Das Haldensleber Altstadtfest wird auch im nächsten Jahr wieder stattfinden. Allerdings soll auf die Lotterie verzichtet und stattdessen wieder Eintritt verlangt werden. Im Gespräch sind 7 Euro für ein Drei-Tages-Ticket, die Tageskarte soll 4 Euro kosten.

Haldensleben l So einig, wie sich die Mitglieder des Kulturausschusses waren, dem Haldensleber Altstadtfest keine einjährige Zwangspause zu verordnen, so unterschiedlich waren ihre Ansätze, den ausufernden Zuschuss der Stadt dafür in den Griff zu bekommen. Das Fest kostete in diesem Jahr knapp 180000 Euro, fast 124000 Euro kamen dafür aus dem städtischen Haushalt - so viel, wie nie zuvor. "Das kann die Stadt so nicht weiter stemmen", stellt Ausschussvorsitzender Klaus Czernitzki (Die Linke) fest.

"Wenn wir als Verwaltung kommerziell denken sollen, so wie es in der Öffentlichkeit zu hören war, dann fahren wir das Fest auf RTL-Niveau herunter. Doch unsere Aufgabe ist die Kulturförderung, deshalb wollen wir das Niveau halten. Das geht nur, wenn wir das Fest alle zwei Jahre stattfinden lassen", ist sich Kulturabteilungsleiterin Renate Schmidt sicher. Für Czernitzki ist das eine Milchmädchenrechnung: "Wir können ja nicht das Geld, das wir in einem Jahr nicht ausgeben, mit in das andere Jahr rübernehmen. Die für das Fest geplante Summe bleibt dieselbe, und deshalb ist das Fest alle zwei Jahre die schlechteste Variante."

Denn einig sind sich alle Ausschussmitglieder: Gerade für die Vereine sei das Fest wichtig, sie würden sich darüber mit der Stadt identifizieren. "Ein Mal im Jahr ist so richtig Leben in der Stadt, diese Atmosphäre möchte ich nicht missen", bringt Czernitzki die Bedeutung des Festes auf den Punkt.

"Den Leuten ist das Fest ja keine 2 Euro wert."

CDU-Stadtrat Eberhard Resch

Eine solche Wertschätzung dagegen findet bei den Besuchern nach Ansicht von Eberhard Resch (CDU) jedoch gar nicht statt. "Den Leuten ist das Fest ja keine 2 Euro wert", ärgert er sich in Anspielung auf den schleppenden Verkauf der Lotterielose zum Altstadtfest. Gerade einmal 13200 von 25000 gedruckten Exemplaren konnten in diesem Jahr unters Volk gebracht werden. Reschs Ansatz ist, die Besucher zum Umdenken zu bewegen. "Sie müssen begreifen, dass es kein Fest der Verwaltung für die Bürger ist. Sie müssen selber etwas dafür tun", macht er deutlich.

Allein mit dem Blick auf die Finanzen, auch darauf einigten sich die Ausschussmitglieder nach kontroverser Diskussion, sei die Lotterie nicht das geeignete Mittel, um den Haushalt zu entlasten. Dies ist ihrer Meinung nach nur möglich, wenn gesichert wäre, dass auch alle Lose verkauft würden. "Auf Dauer gesehen, wird der Losverkauf keine Lösung sein", meint Peter Koch (SPD)

Deshalb plädiert der Ausschuss dafür, wieder zum Eintritt zurückzukehren. Diese Einnahmequelle sei verlässlicher als eine Lotterie. Allerdings hat Renate Schmidt Bedenken. "Einen Eintritt für die Abendveranstaltungen halte ich für gerechtfertigt, aber nicht für den Besuch von Nachmittagsveranstaltungen", befürchtet sie tagsüber einen Besucherrückgang, insbesondere bei Familien. Doch dieses Risiko will der Ausschuss eingehen und setzt auf seiner Ansicht nach moderate Eintrittspreise: 7 Euro für das Drei-Tages-Ticket, 4 Euro für die Tageskarte.

Aus der Erfahrung der bisherigen "Eintrittsjahre" heraus befürchtet Schmidt jedoch wieder Ärger an den Einlassstellen. Immer wieder musste Besuchern der Zutritt verweigert werden, weil sie nicht bezahlen wollten. "Das ist ja der Grund, weshalb viele Freiwillige diese Arbeit nicht mehr machen wollen. Sie wurden zum Teil richtig angepöbelt", sagt sie. Daher sieht sie die personelle Absicherung der Kassierstellen als Problem, für das allerdings Sozialamtsleiterin Doreen Scherff eine Lösung parat hat: Die im Stadtrat vertretenen Fraktionen könnten doch den Einlass absichern. Diesen Vorschlag tragen die Ausschussmitglieder mit. Versucht werden soll darüber hinaus, auch die Mitglieder der Vereine dafür mit ins Boot zu holen.

Um weitere Kosten zu sparen, soll versucht werden, eine der städtischen Bühne zum Fest preiswerter zu bespielen. "Sie könnte an einem Tag ausschließlich für Nachwuchsbands bereit gestellt werden", so Dirk Hebecker (parteilos).