Haldensleben (az) l Für eine Lesung zum Thema "Multikulti" hat die Berliner Anwältin Seyran Ates Haldensleben besucht. Organisiert wurde die Veranstaltung vom DRK-Kreisverband Börde. Als Tochter türkischer Einwanderer, die vor 30 Jahren als Gastarbeiter nach Deutschland kamen, berichtete Seyran Ates aus ihrem Leben. Außerdem präsentierte sie Passagen aus ihrem Buch "Der Multikulti-Irrtum".

Als kleines Mädchen nach Deutschland gekommen, lernte Seyran Ates schnell die deutsche Sprache, beteiligte sich an Demos und Hausbesetzungen in den 70er Jahren. Nach wie vor tritt sie ein für Frauenrechte und Integration, wendet sich gegen Zwangsheirat und Ehrenmorde - was ihr selbst Morddrohungen einbrachte, weshalb Seyran Ates zeitweilig ihre Arbeit als Rechtsanwältin einstellen musste. "Die anschließenden Gespräche um doppelte Staatsbürgerschaft und Erfahrungen aus dem Zusammenleben mit anderen Kulturen zeigten, dass es auch bei uns noch viel Diskussionsbedarf gibt", berichtet Ursula Geisthardt vom DRK-Kreisverband Börde. Wichtig sei es, in der Bevölkerung die Angst vor Unbekanntem zu nehmen, Migranten nicht als Bedrohung zu empfinden, sondern als eine Chance. "Frau Ates hat durch ihr offenes und herzliches Wesen die Herzen der Zuhörer erreicht. Es war ein gelungener Abend und es soll nicht der letzte gewesen sein", versichert die DRK-Mitarbeiterin. Sie hält es für wichtig, "die Diskussion in unserem Landkreis anzuschieben. Wir können die Augen nicht verschließen und müssen der Bevölkerung immer wieder die Gelegenheit bieten, sich zu informieren und Kontakte zu Migranten und Flüchtlingen aufzubauen."