Landkreis Börde l 721 Asylbewerber leben gegenwärtig im Landkreis Börde. Bis zum Jahresende müssen noch 121 aufgenommen werden, informierte Corinna Sladky, Leiterin des Fachdienstes Soziales in der Kreisverwaltung, die Mitglieder des Kultur- und Sozialausschusses des Kreistages am Mittwochabend. Ursprünglich hätte der Landkreis in diesem Monat 83 Flüchtlinge aufnehmen müssen. Zu den 68 Personen, die in diesem Monat laut Verteilerschlüssel in den Landkreis kommen sollten, gibt es noch einen Überhang aus dem Vormonat. Doch die Kapazitäten reichen noch immer nicht aus, sagte die Fachdienstleiterin. Bisher wurden sechs aufgenommen, 24 sollen jetzt noch dazukommen.

In der ersten Dezemberwoche müsste der Landkreis seinen Pflichten nachkommen können, ist sie zuversichtlich. Dann kann die Gemeinschaftsunterkunft in Haldensleben voll belegt werden. Und die ersten Asylbewerber können auch in die ehemalige Kaserne in Weferlingen einziehen, erläutert Corinna Sladky. Damit könnten dann auch die weiteren 68 Asylbewerber, die im Dezember zu erwarten sind, untergebracht werden. Für das Jahr 2015 müsste der Landkreis voraussichtlich 493 Personen aufnehmen.

Die Auswirkungen für das nächste Jahr seien noch nicht abzuschätzen, ergänzt Fachbereichskoordinatorin Iris Herzig. Bis Mai müsste der Landkreis mit den vorbereiteten Kapazitäten seinen Verpflichtungen nachkommen können. Die Entscheidung, ob noch eine weitere Gemeinschaftsunterkunft ausgeschrieben wird, soll erst Anfang 2015 entschieden werden, erklärt sie.

Künftig können Asylbewerber und geduldete Ausländer nach drei Monaten Arbeit suchen. Und ab dem vierten Monat, den die Asylbewerber und Geduldete in der Bundesrepublik sind, müssen sie nicht mehr in dem ihnen zugewiesenen Aufenthaltsbereich bleiben. In Sachsen-Anhalt konnten sich die Asylbewerber schon jetzt frei bewegen, aber nicht über das Bundesland hinaus. In der Gemeinschaftsunterkunft Harbke hält sich nach derzeitigem Stand beispielsweise nur etwa ein Drittel der zugewiesenen Flüchtlinge ständig auf.

Die Auswirkungen dieser Neureglungen sind noch nicht absehbar. Nicht einfach sei für den Landkreis auch die Betreuung der Asylbewerber, so Iris Herzig. Das könne in einer Gemeinschaftsunterkunft besser abgesichert werden. Je 50 Asylbewerber werde eine halbe Sozialarbeiterstelle veranschlagt. Bei den 260 Asylbewerbern, die in Wohnungen leben, müssten noch zweieinhalb Stellen zusätzlich besetzt werden, das sei noch nicht geschehen. Dabei sei die Betreuung auch wesentlich schwieriger: "Es geht um Sprache und Hilfe im Alltagsleben."

Eine Koordinatorin soll sich künftig auf Kreisebene um diese Probleme kümmern. Ihr Arbeitsschwerpunkt wird jedoch die Betreuung von Kindern sein, denn sie kommen hier zur Schule, ohne ein einziges Wort deutsch zu sprechen.

Die Kreisvolkshochschule wird für die Ankommenden Sprachkurse anbieten. Auch ehrenamtlich wird weitere Hilfe gebraucht. In Weferlingen entsteht beispielsweise eine Kontakt- und Unterstützergruppe.

Sicher müssen auch noch Vorbehalte in der Bevölkerung ausgeräumt werden, gab Iris Herzig zu: "Aber wir sind ein Einwandererland!" Wichtig seien Informationen für die Bevölkerung. Bisher habe es nicht mehr Probleme im Zusammenleben gegeben als bei Einheimischen auch, stellte Corinna Sladky fest.