Die Hoffmannschleuse bei Mannhausen hat gestern sanierte Stautafeln bekommen. Die alten Tafeln waren nicht mehr dicht. Mitarbeiter des Unterhaltungsverbandes "Obere Ohre" haben die sechs schwere Tafeln mit Hilfe eines Autokranes wieder in die richtige Position gebracht. Jetzt kann der Wasserstand der Ohre wieder reguliert werden.

Mannhausen l Es ist noch nicht mal ganz hell, da sind die Arbeiter des Unterhaltungsverbandes (UHV) "Obere Ohre" an der Hoffmannschen Schleuse bei Mannhausen schon im Einsatz. Der Zahn der Zeit hatte am Wehr genagt.

Vor kurzem wurden die sechs Stautafeln der Schleuse ausgebaut. Gerd Blanke aus Brome, Antje Weber aus Jeggau und einige andere Naturfreunde hatten Alarm geschlagen, denn sie dachten, dass die Stautafeln gestohlen wurden. "Die Staubretter wurden entfernt. Die Folge war, dass die Ohre ungehindert abfließen konnte und die anschließenden Naturschutzflächen nun trocken fallen, da der Wasserspiegel um mehr als einen halben Meter gesunken ist", schilderte Blanke damals. Daufhin stand die neue Fischtreppe ohne Wasser. "Bei etlichen Biberburgen sei der Eingang nicht mehr unter Wasser. Damit könnten Fressfeinde - wie Fuchs und Marderhund - die Jungtiere leicht erreichen. Auch die Verstecke und der Lebensraum der Otter sind zerstört. Die Gewässersohle liegt teilweise trocken", beschrieben die Naturfreunde ihre Beobachtungen.

Fred Braumann, Leiter der Naturparkverwaltung Drömling, erklärte: "Zur Absenkung des Wasserstandes auf dem drei Kilometer langen Abschnitt der Ohre zwischen Hoffmannschleuse und Kämkerhorst kam es durch die vom UHV vorgenommene Entnahme der Stautafeln. Die Tafeln sollten instandgesetzt werden. Der UHV führt diese Arbeiten im Auftrag der Naturparkverwaltung durch. Die Stautafel-erneuerung der Hoffmannschleuse war im Februar 2014 abgestimmt worden."

Vergleichbare Wasserstandsabsenkungen durch Baumaßnahmen gab es in den letzten Jahren regelmäßig, wie die Reparatur an der Stadtschleuse bei Calvörde im November 2013. Weitere solche Maßnahmen wird es auch die nächsten Jahre geben. Die Reparaturen der baugleichen Stauanlagen Sponstegschleuse und Waldschleuse würden noch anstehen.

"Unzweifelhaft handelt es sich bei der Maßnahme an der Hoffmannschleuse um eine Störung für die betroffenen Arten in ihrem Lebensraum, da die Eingänge der besetzten Erd- und Mittelbaue an der Ohre in diesem Zeitraum frei lagen. Jedoch wird nicht davon ausgegangen, dass es sich dabei um eine nachhaltige Beeinträchtigung handelt. Vielmehr ist davon auszugehen, dass selbst im Falle von besetzten Bauen mit Jungtieren im betroffenen Ohreabschnitt beide Arten mit den jetzt genügend großen Jungtieren in der Lage sind, kurzfristig in andere Gewässer auszuweichen", erklärte Braumann.

Der Naturparkleiter sagte, dass es besser gewesen wäre, wenn die Öffentlichkeit rechtzeitig vorher über diese geplante Maßnahme informiert gewesen wäre. Positiv sei es nach Ansicht von Braumann natürlich, dass es aufmerksame Naturfreunde gibt.

Doch trotz der Beeinträchtigungen für die tierischen Bewohner der Ohre wäre die Maßnahme dringend notwendig, weil die alten Tafeln zu viel Wasser durchließen. "Die Tafeln sind inzwischen über 20 Jahre alt. Die Reparatur war erforderlich, denn das Wehr reguliert den Wasserstand der Ohre und der anliegenden Flächen", ergänzte Hagen Müller, Geschäftsführer des UHV "Obere Ohre".

In der Werkstatt auf dem Betriebshof des Verbandes wurden die sechs Tafeln, die jeweils 200 Kilogramm und die Aufzüge, die jeweils 500 Kilogramm schwer sind, aufgearbeitet. Stahlteile wurden ersetzt, der Korrosionsschutz erneuert und die Dichtungen ausgewechselt. Die Kosten für die Maßnahme trägt das Land Sachsen-Anhalt und auch die Naturparkverwaltung. "Die Ohre ist ein Gewässer erster Ordnung. Und die Stauanlage befindet sich im Landeseigentum. Wir unterhalten und bedienen über 100 Stauanlagen für das Land", beschrieb Müller.

Nun sehen die sechs Tafeln wie neu aus. Mit grüner Farbe frisch gestrichen schwebten sie am Haken des 60-Tonnenkranes. Den Kran steuerte Andreas Gayko aus Klötze. Vorarbeiter Tino Heimann hatte mit Abstand die schwierigste Aufgabe. Er stand mit einer langen Gummihose bis zur Brust im kalten Ohrewasser. Mit Geschick und Hilfe seines Kollegen Florian Konkiel schaffte er es, die Tafeln millimetergenau in die Vorrichtung der Stauanlage zu bringen. Dabei musste er aufpassen, denn die Strömung wurde von Tafel zu Tafel an der Schleuse stärker.

Der Wasserstand der Ohre wird nun wieder reguliert. "Wir hoffen, dass die Tafeln noch einmal 20 Jahre halten", so Heimann.