Multiple Häuser, Gewerkehöfe, ein Jugendmobil, das durch die Ortsteile tourt, oder sogenannte "Paradiesplätze" als Treffpunkte im Dorf. Das sind nur drei der zahlreichen Wünsche und Forderungen, die rund 80 Bewohner und Verantwortliche aus den Orten im Flechtinger Höhenzug bei einer Ideenkonferenz in Hundisburg zusammentrugen.

Hundisburg (il) l Die Ideen sollen in ein neues Lokales Entwicklungskonzept für die nächsten fünf Jahre einfließen. Dieses wird die Grundlage für neue Förderanträge im Rahmen der Europäischen Initiative "Leader" bilden. Die LAG will im "Leader"-Förderzeitraum bis 2020 für Investitionen in der Region erneut Geld aus verschiedenen EU-Töpfen beantragen. Landschaftsarchitekt Wolfram Westhus und Sozialwissenschaftler Dr. Thomas Kauer wurden vom Landkreis beauftragt, das Konzept zu schreiben.

Am 23. März soll es bereits in Ummendorf beschlossen werden. "Wir wollen natürlich nicht irgendwas zu Papier bringen, sondern das, was Sie im Flechtinger Höhenzug benötigen und was Ihre Visionen sind", erklärte Kauer den Besuchern der Ideenkonferenz auf Schloss Hundisburg.

Die Teilnehmer kamen anderthalb Stunden lang an sieben Tischen zu verschiedenen Themenbereichen ins Gespräch, wobei die Tischbesetzung mehrfach nach dem Zufallsprinzip wechselte. Sämtliche Ideen wurden im "Ideen-Café" einfach auf den Papiertischdecken notiert - "Tischlein deck dich" einmal auf andere Weise.

"Generell sind Anreize für junge Menschen, sich in unseren Orten niederzulassen, gefragt."

Gefragt wurde zum Beispiel: Welche technischen Neuerungen braucht Ihr Dorf, damit es in zehn Jahren noch attraktiv ist? Was wünschen Sie sich an Kunst- und Kulturangeboten? Wie könnte die Region für Unternehmen noch attraktiver werden? Aber auch der Erhalt historischer Bausubstanz, Armutsrisiken, Bildung, demografischer Wandel sowie Zuwanderung standen im Blickpunkt. Ebenso die Frage, wie der Flechtinger Höhenzug mit seinen Kulturschätzen und touristischen Angeboten attraktiver für Besucher aus Magdeburg werden könnte.

Steffi Trittel, Bürgermeisterin der Gemeinde Hohe Börde und Vorsitzende der LAG, wertete die Konferenz als "sehr erfolgreich": "Die Jugendlichen wünschten sich zum Beispiel ein Jugendmobil, um alle Ortsteile zu erfassen und gute Jugendarbeit anbieten zu können. Generell sind Anreize für junge Menschen, sich in unseren Orten niederzulassen, gefragt", fasste sie zusammen. "Zum Erhalt der alten Bausubstanz kam der Hinweis, dass die öffentliche Hand bei ungelösten Eigentumsverhältnissen eingreifen sollte", so Steffi Trittel weiter.

Außerdem forderten Besucher ein Ende der Schulschließungen und eine bezahlbare Kita-Betreuung in hoher Qualität auch in Zukunft. Diskutiert wurden zudem sogenannte multiple Häuser. Diese vereinen altersgerechtes Wohnen mit Ärzten sowie Dienstleistern wie etwa Friseur und Fußpflege unter einem Dach. Eine weitere Idee: der Gewerkehof. Trittel dazu: "Das ist eine tolle Sache, da sich dort verschiedene Handwerker gemeinsam ansiedeln und ein gebündeltes Angebot unterbreiten können."

In der Lokalen Aktionsgruppe "Flechtinger Höhenzug" sind engagierte Bürger und Verwaltungen zusammengeschlossen. Das Gebiet umfasst die Verbandsgemeinde Obere Aller, einen Großteil der Verbandsgemeinde Flechtingen, die Einheitsgemeinde Hohe Börde, die Kreisstadt Haldensleben sowie den südlichen Bereich der Stadt Oebisfelde/Weferlingen. Bislang wurden über die Strategie "Leader" im Flechtinger Höhenzug mehr als 100 Förderprojekte realisiert. Dafür flossen seit 2007 insgesamt 8,36 Millionen Euro Zuschüsse aus EU-Töpfen. Die Gesamtinvestitionssumme lag bei rund 20 Millionen Euro.