen, dass es nicht beschmiert wird.

"Als wir die Idee dem Eigentümer der Stützmauer, den Magdeburger Mühlenwerken, erklärt haben, fanden wir sofort Zustimmung", erzählt Petra Albrecht, Abteilungsleiterin Stadtplanung in der Stadtverwaltung. Mit Mitteln aus dem Programm Soziale Stadt und aus dem Stadthaushalt sei das Projekt möglich geworden. 3500 Euro hat die Projektwoche gekostet. Dirk Lenz, der Leiter von Kids Co., der ebenfalls mit dabei war, plant schon die nächsten Arbeiten mit Farbe. Die Flure in der Jugendbegegnungsstätte sollen einen neuen Anstrich bekommen. Für die Farbe gab es finanzielle Unterstützung vom Jugendamt. Farbe gemischt und gestrichen wird mit den Besuchern von Kids Co.