Die archäologische Ausgrabung am Burgwall in Althaldensleben ist abgeschlossen. Da der Ort als Keimzelle der Stadt gilt, erlauben die Ergebnisse einen Blick in die frühesten Kapitel der Ortsgeschichte.

Althaldensleben l Grabungsleiterin Juliane Huthmann lässt ihren Blick über das Gelände schweifen: "Man kann sich immer noch vorstellen, was für ein beeindruckendes Bild sich hier früher ergeben haben muss. Die Größe der Befestigung lässt auf die Bedeutung des Ortes schließen."

Allerdings braucht es ein wenig Fantasie, um in den Erhebungen am Rand des Landschaftsparkes Althaldensleben-Hundisburg die Überreste einer Burg zu erkennen. "Dieser Bereich ist bisher ziemlich stiefmütterlich behandelt worden", räumt Stadtpressesprecher Lutz Zimmermann ein. "Er ist nicht so rekonstruiert worden wie andere Teile des Parkes."

Das allerdings soll sich nun ändern - zumindest ein Stück weit. Mit den Worten von Lutz Zimmermann soll der Bereich aus seinem "Dornröschenschlaf gerissen werden". Denn 2016 feiert die Stadt Haldensleben die 1050. Wiederkehr ihrer Ersterwähnung. Und diese Erwähnung ist untrennbar mit den Überresten der Althaldensleber Burg verknüpft. Denn bei ihr handelt es sich vermutlich um den alten Sitz der Grafen von Haldensleben.

Ursprünglich war die Burg von zwei Wällen geschützt. Auf dem äußeren davon hat es bereits eine Ausgrabung gegeben. "Ulrich Hauer, der Leiter des Haldensleber Museums, hat hier in den 70er Jahren viel Wichtiges zutage gefördert. Aber es gab noch zahlreiche Fragezeichen", erläutert Lutz Zimmermann.

Einige davon haben Juliane Huthmann und ihr Team nun aus der Welt geschafft. Dafür haben sie sich den inneren Wall vorgenommen und eine Schnittgrabung von 20 Metern Länge und bis zu zwei Metern Tiefe angelegt. "Wir haben alles in Handschachtung freigelegt, damit uns kein Fund entgeht", so die Archäologin. Zutage gekommen sind dabei unter anderem zwei Siedlungsgruben und ein Pfostenloch, das auf eine Palisade schließen lässt. "Wir gehen davon aus, dass es erst eine Holz-Erde-Befestigung gab, die später mit einer Steinmauer verstärkt wurde", so Juliane Huthmann. "Dieses Areal war im Frühmittelalter von großer strategischer Bedeutung", verdeutlicht Dr. Götz Alper vom Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt. Einst habe die Ohre eine Grenze zwischen sächsischem und slawischem Gebiet gebildet.

Möglicherweise wuchs ein Kaiser in Haldensleben auf

Später habe die Burg noch eine ganz andere Rolle gespielt. Denn sie war auch der Sitz von Gertrud von Haldensleben. Diese ist unter anderem dafür bekannt, dass sie sich im 11. Jahrhundert mit anderen Adligen König Heinrich IV. widersetzte. Mehr noch: Gertruds Enkel war Lothar von Süpplingenburg, der später unter dem Namen Lothar III. selbst als König und Kaiser über das Heilige Römische Reich deutscher Nation herrschte. "Es gibt Vermutungen, dass er von seiner Großmutter hier in Haldensleben aufgezogen wurde", so Götz Alper.

Grundsätzlich ist die Quellenlage zu der Region im Frühmittelalter bislang aber eher dünn. "Die ersten schriftlichen Quellen stammen aus dem 8. Jahrhundert, als Karl der Große hier Verhandlungen mit den Sachsen geführt hat", führt Alper aus. "Danach hören wir für die nächsten 150 Jahre nichts." Haldensleben selbst wird zum ersten Mal in einer Urkunde aus dem Jahr 966 erwähnt. Dieses Schriftstück bildet auch die Grundlage für das geplante Stadtjubiläum.

Die aktuellen Grabungen des Landesamtes für Denkmalpflege und Archäologie haben sechs Wochen gedauert. Als ältestes Fundstück kam dabei ein Keramikgefäß ans Licht, das vermutlich aus der spätrömischen Kaiserzeit stammt (300 bis 500 nach Christus). Mit der Burg hat das Gefäß vermutlich allerdings nichts zu tun. Laut Alper gab es auf dem Areal bereits zuvor ein germanisches Gräberfeld.

Anders könnte das bei freigelegten Tierknochen und Holzkohlestücken aussehen. Mithilfe eines entsprechenden Verfahrens soll im Labor ihr genaues Alter ermittelt werden.

Weitere Grabungen würden sich lohnen

Am wichtigsten ist jedoch die Erkenntnis, dass der Graben zwischen beiden Wällen zweimal neu angelegt wurde, wodurch die Burg jedes Mal trutziger wurde. Den letzten Stand des Burgausbaus kann man zumindest grob erahnen. Denn auf der Sohle des letzten Grabens verläuft heute ein Weg um den Burgwall herum. Dabei gilt es allerdings zu bedenken, dass der Graben im Laufe der Zeit zugewittert ist. Ursprünglich war er deutlich tiefer. "Der Wall war wohl sechs bis acht Meter hoch", so Götz Alper. Der erste Graben stammt vermutlich aus ottonischer Zeit (919 bis 1024 nach Christus). Doch so mächtig die Verteidigungsanlagen auch waren - letztlich konnten sie den Untergang der Burg nicht verhindern. "1167 wurde sie vermutlich durch Erzbischof Wichmann von Magdeburg zerstört", sagt Götz Alper. Auch das würde sich mit den Grabungsfunden decken. "Wir haben kein Fundstück entdeckt, dass jünger ist als aus dem 12. Jahrhundert", verdeutlicht Juliane Huthmann. Stattdessen stieß ihr Team auf eine Brandschicht.

"Wir sind mit dem Ergebnis der Ausgrabung sehr zufrieden", zieht Götz Alper Bilanz. Dabei sei anfangs gar nicht klar gewesen, ob sich im Boden überhaupt etwas finden würde. Denn im Laufe der Zeit hatte es auf dem Areal mehrfach Erdarbeiten gegeben. Laut Juliane Huthmann würden sich weitere Grabungen lohnen. Sie könnten die gewonnenen Erkenntnisse vertiefen oder an anderer Stelle bestätigen.

Laut Lutz Zimmermann soll zunächst jedoch abgewartet werden, bis alle Ergebnisse vorliegen. In jedem Fall möchte die Stadt den Burgwall mit Blick auf das Stadtjubiläum künftig besser erlebbar machen. Dafür sollen nach historischem Vorbild neue Wege angelegt werden. Mittel dafür gebe aus dem Förderprogramm "Aktive Stadt- und Ortsteilzentrum".

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