Wer in Mannhausen beim Winter-Drömlings-Marsch den Wanderpokal gewinnen möchte, muss nicht nur geschickt, sondern schlau wie ein Fuchs sein und Augen haben wie ein Adler. Zum 20. Mal haben Wanderer auf Einladung der Mannhäuser Feuerwehr die abenteuerliche Tour erlebt. 182 Mannhäuser und Gäste stellten sich den ungewöhnlichen Mutproben.

Mannhausen l 155 Erwachsene und 27 Kinder kamen in den Mannhäuser Saal, um sich für den Winter-Drömlings-Marsch anzumelden. Zuerst bildeten die Wagemutigen 23 Gruppen und teilten der Wettkampfleitung ihre Namen mit. "Nehmt ein Schreibgerät für unterwegs mit und marschiert einfach los", riet Feuerwehrfrau Reinhilde Lüdecke bei der Anmeldung. Mit dem Blick auf die Starterliste stellte sie fest: "Der harte Kern der Wanderer stammt natürlich aus Mannhausen. Aber auch Gäste aus Velsdorf, Mieste, Kathendorf, Etingen, Wegenstedt, Altenhausen, Dorst, Haldensleben, Böddensell und Calvörde sind dabei."

"Es geht heute - wegen der schlammigen Wege - auf festem Grund erst in Richtung Keindorf und dann am Kanal entlang zurück. Das haben wir uns kurzfristig überlegt", erklärte der Mannhäuser Wehrleiter Kevin Quatz.

Was ist ein "Kiesefretsch" und was ein "Burhase"? Diese und noch andere Wörter galt es, an der Station von Lutz Salomon vom Plattdeutschen ins Hochdeutsche zu übersetzen. Der Mannhäuser, der den Fragenkatalog erstellt hatte, begrüßte die Wanderer in der Mundart und hatte sichtlich Spaß daran, die Teilnehmer rätseln zu lassen. "Ich bin bei meinen Großeltern in Erxleben aufgewachsen. Dort habe ich oft unter dem Tisch gesessen, den Alten zu gehört und so platt gelernt", erzählte Salomon.

"Kiesefretsch ist ein wählerischer oder nörgelnder Mensch und Burhase ein großer Bratklops", erklärte der Mannhäuser. Bei ungläubigen Blicken zeigte er auf das Buch von Albert Hansen "Magdeburger Börde: Holzland-Ostfälisches Wörterbuch", indem die Wörter aus Omas Sprachgebrauch schwarz auf weiß gedruckt nachzulesen sind.

"In diesem Jahr können die Teilnehmer nicht per Handy die Lösungen im Internet finden. Nur wer sich in Mannhausen und Umgebung auskennt und seine Augen bei der Tour aufmerksam offen hält, kann Punkte sammeln", sagte Salomon mit spitzbübischem Lächeln. So galt es außerdem herauszufinden, welche Jahreszahl an einer Wand des alten Einkaufsmarktes steht. Die Lösung, der Markt wurde 1937 gebaut. Mitten im Dorf saß am Wegesrand ein präparierter Marder auf einem Baum. Wer ihn entdeckte, sahnte weitere Punkte ab.

Außerdem sollten die Wanderer auf der Tour nicht zu viel Feuerwasser trinken, denn wenigstens einer im Team musste noch einen klaren Kopf behalten, denn es sollten auch die Namen der Gefallenen auf dem Kriegerdenkmal gezählt und Rechenaufgaben gelöst werden. Die Leute sollen etwas lernen. Deshalb enthielt der Fragebogen auch viel Wissenswertes über die Region. "Mannhausen entstand im 11. oder 12. Jahrhundert. Nach einer Amnestie waren alle Insassen eines Gefängnisses im Drömling plötzlich frei und wussten nicht wohin. Daher gründeten sie ein Dorf, in dem sie vorerst notdürftig wohnen konnten. Da alle Gefangenen männlich waren, wurde das Dorf kurzerhand Mann-Hausen genannt", erklärt Salomon.

Um die volle Punktzahl zu kriegen, musste auch der eine oder andere Abstecher gemacht werden. So führte der Weg auch zur Wiese von Landwirt Jürgen Germer, der wegen der Renaturierung der Niedermoorlandschaft sich Wasserbüffel angeschafft hat. Wie lang ist die durchschnittliche Tragezeit dieser Rinderart?", lautete die Frage. Wer Glück hatte, konnte den Landwirt, der gerade Futter ranschaffte, höchstpersönlich fragen oder die Lösung "333 Tage" auf dem Info-Schild nachlesen.

Spannend wurde es bei der Bekanntmachung der Sieger im Saal der Gaststätte. Den Wanderpokal und eine Flasche Sekt gewannen die Erstplatzierten von "Annas Truppe" aus Velsdorf und Mannhausen. Dazu gehörten die Familien Dreyer, Bartsch und Heider.

Die Familie Woldau und die Gruppe "Schneeweißchen und Rosenkohl" mit Mitgliedern der Familie Salomon holten sich jeweils den zweiten Platz und damit mittelgroße Flaschen Sekt. Einen Extrabeifall bekamen die 76-jährige Elise Hevekerl und der 73-jährige Günter Sy, weil sie die betagtesten Wanderer waren. "Der Marsch war ein Erfolg. Das schlechte Wetter zieht meist um Mannhausen herum. Wir hatten Glück", freute sich Quatz. Er bedankte sich bei seinen Kameraden, den Helfern und bei den Mitarbeitern des Wasser- und Schifffahrtsamtes, die die Wegtour am Kanal genehmigt hatten.

 

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