Colbitz l Eigentlich sollte der neue A14-Abschnitt als eine Ortsumfahrung für Colbitz dienen. So zumindest war die große Hoffnung der Colbitzer. Doch auch nach Fertigstellung des Abschnittes zwängt sich der Schwerlastverkehr durch den Ort. Eine stichpunktartige Zählung an einem Sonnabend ergab 76 Lkw im Ort und 46 Lastzüge auf der Autobahn innerhalb einer Stunde. Trucker würden den neuen A14-Abschnitt meiden, um Maut zu sparen. Colbitz` Bürgermeister Eckhard Liebrecht forderte daraufhin ein Durchfahrtverbot für den Lkw-Transitverkehr.

Aus dem Landesverkehrsministerium hieß es daraufhin, dass es dafür derzeit keine belastbaren Zahlen gäbe. Die sollen im ersten Quartal 2015 vorliegen.

Nun haben Sachsen-Anhalts Bündnisgrüne das Thema aufgegriffen. "Wir haben hier eine groteske Situation. Erst wird eine überdimensionierte Straße - nämlich ein vierspuriger Autobahnabschnitt - an eine Stelle in die Landschaft gesetzt, wo eine zweispurige Ortsumfahrung die verkehrliche Funktion ebenso gut erfüllt hätte. Und danach nimmt es die Landesregierung hin, dass die Bevölkerung im Ort nach wie vor unter dem Lkw-Verkehr leidet. Abhilfe kann hier nur ein Durchfahrtsverbot für Lkw schaffen. Ich fordere daher die Landesregierung auf, dieses umgehend anzuordnen. Die Hoffnung darauf, dass die Strecke in Zukunft ohne diese Maßnahme besser angenommen wird, kann ich nicht teilen. Wenn der neue Autobahnabschnitt einen Zeitvorteil bringen würde, würden die Fahrer auch sofort reagieren", reagierte der verkehrspolitische Sprecher der Grünen-Landtagsfraktion, Dietmar Weihrich. Die Grünen kritisieren ausdrücklich die abwartende Haltung des Landesverkehrsministeriums.

Dies wiederum bringt den Grünen Kritik aus den Reihen der CDU ein. Der CDU-Europaabgeordnete für Sachsen-Anhalt, Sven Schulze, bezeichnete die Grünen als Verhinderer und Blockierer im Land. Die Wirtschaft brauche endlich diese wichtige Autobahn. Es sei ein politischer Tiefpunkt, wenn sich ausgerechnet jene, die seit Jahren den Weiterbau der A 14 verzögern, zum Anwalt der verkehrsgeplagten Anrainerkommunen aufspielen würden.

"Die Grünen sind genauso wenig ein Anwalt der Bürger, wie ein Kammerjäger ein Freund der Flöhe ist. Dass der Lkw-Verkehr immer noch durch Colbitz rollt, liegt schließlich daran, dass eine halbfertige Autobahn durch den Fernverkehr nicht angenommen wird. Wäre die Autobahn fertig, gäbe es auch weniger Lkw. Die Grünen haben durch bewusste Verzögerungstaktiken dafür gesorgt, dass die A 14 immer noch nicht fertig ist. Anstatt den Weg für die Fertigstellung freizumachen, kommen die Grünen mit Verkehrsverboten", so Schulze.

Der Geschäftsführer des Landesverbandes der Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung (MIT) der CDU in Sachsen-Anhalt bezeichnete die Forderung der Grünen gar als "Mumpitz". Man könne nicht den Fernverkehr vom Regionalverkehr trennen. Ein generelles Durchfahrverbot für Lkw würde den Regionalverkehr zum Erliegen bringen. Dies hätte erhebliche Nachteile für die örtlichen Unternehmen. Schmidt fordert die Grünen auf, ihre Wiederstände gegen das Autobahnprojekt aufzugeben. Dass es immer noch Fernverkehr in Colbitz gebe, liege an einer unfertigen Autobahn. "Die Wirtschaft braucht die A 14. Was sie nicht braucht, sind kluge Ratschläge der Grünen im Land", so der MIT-Landesgeschäftsführer.

 

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