Ob Facebook oder Twitter: Soziale Onlinemedien spielen eine immer größere Rolle - nicht immer zum Guten. Um auf die Gefahren von Cyber-mobbing aufmerksam zu machen, haben BbS und Pestalozzi-Schule ein Gemeinschaftsprojekt auf die Beine gestellt. Im Mittelpunkt stand dabei ein Theaterstück.

Althaldensleben l Das Bühnenbild und die Kostüme sind schlicht, trotzdem verfolgen die Jugendlichen gebannt das Treiben der beiden Darsteller Johanna Pollet und Tim Engemann. Beide sind Mitglieder des Berliner Tournee-Theater-Ensembles Radiks. Auf der Aula-Bühne der Berufsbildenden Schulen Althaldensleben führten sie das Stück "Fake oder War doch nur Spaß" auf.

Doch mit Spaß hatte die Handlung selten etwas zu tun. Das Stück stammt aus der Feder von Karl Koch, der ebenfalls zum Radiks-Ensemble gehört. Der Inhalt: Die 17-jährige Lea träumt davon, Sängerin zu werden. Als eine Casting-Agentur ihr einen Vertrag anbietet, scheint das große Ziel ganz nah. Doch der scheinbare Erfolg schürt Neid bei ihren Mitschülern und Freunden. Am Anfang stehen Sticheleien und Ausgrenzung. Aber mit der Zeit werden die Anfeindungen zum Selbstläufer. Leas Versuche der Gegenwehr sorgen dafür, dass sich die Mobbing-Spirale immer schneller dreht - sei es per SMS oder eben über Online-Netzwerke.

"Für Jugendliche spielen diese Netzwerke eine große Rolle. Gleichzeitig können unbedachte Späße dort eine Riesenwelle auslösen", erklärt Claudia Hoffmeister, Schulsozialpädagogin an der Förderschule Johann-Heinrich Pestalozzi. Dadurch sei das Thema Cybermobbing sehr aktuell. Denn der Zugang zum Internet sei leicht. Durch falsche Benutzerkonten könne man sogar andere Identitäten annehmen, um anderen zu schaden.

Deshalb hatten Claudia Hoffmeister und Birka Hübener, die Schulsozialarbeiterin der BbS, das Radiks-Ensemble eingeladen. Ihr Ziel: Durch das Theaterstück und die entsprechende Nachbereitung im Unterricht sollen die Jugendlichen dazu angeregt werden, sich verantwortungsvoller und bewusster im Netz zu bewegen. Denn Cybermobbing kann ernste Folgen haben. Protagonistin Lea will sich am Ende des Theaterstücks sogar das Leben nehmen.

Im Anschluss an die Aufführung luden die beiden Schauspieler die Schüler zu einer Diskussion ein. Dabei ging es unter anderem um folgende Fragen: Wie ist es überhaupt zu dieser Situation gekommen? Wie hätte die Eskalation vermieden werden können? Wer hätte an welchem Punkt eingreifen können?

Im Publikum saßen dabei die Schüler der achten und neunten Klassen der Pestalozzi-Schule sowie die Jugendlichen des Berufsvorbereitungsjahres (BVJ) und des Berufsgrundbildungsjahres (BGJ) der BbS.

Das Gemeinschaftsprojekt der beiden Schulsozialarbeiterinnen, die in Trägerschaft des Caritas-Regionalverbandes Magdeburg arbeiten, sollte aber nicht nur vor den Gefahren von Cybermobbing warnen. Es ging auch darum, Betroffene anzusprechen - oder solche Schüler, die Betroffene in ihrem Bekanntenkreis haben. "Unser Appell lautet: Bleibt nicht still, sondern wendet euch an Eltern, Lehrer oder Schulsozialarbeiter", so Claudia Hoffmeister.

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