Mehrere Generationen feiern jedes Jahr zur Weihnachtszeit in Grauingen unter einem Dach. Dabei fördern die Grauinger den Zusammenhalt der jetzigen und der einstigen Bewohner der 130-Seelen-Gemeinschaft.

Grauingen l "Das gemeinsame Frühstück ist eine tolle Tradition. Wir haben ein gut besuchtes Haus. In Grauingen gibt es 135 Einwohner. 120 Leute sind heute im Saal. Das sind nicht alle Grauinger, sondern auch viele, die ihre Wurzeln hier haben und die Geselligkeit genießen", beschreibt Calvördes Bürgermeister Volkmar Schliephake (CDU), der auch in Grauingen zu Hause ist.

Das vorweihnachtliche Frühstückessen gleicht einer großen Familienfeier. An langen Tischen lassen sich die Gäste das Frühstück nach Hausmacherart schmecken. Handgemachte Blasmusik erklingt. "Es ist ein Stück Weihnachtsbotschaft, indem wir das menschliche Miteinander fördern",ergänzt der Bürgermeister mit dem Blick in die Runde.

Zu den "Ur"-Grauingern gehört der 82-jährige Horst Busse. Mit dem Saal verbinden die Grauinger Erinnerungen an Familienfeiern und an die Geschichte ihres Ortes. "Kriegsgefangene waren damals zeitweise im Saal untergebracht. Gleich nach dem Krieg war der Saal noch voller Getreidesäcke, als Reserve. Diese vorweihnachtliche Veranstaltung im Saal gibt es seit 1960. Früher haben die Schulkinder hier zur Weihnachtsfeier Theater gespielt", erinnert sich Busse.

"Das war die Zeit, in der der sozialistische Frühling kam", ergänzt seine Ehefrau Gerda. Feste fanden damals meist in der Regie der Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaft (LPG) statt. Und auch an diese LPG-Trinkgelage und Tanzabende erinnern sich die Grauinger gern.

"Wir feiern heute mit vier Generationen", freut sich Gerda Busse und zeigt stolz auf ihre Urenkel. Inzwischen sorgt der Weihnachtsmann für Aufregung. Bevor alle Kinder ein Geschenk aus seinem prallgefüllten Sack bekommen, verteilt der Bärtige Fläschchen mit der Aufschrift "Kleiner Waldkauz". Ab und zu muss der Rotkittel auch den erwachsenen Männern mit der Rute drohen. Die Herren versprechen prompt Besserung.

Alexandra ist das fünfte Kind der Familie Muszynski und mit ihrem Alter von drei Monaten die jüngste Grauingerin in Saal. "Es ist schön, so viele Kinder auf einem Haufen zu sehen", schwärmt die ältere Generation. Mandy Waeke, die seit dem 1. Juli als Ortsteilbeauftragte in Aktion ist, zeichnet sich dabei als Assistentin des Weihnachtsmannes aus. "In Grauingen gibt es nur brave Kinder", versichert sie. Und der Weihnachtsmann glaubt es, hört sich lange Gedichte an und verspricht im nächsten Jahr wieder zu kommen.