Mit 15 Jahren ist Nils Völkl der jüngste König in der bisherigen Emdener Grünkohlwanderungsgeschichte. Vor zehn Jahren starteten die geschichtlichen Touren, die alljährlich mit einem Grünkohlessen und einem Geschichtsquiz über die Bühne gehen.

Emden l Zwischen 3 und 80Jahre alt waren die Teilnehmer dies diesjährigen Emdener Grünkohlwanderung. Zum 10.Mal führte Ortschronist Mathias Weiß Wanderfreunde durch Dorf, Feld, Wald und Flur, wobei der Ort und seine nähere Umgebung in diesem Jahr im Mittelpunkt standen. Darunter befanden sich auch zahlreiche Grünkohlköniginnen und -könige.

"In den vergangenen Jahren waren wird in den Gemarkungen Erxleben, Bebertal und Altenhausen, diesmal bleiben wir auf dem Emdener Territorium", kündigte Mathias Weiß zur Begrüßung an. Und das mit gutem Grund, denn thematisch ging es dieses Mal um die Geschichte des Hofes Wolfien, dessen Geschichte sich (unter dem Namen Wischeropp) bis ins Jahr 1439 zurückverfolgen lässt. Überall im Ort sind Spuren der Familie zu entdecken.

Den Rundgang startete Mathias Weiß darum auch gleich gegenüber vom Café Emmode auf dem Hof selbst. Auf einer Tafel an der Fassade ist zu lesen, dass 1894 das Haus niederbrannte und wieder neu aufgebaut wurde. Doch das sei falsch, betonte der Ortschronist. Der Brand hätte 1899 den Hof zerstört und sei von Otto Wolfien und seiner Frau Mathilde, eine geborene Löhmann, wieder aufgebaut worden.

Zweite Station war die Emdener Kirche. Mehr als 40 Jahre war Otto Wolfien als Gemeindekirchenrat tätig. Sein Name findet sich auf der kleinen Glocke im Kirchenturm wieder. Mathias Weiß bat die Wanderfreunde um Spenden für den Erhalt der Kirche. Dabei kamen 90 Euro zusammen.

Auch beim anschließenden Besuch auf dem Friedhof können die Spuren der Familie verfolgt werden. Das ältestes Grabmal des Emdener Friedhofs ist das der Familie Wolfien. Es zeigt Grabtafeln von fünf Generationen, deren verwandtschaftliche Zusammenhänge vom Ortschronisten erläutert wurden.

Nach einer Runde durch das Dorf wurde an der Emmode eine Rast eingelegt. Wer dann noch Lust hatte, konnte die zweite Runde über die Feldscheune, die Sülze und den Beeksteg mit in Angriff nehmen. Bei der Wanderung wurden auch Auszüge aus Briefen von Otto Wolfien aus dem Ersten Weltkrieg verlesen. Er war das letzte Mal vor genau 100 Jahren in Emden, um sich von einer Kriegsverletzung zu erholen. Im Februar 1915 zog er erneut ins Feld, fiel aber Anfang April 1915 bei einem Gefecht und liegt im heutigen Polen etwa 65 Kilometer westlich vor Warschau begraben.

Beim anschließenden Grünkohlessen im Café Emmode wurden wie immer Fragen über die Wanderung gestellt. Manuela Völkl erhielt eine Flasche Sekt, weil sie vor zehn Jahren die Idee zur Grünkohlwanderung hatte und die erste Wanderung durchführte. 2006, also zur gleichen Zeit, plante der damalige Gemeinderat eine Geschichtswanderung unter der Leitung des Ortschronisten. Das Interesse der Bewohner Emdens daran war so groß, dass nicht nur die Familienangehörige der Gemeinderäte, sondern auch Nachbarn und Freunde teilnahmen. Im Jahr darauf wurden beide Wanderungen zusammengelegt, die Geschichts-Grünkohl-Wanderung für Emden war aus der Taufe gehoben.

Mittels einiger Quizfragen wurde der diesjährige Grünkohlkönig ermittelt. Nils Völkl (Sohn von Manuela Völkl) beantwortete alle Fragen richtig. Der 15-Jährige ist der jüngste Grünkohlkönig in der zehnjährigen Wandergeschichte. Er erhielt nicht nur die Krone, sondern auch einen Gutschein vom Café Emmode.

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