Der Kinderschutzbund schwört auf die gute Zusammenarbeit mit anderen Institutionen. Die Vernetzung hilft auch den Familien und Kindern, um die sich die Einrichtung kümmert. Sie erhalten hier von verschiedenen Stellen Hilfe.

Haldensleben l Alice Aderholz hat den langen Tisch in der Küche des Kinderschutzbundes liebevoll gedeckt. Die junge Frau arbeitet sich hier ein, denn sie vertritt Sarah Kowar, die bald ihr zweites Kind bekommt und dann ein Jahr pausiert. An diesem Tag ist aber kein gemeinsames Kochen angesagt, sondern eine kurze Besprechung mit einigen Akteuren, die in den Räumen des Kinderschutzbundes tätig sind.

"Wir haben hier ein Netzwerk gebildet", versichert Marlis Schünemann, die Vorsitzende des Kreisverbandes des Kinderschutzbundes. "Und das funktioniert gut." Der Kinderschutzbund ist vor fünf Jahren in die Räume am Waldring 113 eingezogen und lädt in jeder Woche zur offenen Spielgruppe, zur Krabbelgruppe, zum Familienkochen und zur Familienspielwiese ein. Dazu kommen Beratungen für junge Familien und regelmäßige Feste.

Der Kinderschutzbund ermöglicht auch Vätern oder Müttern, ihre Kinder hier zu sehen, wenn diese beim jeweils anderen Elternteil leben. Der Kontakt für den sogenannten begleiteten Umgang wird über Gericht oder Jugendamt hergestellt. Und drei Schulsozialarbeiter in Schulen des Landkreises werden über den Kinderschutzbund beschäftigt.

Bereits seit 2010 können Frauen zur regelmäßigen Sprechstunde oder vereinbarten Terminen der mobilen Frauenberatungstelle zum Kinderschutzbund kommen. Die Beratung ist anonym. Der Bedarf ist groß, sagt Wladilena Engelbrecht. Zunehmend kommen auch Migrantinnen.

Seit geraumer Zeit kann auch Karsten Arndt von der Arbeiterwohlfahrt (AWO) seine Sprechstunden für Asylbewerber hier abhalten. Auch Norman Klawitter, der von der AWO ebenfalls für Beratung und Begleitung von Asylberechtigten und Flüchtlingen im Landkreis zuständig ist, sich aber speziell um Familien kümmert, schaut immer wieder rein.

Inzwischen läuft auch der zweite dreimonatige Kurs zur berufsbezogenen Sprachförderung für Asylbewerber in Regie des Internationalen Bundes. "Da wir schon vorher gemeinsame Projekte mit dem Internationalen Bund gemacht haben, hat eine Mitarbeiterin nachgefragt, ob sie hier einen Raum nutzen können", sagt Marlis Schünemann. "Die Räume sind da und können nach Absprache genutzt werden." Für diese sozialen Zwecke, wie auch für zwei Selbsthilfegruppen werden die Räume kostenfrei zur Verfügung gestellt. Eine Musikschule muss allerdings einen Obolus zahlen.

Marlis Schünemann weiß, wie schwer es ist, etwas in Gang zu bringen und in Gang zu halten. Der Kinderschutzbund zahlt zwar eine reduzierte Miete, aber volle Nebenkosten. Dafür gibt es keine Zuschüsse. Finanziert wird lediglich eine Stelle über die Jugendpauschale. Und seit einem Jahr erhält der Kinderschutzbund eine Pauschale für die begleiteten Umgänge.

Integration ist schwer umzusetzen, aber es gäbe gute Anzeichen, dass der Kinderschutzbund mit seiner Netzwerksarbeit dazu beitragen kann, erzählt die Kreisverbandsvorsitzende. Zu den regelmäßigen Angeboten kommen nicht nur einheimische Familien, sondern auch aus anderen Ländern zugezogene Familien, vor allem Spätaussiedler. Einige Asylbewerberfamilien kommen schon sehr gern auf den kleinen Spielplatz am Haus, haben aber bisher den Weg ins Haus noch gescheut. Doch sie bauen ihre Ängste ab. Beim Fest am Nikolaustag war es richtig voll beim Kinderschutzbund. "Es beginnt, sich zu vermischen", freut sich Marlis Schünemann.

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