Zum Unterricht der Haldensleber Konfirmanden gehört auch das Thema "Sterben und Tod". Damit setzen sich die Mädchen und Jungen auf ungewöhnliche Weise auseinander: Sie haben in einem Bestattungsinstitut Särge bunt bemalt.

Haldensleben l Zwei außergewöhnliche Särge besitzt Bestatter Norman Stadler seit dieser Woche: Im Gegensatz zu den meist einfarbigen Exemplaren sind sie kunterbunt. Bemalt haben sie die 16Kinder des Konfirmandenunterrichts der beiden Evangelischen Gemeinden Luther Althaldensleben und St. Marien Haldensleben. Als Gemeinschaftsprojekt entstand ein Sarg mit rotem Boden und einem Deckel, dessen unteren Teil grünes Gras und den oberen Teil ein blauer Himmel mit Wolken ziert. Christliche Motive und Abschiedsworte schmücken den anderen.

Dieses ungewöhnliche Projekt ist Teil des Konfirmandenunterricht. "Wir beschäftigen uns dabei mit verschiedenen Themenblöcken. Dazu gehört neben den 10 Geboten und dem Glaubenskenntnis auch, dass wir Menschen in ihren Berufen besuchen", erklärt Luther-Gemeindepfarrer Jens Schmiedchen. Und weil auch das Thema Sterben und Tod im Unterricht behandelt wird, hat er den Kontakt zu Norman Stadler gesucht, für den Tod und Trauer zum Alltag gehören. "Wir arbeiten bereits seit vier Jahren eng im Konfirmandenunterricht zusammen", so Schmiedchen.

Bei Jörg Stadler lernen die Mädchen und Jungen das Berufsbild des Bestatters kennen. "Wir planen das immer zum November. Zum einen wird ja der graue Herbst mit Tod und Trauer verbunden, zum anderen gedenken wir am Totensonntag der Verstorbenen", sagt der Bestatter. "Ich erkläre ihnen kindgerecht meinen Job und alles, was dazu gehört. Zum Beispiel, wie eine Beerdigung abläuft. Denn Kinder sind bei Beisetzungen eher selten dabei. Der Tod ist in den Familien eher ein Tabuthema", weiß er.

Diese Erfahrung hat auch Pfarrer Schmiedchen machen müssen. "Als wir das Thema für den Konfirmandenunterricht vorstellten, waren die Kinder offen und neugierig, aber ihre Eltern eher skeptisch und zurückhaltend. Denn heutzutage findet das Sterben meist außerhalb der Familie statt, in Krankenhäusern, Altenheimen oder im Hospiz. Früher war es normal, dass die älteren Menschen zu Hause gestorben sind. Die Kultur des Sterbens hat sich mittlerweile gewandelt", bedauert er.

In Vorbereitung auf den Besuch bei Norman Stadler haben die Kinder bei einem Treffen in der Kleinen Kirche am Berg über den Tod gesprochen. "Es ging dabei um eigene Erfahrungen, die sie gemacht haben, wenn jemand in der Familie oder im Freundeskreis verstorben ist", so Pfarrer Schmiedchen. Auch mit den Inschriften auf Grabsteinen und deren Aussage über den Verstorbenen beschäftigten sich die Kinder.

Ihre bemalten Särge sind übrigens auch zu erwerben. "Sie werden ganz normal verkauft, wenn jemand Interesse hat. Ansonsten werde ich sie bei Sozialbestattungen verwenden", sagt Norman Stadler und versichert, dass ein Teil des Erlöses dann auch den Konfirmanden zugute kommen soll.