Zu seiner 60. Geburtstagsparty ließ es der Hörsinger Karnevalverein (HKV) mit einer Festsitzung ordentlich krachen. Von der Vorbereitung auf die Rente ist bei den Hörsingern nichts zu spüren, es sei denn, das Thema wird in der Bütt auf die Tagesordnung gesetzt.

Hörsingen (cbo) l Als Gäste der Party waren die Karnevalvereine aus Calvörde und Süplingen mit jeweils einer Abordnung dabei.

"Es war keine Prunksitzung im eigentlichem Sinne, sondern sollte vielmehr eine Reise durch Erinnerungen an vergangenen Jahre darstellen", berichtete Karnevalist Frank Müller.

Nachdem Hörsingens Ortsbürgermeister Peter Schorlemmer den symbolischen Schlüssel zur Machtübernahme an Sebastian Michaelis überreicht hatte, führte Präsidentin Berit Lobach gewohnt souverän durch das Programm.

Zum Auftakt tanzte der Hörsinger Nachwuchs. Die "Sternchen", seit dem Jahr 2002 fester Bestandteil des Programms, zeigten einen modernen Showtanz.

Hans-Heinrich Wilke hatte in seiner plattdeutschen Mundart in die Bütt vieles zu berichten. So war er beispielsweise dabei, als eine Brücke auf Standfestigkeit durch anwesende Schwiegermütter getestet wurde. Er sagte unter Applaus des Publikums: "Hält die Brücke, dann ist das Werk gut, hält sie aber nicht, so haben wir ein gutes Werk getan." Hans-Heinrich Wilke ist übrigens von Anfang an beim Karneval dabei und zwar als Sänger mit dem Trio und als Redner. Jahrelang war er auch als Präsident aktiv.

Die Prinzengarde wartet mit ihrem Marschtanz aus der vergangenen Session auf. Gekonnt sicher und schwungvoll zeigten die jungen Damen den "Radetzky-Marsch".

Als nächster Programmpunkt war der langjährige Präsident Helmut Wilke an der Reihe. Er hatte eine Büttenrede dabei, die nie in Hörsingen gehalten wurde, aber doch den Hörsinger Karneval zum Inhalt hatte. Die Büttenrede entstand nämlich, als eine Delegation aus Grasleben im Jahr 1986 im kleinen Grenzverkehr und auf Einladung des Gesangsverein Weferlingen bei einer Prunksitzung anwesend war. Über viel lobende Worte für das Programm, aber auch Kritik zu den damals noch schlechten Straßen und sanitären Einrichtungen in Hörsingen konnte man da schmunzelnd zur Kenntnis nehmen.

Seit 1970 sind die "Schölekespatzen" fester Bestandteil des HKV. Die Gründungsmitglieder Norbert Daul, Reinhard Wesemeier, Horst Markwort, Eckhard Jäger für Martin Hamel und der musikalische Leiter Uwe Wilke fanden sich mit einem Medley zusammen, um musikalisch in die Vergangenheit einzutauchen. Mit Liedern von damals wie "Junge Mädchen und `nen Sack voll Flöh", "Ui, Ui, Ui, Ui, Ui, Au, Au, Au" und "Es waren einst zwei Grenadiere" zeigten sie, dass sie noch nichts verlernt haben.

Als Zugabe gab es die von Horst Markwort erdachte, mittlerweile legendäre HKV-Hymne ,,Hössig man tau", und der ganze Saal sang mit.

Wolf-Dieter Sonnenberg, ebenfalls ein langjähriger Präsident des HKV, erinnerte an die Anfänge des Karnevals in Hörsingen. Es war eine schwere Zeit damals. Es gab keine Technik. So wurden Verstärker und Mikrofone von Heinrich Schulze selbst gebaut. "War einmal eine Röhre defekt, ging es über die Autobahn mit einer EMW nach Magdeburg und zur Abendveranstaltung war alles wieder okay. Dass dabei das Mittagessen vergessen wurde, ist eine kleine Randerscheinung. Schulzes Katze hat`s gefreut", berichtete Wolf-Dieter Sonnenberg.

Was wäre der Karneval ohne das Männerballett? Die "Glocken von Rom" wurden 1999 erstmals bei einer Prunksitzung dargeboten. Der Auftritt wurde noch einmal nachgestellt. Als Mafiosi verkleidet, erschienen die Männer auf der Bühne, und alle anwesenden im Saal warteten auf die Öffnung der langen Lodenmäntel. Seit ihrem ersten Auftritt 1978 sind Wolfgang Fricke und Peter Roder dabei.

Den Schlusspunkt unter einen gelungenen Jubiläumsabend setzte die Gesangsgruppe. Als die Technik kurz hakte, nahm Uwe Wilke spontan seinen "Trekkebüdel". Mit seiner Unterstützung konnten die Sängerinnen und Sänger alle Register ihres Könnens ziehen und den Saal in Stimmung versetzten.

Die ,,Hörsinger Blaskapelle", die übrigens im nächsten Jahr ihren 60. Geburtstag feiern kann, umrahmte einmal mehr die Festsitzung.

"Zum großen Finale versammelten sich alle Beteiligten noch einmal auf der Bühne und zeigten sich den begeisterten Gästen", fasste Frank Müller das Finale eines grandiosen karnevalistischen Abends zusammen. Alle gemeinsam sangen ,,So ein Tag so wunderschön wie heute".

Dank gilt den Organisatoren der Ausstellung als Zeitreise in die 60-jährige Geschichte sowie den vielen Mitwirkenden und den freiwilligen Helferm, die "uns diese 60 Jahre ermöglichten", so Frank Müller. Es sei ein würdiger Rahmen für "60 Jahre Karneval in Hörsingen" geworden.

Zum anschließenden Tanz spielten Ronny und Partnerin auf.

   

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