Haldensleben (az) l Zur Eröffnung der Friedensdekade haben alle katholischen und evangelischen Stadtgemeinden einen gemeinsamen, ökumenischen Dank- und Bittgottesdienst gefeiert. "Das ist in dieser Form bisher einmalig", hob Pfarrer Jens Schmiedchen von der Lutherkirchengemeinde Althaldensleben hervor.

Die Veranstaltung fand in der St.-Marien-Kirche statt. Neben Jens Schmiedchen wirkten mit: Pfarrer Winfried Runge sowie Diakon Bernhard Neumann und Christine Neumann von St. Christophorus, Pfarrer Matthias Simon sowie Britta Meyer und Dörthe Vorreier aus der St.-Marien-Gemeinde und Michael Schwalbe, Prediger der Landeskirchlichen Gemeinschaft Ohreland.

Die ökumenische Friedensdekade steht in diesem Jahr unter dem Motto "Befreit zum Widerstehen" und dauert bis zum Buß- und Bettag am 19. November. "Der heutige 9. November ist ein Schicksalstag. Er steht für Größe und Scheitern, für Widerstehen und Anpassen", sagte Matthias Simon in seiner Begrüßung. "Wir haben erlebt, dass es möglich ist zu widerstehen", ergänzte Jens Schmiedchen. Damit erinnerte er an die Grenzöffnung vor 25 Jahren. "Wir sind das Volk, das den Mächtigen der SED widerstanden hat", so Schmiedchen. "Durch Kerzen und Gebete stürzte die Mauer ein", sagte Matthias Simon. "Menschen, die sich nicht kannten, lagen sich in den Armen. Was für ein Aufbruch, was für ein Lebensgefühl!" Doch mittlerweile habe die Menschen der Alltag eingeholt. "Es ist verflixt schwer, in einer freien Gesellschaft zu leben und zwischen all den möglichen Entscheidungen die richtige zu treffen", gab Winfried Runge zu bedenken. In dieser Hinsicht könne der Glaube eine Hilfe sein.

Darüber hinaus erinnerte der Gottesdienst auch an andere historische Ereignisse, die mit dem 9. November verbunden sind - zum Beispiel an die Ausrufung der Weimarer Republik 1918. Aber auch an die Schrecken der Pogromnacht 1938 sowie an den Beginn des Ersten und des Zweiten Weltkrieges. Kantor Uwe Döschner und Prof. Dr. Rüdiger Pfeiffer begleiteten den Gottesdienst mit Musik für Violoncello und Orgel beziehungsweise Klavier. Unter anderem spielten sie die Sonate C-Dur von Willem de Fesch, die Nocturne F-Dur von Friedrich Burgmüller sowie die Rhapsodie a-Moll von Zsolt Gárdonyi.

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