Seit dem 3. Oktober wandern Christen entlang der ehemaligen innerdeutschen Grenze. Die Pilger von Norden und Süden treffen sich am 9. November in Braunlage. Am Dienstag waren zehn Frauen und Männer von Döhren nach Helmstedt unterwegs.

Döhren l "Wir sind so dankbar für die deutsche Einheit", sagt Angela. Alle stellen sich auf dieser ganz besonderen Wanderung mit ihren Vornamen vor und sagen Du zu einander. Angela ist gestern mit ihrem Mann Reinhard aus Steutz im Jerichower Land nach Döhren gekommen, um eine Tour der Gebetswanderung mitzuerleben. Ein Teil der Gruppe war am Vortag von Oebisfelde nach Döhren gewandert. Der gemeinnützige Verein "Gemeinsam beten bewegen" hat diese Aktion zum 25. Jahrestag des Mauerfalls organisiert. Menschen unterschiedlichen Alters und unterschiedlicher Konfession sind seit dem 3. Oktober an der einstigen deutsch-deutschen Grenze unterwegs. Einige eine Woche lang, andere nur ein oder zwei Tage. Jeder kommt, wie er Zeit hat. Von Lübeck im Norden und Hof im Süden laufen sie aufeinander zu. Am Sonntag wollen sie in Braunlage zusammentreffen. Gestern führte die Tour nach Helmstedt.

Miriam aus der Nähe von Nürnberg, eine der Jüngsten, hat in diesen Tagen die Führung übernommen. Sie möchte die Situation an der Grenze kennenlernen. "Ich habe die Zeit nicht miterlebt und bin im Westen aufgewachsen", sagt sie. Die Route ist vorgeplant. "Das Navi arbeitet eng mit dem Heiligen Geist zusammen", scherzt einer in der Runde.

Wolfgang aus Oldenburg ist in der Nähe von Weimar aufgewachsen. 1954 blieb seine Familie bei einem Verwandtenbesuch im Westen. Seine Verbindung zum Osten aber sei geblieben, sagt er. Er ist bereits in der ersten Woche mitgewandert und wollte auch unbedingt zum Schluss dabei sein. Für den 73-Jährigen war es ein unbeschreibliches Gefühl, dass "wir hier in einer Grenzkaserne friedlich sitzen". Die Gruppe hielt in der Kaserne auch eine Andacht. Wolfgang, Miriam sowie Eva und Ruchama aus Herrnhut hatten sogar in der Kaserne übernachtet.

Ruchama ist wie Odette und Roland Harten, die der Kaserne neues, freundliches, friedliches Leben eingehaucht haben, Niederländerin und schrieb deshalb zur besonderen Freude der Gastgeber auch etwas in ihrer Muttersprache ins Gästebuch.

Karin und Dieter waren aus der Nähe von Stuttgart angereist. Sie wollten diese Tour zum 25. Jahrestag des Mauerfalls unbedingt miterleben, wollten ein Gefühl für die Region und die Menschen hier bekommen.

Die wohl kürzeste Anreise hatten Christine Crackau aus Alleringersleben und Angelika Müller aus Beendorf. Christine Crackau hatte "Beten Bewegen" vor zwei Jahren kennengelernt, als eine Wanderung durch Alleringersleben führte und sie die Wanderer in der Gemeinde aufnahmen. "Bei uns gibt es nur noch wenig Kirche. Wenn wir nicht dazu beitragen, wie soll Gott dann hier wirken?", fragt sie. "Wir brauchen neue Impulse", ergänzt Angelika Müller: "Wir wollen Gott herausfordern, was er für uns bereithält." Das wichtigste für die Gemeinden wäre endlich ein neuer Pfarrer, "der uns als Hirte vorangeht."

"In den Grenzorten ist die Atmosphäre immer noch zu spüren", ist die Beendorferin überzeugt. Alle sind dankbar für das Wunder, das sich vor 25 Jahren zugetragen hat. "Ohne Gott wäre es nicht möglich gewesen, dass so etwas ohne Blutvergießen geschehen konnte", sagt Reinhard. "Die Kirchen haben den Menschen damals Freiräume gegeben." Leider seien die Menschen hinterher nicht wiedergekommen. Der Steutzer ist seit 1991 Pfarrer in der Anhaltischen Kirche.

Sie sei mit dem Gefühl unterwegs, dass die Grenze etwas heilen will, sagt Miriam. "Gott sieht die Wunden in den Herzen und in dem Land", ergänzt Wolfgang. "Wir können auch durch Gebet heilen, glaube ich." Der Oldenburger trägt die Fackel, das "Licht der Welt".