Kaffeenachmittag steht bei einigen Wellener Seniorinnen an jedem Mittwoch im Kalender. Die Treffen im Seitenflügel des Bürgerhauses möchten sie nicht missen, ebenso wenig wie manchen Ausflug, den die Gemeinschaft organisiert.

Wellen l "Viele kommen nicht mehr raus und es ist gut, dass wir uns hier treffen und austauschen können", bringt es Rosemarie Häberer auf den Punkt. Sie ist eine von 15 Damen des älteren Semesters, die regelmäßig im Seitenflügel des Wellener Bürgerhauses zum Kaffeenachmittag zusammenkommen. Jeweils mittwochs von 14 bis 16 Uhr ist ihre Zeit, Heidi Müller kümmert sich im Auftrag des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) in den zwei Stunden rührend um das Wohl der Seniorinnen.

Doch die Unsicherheit, wie es eines Tages mit der Seniorenbetreuung weiterlaufen wird, ist immer da, denn auch die Maßnahme von Heidi Müller ist wieder zeitlich befristet. "Es wird immer von Jahr zu Jahr entschieden", sagt Rosemarie Häberer, die in der Gemeinde Hohe Börde die Ortschaft Wellen auch im Seniorenbeirat vertritt.

Die 15 Damen in Wellen sind aber eine eingeschworene Gemeinschaft. Die Jüngste zählt 64 Lenze, die Älteste ist in diesem Jahr 90 Jahre alt geworden.

Wenn sie zusammenkommen, reden sie über dies und das und diskutieren auch mal über die Politik. Da bleiben auch richtige Streitgespräche nicht aus. Manchmal wird auch gesungen oder Rosemarie Häberer liest kleine Geschichten vor.

Doch auch so mancher Höhepunkt wird in Eigeninitiative auf die Beine gestellt. So haben sie neben den gewöhnlichen Kaffeenachmittagen auch eine Grillparty organisiert, Fasching gefeiert oder sind auf Tour gegangen. Beispielsweise ging es in diesem Jahr mit dem Schiff von Haldensleben aus auf eine sogenannte Erdbeertour und auch der Advent beim Harzer Jodlermeister in Altenbrak hat allen gefallen. Außerdem gab es nach einem Ausflug nach Flechtingen, dem Besuch der Operettenaufführung auf dem Bierer Berg bei Schönebeck und einem Konzert in Haldensleben viel zu erzählen. Das Deutsche Rote Kreuz übernimmt den Fahrdienst zu verschiedenen Veranstaltungen, wenn die Damen sich melden. Und auch die gemeinsamen Einkaufsfahrten in den Elbe-Park möchten viele nicht mehr missen, wie sie erzählen. Zumal es in Wellen kaum Möglichkeiten gibt, sich für den täglichen Bedarf mit Lebensmitteln auszustatten.

Nur eines hat die Seniorengruppe in diesem Jahr vermisst - nämlich eine vom DRK organisierte Weihnachtsfeier, bei denen sie auch Senioren aus anderen Dörfern hätten treffen können. So wie es früher war - sind sich die Wellener Frauen einig. Stattdessen saßen sie allein im Seitenflügel des Bürgerhauses und genossen die Stunden im Kerzenschein. Die Mädchen und Jungen aus der benachbarten Kindertagesstätte sorgten für die kulturelle Umrahmung. Der Kontakt zur jüngeren Generation wird allerdings nicht nur zum Jahresende gepflegt, sondern über das Jahr immer wieder belebt.

"Uns würde was fehlen, wenn wir mittwochs nicht hier her gehen würden", fasste Frieda Witt zusammen und erntete von den anderen Damen Zustimmung.