Fast vollzählig ist vor Kurzem der Seniorenchor der Oebisfelder Volkssolidarität aus dem Verband ausgetreten. Auch Inge Thurisch (73), langjährige Leiterin und Dirigentin des Chores. Jens Pickert sprach mit der Oebisfelderin über die Gründe.

Volksstimme:Frau Thurisch, wie kam es zu diesem Schritt?

Inge Thurisch: Es kam einiges zusammen. Nach unserem diesjährigen Sommerfest, das von Yvonne Hannemann, Vorsitzende des Beirates, und ihren Helfern sehr schön organisiert wurde, kam das Gerücht auf, dass es in den von der Volkssolidarität angepachteten Räumen im Mehrgenerationenhaus dreckig und Yvonne Hannemann dafür verantwortlich sei. Das war eine unglaubliche Unterstellung, weil sie nicht der Wahrheit entsprach.

Wie ging es dann weiter?

Yvonne Hannemann, die als Teilzeitkraft für die Volkssolidarität gearbeitet, aber weitaus mehr für uns und für die Volkssolidarität getan hat, hat daraufhin gekündigt. Unserer Meinung nach wurde sie jedoch, weil es auch noch um andere berufliche Angelegenheiten ging, hinaus gemobbt.

Es kam dann zu einem Gespräch zwischen der Ortsgruppe und drei Mitgliedern des Regionalverbandes der Volkssolidarität aus Haldensleben. Was wir uns anhören mussten, war unglaublich. Die Diskussion wurde insbesondere von einer Vorstandsfrau des Regionalverbandes in einem rauen Ton geführt. Es kam teilweise sogar zu Beschimpfungen seitens dieser Person.

Daraufhin fiel der Beschluss des Chores, die Volkssolidarität zu verlassen?

Nein, noch nicht. Wir haben uns mit Yvonne Hannemann unterhalten. Sie ließ sich überzeugen, zu den gleichen Konditionen wieder für die Volkssolidarität zu arbeiten. Allerdings, zumindest hoffte sie das, in einem anderen Arbeitsklima seitens des Regionalverbandes. Die Fakten und auch unsere Meinung zu diesem Thema haben wir dem Regionalverband in einem Brief mitgeteilt.

Wie lautete die Antwort des Regionalverbandes?

Es gab keine. Der Verband in Haldensleben hat nicht reagiert. Wir wandten uns mit dem Problem dann schriftlich an den Landesverband der Volkssolidarität in Magdeburg. Leider kam auch von dort keine Antwort. Hinzu kam, dass wir, weil Yvonne Hannemann nicht mehr vor Ort war, auch vor verschlossener Tür standen und somit nicht proben konnten. Bei uns reifte nun der Entschluss, aus der Volkssolidarität auszutreten. Das haben wir dann realisiert

Sie haben sich aber auch noch an den Bundesvorstand gewandt.

Das ist richtig. Dort fanden wir endlich Gehör. Mit uns wurde auch ein Termin zu einem Gespräch vereinbart. Allerdings wird das unseren Entschluss, die Mitgliedschaft in der Volkssolidarität zu kündigen, nicht beeinflussen. Somit wird der Seniorenchor der Volkssolidarität Oebisfelde ab dem 1. Januar kommenden Jahres nicht mehr dem Verband angehören.

Ist Ihnen dieser Schritt schwer gefallen?

Betonen möchte ich, dass ich die Meinung der Chormitglieder wiedergebe. Wir haben alle Schritte stets gemeinsam besprochen und unternommen. Auch der Beirat war stets involviert. Natürlich ist uns und vor allem auch mir der Schritt schwer gefallen. Denn seit 38 Jahren engagiere ich mich in der Volkssolidarität. Diese Zeit ist nicht so leicht wegzuwischen. Aber leider spielt der Slogan der Volkssolidarität - Miteinander - Füreinander - zumindest in unserem Regionalverband momentan keine Rolle. Wir maßen uns nicht an, in Personalentscheidungen des Regionalverbandes hinein zu reden, sind jedoch der Auffassung, dass wir als jahrelange Mitglieder zu bestimmten Problemen unsere Meinung kundtun können.

Wie geht es mit dem Seniorenchor nach dem 31. Dezember weiter?

Wir machen weiter. Nur eben nicht mehr unter dem Dach der Volkssolidarität. Wir haben bereits einen neuen Proberaum in Aussicht. Natürlich werden wir auch weiterhin auftreten. So stehen zur Adventszeit einige Auftritt, auch außerhalb von Oebisfelde, mit weihnachtlichen Liedern auf dem Programm. Wichtig ist aber auch, dass wir wieder, insbesondere mit Blick auf das Alter unserer Sängerinnen und Sänger, unsere Ruhe haben und uns ausschließlich dem Singen widmen können.

Von 33 Chormitgliedern haben 30 ihre Mitgliedschaft bei der Volksolidarität gekündigt. Wie geht es mit der Begegnungsstätte der Volkssolidarität im Mehrgenerationenhaus weiter?

Das entzieht sich meiner Kenntnis. Dafür bin ich die falsche Ansprechpartnerin.