Etingen l "Wir haben keinen Bäcker, keinen Einkaufsmarkt und auch keinen Arzt. Das hatten wir früher alles mal. Wir haben aber dafür eine schöne Gaststätte, die leider nicht mehr betrieben wird. Wir suchen jetzt händeringend für die Gaststätte, zu der auch ein Saal gehört, einen Pächter", sagte Etingens Ortsbürgermeister Wolfgang Kapps (parteilos). Er stellte den Mitgliedern des Stadtrates zu Beginn der Sitzung im Etinger Vereinsheim den Ort, in dem etwa 500 Menschen leben, vor.

Im Ort angesiedelt ist die Agrargenossenschaft sowie einige kleine Firmen. Es gibt neben dem Sportverein Etingen/Rätzlingen, Reitverein und Fanclub der Drömlingsborussen noch einige kleine Vereine und die Ortsgruppe der Volkssolidarität. Besonders stolz ist der Ortsbürgermeister, dass Etingen eine moderne Kindereinrichtung vorweisen kann. Lange haben Etinger gekämpft, um dieses Vorhaben genehmigt zu bekommen. Mit viel Engagement und Eigeninitiative war es damals gelungen, die Pläne zu verwirklichen und das Domizil für die "Mühlenstrolche" zu schaffen. "Das Fachwerkhaus, in dem sich heute der Kindergarten befindet, sollte ursprünglich abgerissen werden. Der Abriss sollte damals 50.000 Euro kosten. Dieses Geld haben wir dann ins Gebäude gesteckt", erinnerte sich Kapps.

Der Zusammenhalt der Etinger wäre schon immer besonderes groß gewesen. Wichtig war es den Etingern schon immer, ihr Dorf für junge Familien lebenswert zu gestalten. So war es auch schon zur DDR-Zeit und auch beim Bau des Vereinshauses. "Hier trifft sich alles, egal ob es zum Fußball, zu Familienfeiern oder Rentnernachmittagen ist", schilderte Kapps. Es gab Waldbesitzer, die das Holz gesponsert hatten. Etingen hatte damals noch ein Sägewerk, wo gleich die Balken und Bretter angefertigt wurden. Die Etinger haben das Vereinshaus in vielen Stunden selbst gebaut.

"Die Gemeinde musste damals nicht viel Geld investieren. Damals waren es etwa 40.000 D-Mark. Heutzutage werden für solche Objekte 400.000 Euro ausgegeben", schätzte der Ortschef. Er zeigte auf die Innenausstattung des Vereinshauses, die zum größten Teil von der Agrargenossenschaft und der Jagdgenossenschaft gesponsert wurde.

Als die Gemeinde noch eigenständig war und über eine prall gefüllte Kasse verfügte, konnten viele Vorhaben über das Dorferneuerungsprogramm und über den ländlichen Wegebau realisiert werden. "Rings um Etingen konnten fast alle Wege erneuert werden", zog Kapps Bilanz. Heute würden fast keine Fördermittel mehr fließen. Der Ortsbürgermeister appellierte an den Rat, dafür zu kämpfen, dass die Regierung wieder mehr finanzielle Mittel für die ländliche Region zur Verfügung stellt.

"Früher haben wir mit Freude im Gemeinderat, Projekte umgesetzt. Jetzt wird das Geld immer weniger. Wir fragen uns im Ortschaftsrat, warum wir überhaupt noch Vertreter der Bürger sind, wenn wir fast nichts mehr zu entscheiden haben", sagte Kapps. Zustimmendes Klopfen bekam Kapps für seine kritischen Ausführungen.

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