In Erinnerungen schwelgten die Sänger der "Walbecker Klosterbrüder" mit ihrem langjährigen Chorleiter Reiner Herr und Angehörigen. "Weißt du noch...?" hieß es bei ihrem letzten Auftritt in Walbeck.

Walbeck l Wenn es am schönsten ist, soll man aufhören. Für Reiner Herr kann es gar nichts Schöneres geben, als vor seinem Chor zu stehen und mit ihm Lieder zu üben oder aufzuführen. Doch das Alter und die Gesundheit erschwerten ihm zuletzt zunehmend, seiner Leidenschaft nachzugehen.

Unter dem Motto "Weißt du noch...?" bereiteten ihm seine Sangesbrüder von den "Walbecker Klosterbrüdern" einen Abschiedsabend, um noch einmal in Erinnerungen zu schwelgen.

Dieter Pätz hatte sich die Mühe gemacht und noch einmal in rund 30 Jahren Chorgeschichte gestöbert, um einige Höhepunkte Revue passieren zu lassen.

Angefangen haben die Klosterbrüder im Walbecker Karneval. Jede Menge Lieder nahmen die Macken und Schrullen der Walbecker aufs Korn. Reiner Herr setzte die tatsächlichen Begebenheiten textlich und melodiös in Szene.

"1987 hast du dir schon Sorgen gemacht, dass Walbeck ausstirbt", blickte Dietmar Pätz in die Anfangszeit zurück. Fast 20 Junggesellen gab es im Ort, aber weit und breit keine Frauen, die zu ihnen passen wollten. Doch jedes Töpfchen hat sein Deckelchen, sangen die Klosterbrüder und waren voller Optimismus, die jungen Herren unter die Haube zu kriegen.

Immer wieder widmete Reiner Herr sein eigenes kompositorisches Schaffen seinem Heimatort Walbeck und der schönen Natur ringsum im Allertal. Eines seiner Produkte: "Warum ist es in Walbeck so schön?"

Seine vielen Lieder würden ein ganzes Wochenprogramm füllen, doch den Sängern blieb nur ein Abend für den Rückblick. So hatten sie auszugsweise einige Gesangseinlagen, angestimmt von Dietmar Pätz mit seiner Trompete, einstudiert.

Nach und nach wurde aus den Karnevalssängern auch ein Chor, der sich dem Volksliedgut widmete. Auftritte zu den verschiedensten Veranstaltungen brachten dem Chor viele lobende Worte und Beifall.

"In einer lehrerlempelhaften Strenge mussten wir neue Texte geheimhalten, was gar nicht so einfach war, wenn wir auf der Toilette zu Hause laut die Texte übten", blickte Dietmar Pätz augenzwinkernd zurück.

Nahezu 40 Karnevalslieder stammten aus der Feder von Reiner Herr, ehe sich die ersten Volks- und Heimatlieder dazugesellten. Rund 50 solcher Stücke von der Vergangenheit bis in die Gegenwart gehören zum Repertoire der Walbecker Klosterbrüder - von "Im schönsten Wiesengrunde" bis hin zur Eigenkomposition "Mein Walbeck ist schön".

Die Mischprogramme des Chores aus beiden Genres kamen beim Publikum stets gut an, blickte Dietmar Pätz als Moderator des Abschiedsabends zurück. Er erinnerte an Ereignisse wie den Kaiserzug 2001, die 1075-Jahr-Feier im Jahre 2005 oder die Landpartie 2009.

Mit der dritten Schiene, dem Weihnachtsprogramm, trugen die Klosterbrüder festliche Stimmung in Kirchen wie Döhren, Siestedt, Schwanefeld oder Helmstedt, in die Median-Klinik Flechtingen und selbstverständlich nach Walbeck. Etwa 30 Lieder gehören hier zum festen Repertoire, das der Chor beherrscht.

Besonders angetan hatten es Reiner Herr auch die Frühlings- und Naturlieder. Von den rund 30 Werken, die der Chor singt, stammen etwa die Hälfte von Reiner Herr. Immer wieder spielt das Allertal eine Rolle.

Immer wieder stimmen die Sänger an diesem Abend einige der Lieder an, ganz im persönlichen Kreis mit den Frauen und Lebenspartnern. Trotzdem: "Über 30 Jahre in Worte zu fassen, ist schwer", sagt Dietmar Pätz.

Jeder Sänger hat noch ein ganz persönliches Geschenk für Reiner Herr, der tiefbewegt seine Frau vorlesen lässt, was er an diesem denkwürdigen Abend nicht über die Lippen bekommt.

Auch Ortsbürgermeister Martin Herrmann und die Karnevalisten bedanken sich für eine beispiellose Karriere, die eigentlich immer nur ein Hobby sein sollte, für Reiner Herr aber einen Großteil seines Lebens ausmacht.

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