Für Klamotten und Schuhe lässt sich fast beliebig viel Geld ausgeben. Doch nicht alle Menschen können sich das leisten. Wenn Lohn, Arbeitslosengeld oder Rente nicht reichen, hilft die Kleiderkammer des DRK. In Haldensleben betreut sie knapp 300 Kunden.

Haldensleben l Ob Pullis, T-Shirts oder Hosen: Die Regale und Kleiderständer in dem kleinen Raum sind gut gefüllt. Hinter dem Tresen stehen Edeltraud Grahn und Helga Sienknecht. Zusammen mit ihren Kollegen betreuen sie die Kleiderkammer, empfangen Kunden und geben Tipps, wo was zu finden ist und was zu wem passen könnte. Sie alle arbeiten ehrenamtlich.

Neben dem Standort in Haldensleben, betreibt der DRK-Kreisverband Börde weitere Kleiderkammern in Wolmirstedt und Oschersleben. Sie sind jeweils an die Tafeln angegliedert, haben jedoch andere Öffnungszeiten. Das hilft zum einen, den Andrang besser zu koordinieren. Zum anderen ermöglicht es den Kunden ein wenig Privatsphäre. Denn für viele Menschen ist es kein leichter Schritt, die Hilfe einer Kleiderkammer in Anspruch zu nehmen. Gerade deshalb legt das DRK großen Wert darauf, dass sich die Atmosphäre der Kleiderkammern im Laufe der Zeit verändert hat. "Man bekommt keine Kleidung zugewiesen. Stattdessen ist es wie ein kleiner Laden. Die Kunden gehen selbst an den Regalen entlang und suchen sich etwas aus", erklärt Mandy Oelke. Sie ist der Leiterin der Sozialen Arbeit beim DRK-Kreisverband.

Allerdings gibt es Regeln. Es dürfen sich nicht mehr als zwei bis drei Besucher gleichzeitig in der Kleiderkammer aufhalten. Außerdem müssen sie sich binnen 15 oder 20 Minuten entscheiden. Wer bis dahin nichts gefunden hat, muss sein Glück bei einem späteren Besuch erneut versuchen.

Das Angebot der Kleiderkammer richtet sich unter anderem an Langzeitarbeitslose und Asylberechtigte. Zu den Kunden zählen aber auch so genannte Aufstocker, also Menschen, die von ihrem Lohn oder ihrer Rente nicht leben können. Zu ihnen gehört auch eine Kundin, die an diesem Tag aus Wieglitz angereist ist. "Ich nutze die Kleiderkammer seit rund zweieinhalb Jahren und komme etwa einmal im Quartal vorbei", erzählt sie. Das sei günstig, wenn sie ohnehin etwas in Haldensleben zu erledigen habe. Da auch ihr Lohn am Ende des Monats oft nicht ausreiche, sei die Kammer eine ideale Möglichkeit, den eigenen Kleiderfundus zumindest zu ergänzen.

Denn egal, ob Kleid oder Schuhe: In der Kleiderkammer kostet alles einen Euro. "Bei großen, neuwertigen Jacken können es auch zwei Euro sein", ergänzt Mandy Oelke. Der Preis ist ein Stück weit symbolisch. Aber nicht zuletzt in psychologischer Hinsicht sei er wichtig. Denn so bekämen die Kunden nichts geschenkt. "Was ich bezahle, ist etwas wert. Und ich selbst bin auch etwas wert, weil ich es bezahlt habe", erklärt Mandy Oelke die Idee dahinter.

Die Wege, auf denen die Textilien in die Kleiderkammer finden, sind unterschiedlich. Zunächst einmal hat das DRK im Landkreis Börde mehr als 50 Sammelcontainer aufgestellt. Vor nicht allzu langer Zeit wurden sie neu gestaltet, um Verwechslungen zu vermeiden. Denn mittlerweile stellen auch Privatunternehmen Container auf. "Einige Leute kommen mit ihren Spenden auch direkt in die Kleiderkammer", sagt Mandy Oelke. Darüber hinaus hat das DRK auch ein eigenes Kleidermobil. "Damit holen wir auf Wunsch auch selbst ab. Zum Beispiel, wenn jemand verstorben ist und sich viel Kleidung im Nachlass befindet", so die Leiterin der Sozialen Arbeit. "Grundsätzlich sind die Sachen, die wir erhalten, sehr gut. Dafür möchten wir uns bei der Bevölkerung bedanken." Im Prinzip nehme das DRK "alles, was aus Textil ist". Dazu gehören beispielsweise auch Decken, Bettzeug, Gardinen oder Tischdecken. "Wir hatten sogar schon Braut- und Abendkleider. Im Moment gibt es viele Faschingskostüme", berichtet Mandy Oelke. Je nach Bedarf tauschen die drei Kleiderkammern untereinander hin und her. Nicht zuletzt gehören zum Angebot der Einrichtungen auch sogenannte Notfallpakete. Sie gehen zum Beispiel an das Kranken- oder das Frauenhaus. Enthalten sei eine komplette Grundausstattung, bei Bedarf inklusive Babykleidung. Die Nachfrage nach solchen Pakete habe merklich zugenommen.

Falls etwas wirklich nicht gebraucht werde, gehe es über ein Textilverwertungsunternehmen in ein Sortierwerk. Im Gegenzug erhalte das DRK einen gewissen Kilopreis. "Der Erlös wird genutzt, um soziale Projekte zu finanzieren. In den letzten Jahren haben wir zum Beispiel viel in die Jugendarbeit gesteckt", erläutert Mandy Oelke. Auf diese Weise würden etwa Ersthelfer-AGs an Schulen ermöglicht.

Wer die Haldensleber Kleiderkammer selbst unterstützen möchte, findet sie in der Gerikestraße 81. Geöffnet hat sie montags, mittwochs und freitags jeweils von 13 bis 16 Uhr.