Im Jahr 2014 ging 144Mal der Alarm bei der Freiwilligen Feuerwehr Haldensleben los. Die meisten Einsätze verursachten falsch gewartete Brandmelder. Doch auch zu Suizidversuchen und schweren Unfällen wurden die Kameraden gerufen.

Haldensleben l Wenn der Notruf reinkommt, haben die Kameraden der freiwilligen Feuerwehr laut Gesetzgeber in Sachsen-Anhalt maximal zwölf Minuten Zeit, um am Einsatzort zu sein. Diese setzen sich aus fünf Minuten Ausrückzeit und sieben Minuten Fahrzeit zusammen. Neun Leute mit unterschiedlichen Qualifikationen bilden dabei ein Team und müssen im Notfall vor Ort sein. Schnelligkeit ist hier gefragt.

"Insgesamt wurden wir 144 Mal gerufen. Davon waren allein 33 automatisch ausgelöste Notrufe von Brandmeldeanlagen", sagt Frank Juhl, Stadtwehrleiter der Freiwilligen Feuerwehr Haldensleben. Häufig seien dies aber nur Fehlalarme, weil die Anlagen von den Betrieben nicht regelmäßig gewartet werden. Doch das kann am Ende teuer werden: "Rund 1000 Euro kann so ein Einsatz kosten, der durch eine richtige Wartung hätte vermieden werden können", warnt Juhl.

20 Mal wurde "Person in Notlage" im Jahr 2014 gemeldet. Häufig musste dann die Feuerwehr die Rettungsdienste unterstützen und Tragehilfe leisten, wenn Menschen beispielsweise an vielen medizinischen Geräten angeschlossen waren. Mitunter kam dann auch die große Drehleiter zum Einsatz, wenn ein Transport über das Treppenhaus nicht möglich war. Aber auch zwei Suizidversuche zählten dazu.

Auf Platz drei mit neun Einsätzen sind Mülltonnenbrände verzeichnet. Danach folgen insgesamt sieben Öl- oder Dieselspuren, die beseitigt werden mussten sowie fünf Strohballenbrände, wie etwa am 19. März 2014, als eine Strohballenfigur des Regionalmarktes angezündet wurde. Am selben Tag brannte zudem bei Hundisburg Richtung Rottmersleben Stroh, welches hinter dem Silo gelagert war. Vier Stunden und 35 Minuten waren insgesamt 17Feuerwehrleute an diesem Tag im Einsatz.

Insgesamt neun Fahrzeuge hat die Haldensleber Feuerwehr zur Verfügung. Darunter drei Tanklösch-Fahrzeuge, ein Drehleiter-Fahrzeug, ein Hilfeleistungslöschgruppen-Fahrzeug, ein Gerätewagen Logistik, ein Mannschaftstransport-Fahrzeug, ein Transportbus für die Jugendfeuerwehr und ein neuer Einsatzleitwagen, der im Mai geholt und seit September für Einsätze zur Verfügung steht. Auch eine Gulaschkanone und ein Anhänger finden sich in der großen Halle der Feuerwehr. Ebenso ein altes Feuerwehr-Fahrzeug aus Hundisburg, das noch Anfang des Jahres nach Griechenland exportiert werden soll.

80000 Euro für neue Dienstschutzbekleidung

"Alle Geräte, Gegenstände und Dienstbekleidungen von Haldensleben und den Ortsteilen werden einzeln bei uns mit einem Barcode versehen. Damit sind über 10000 Gegenstände von A wie `Abwassertauchpumpe` bis Z wie `Zumischer` bei uns aufgelistet", erklärt der Stadtwehrleiter. Auch rund 900 Schläuche mit je 20 Metern sowie vier mit 25 Metern für das große Drehleiter-Fahrzeug zählen zum Inventar der Wehr.

Im vergangenen Jahr hat die Stadt einiges in die Feuerwehr investiert. So wurden für rund 80000 Euro neue Dienstschutzbekleidungen für die Haldensleber Feuerwehrmänner besorgt. Mit Stiefeln kostet somit die Bekleidung pro Person etwa 1300 Euro. Auch der neue Einsatzleitwagen schlägt mit rund 75000 Euro zu Buche. "Technisch sind wir gut ausgerüstet. Da müssen wir dem Bürgermeister wirklich die Hände schütteln, dass er uns in seiner Amtszeit so gut unterstützt hat", sagt Frank Juhl anerkennend.

Auch die aktuellen Mitgliederzahlen hat Juhl parat. Insgesamt sind 15 Kinder und Jugendliche im Alter von 10 bis 17 Jahren bei der Jugendfeuerwehr vertreten. Aktive Mitglieder gibt es derzeit über 100 mit den Ortsteilen, davon 34 direkt aus Haldensleben.

Unterstützung erhalten die Haldensleber Feuerwehrleute von sieben Kameraden aus Uhrsleben, Uthmöden, Dorst und Hötensleben, die in Haldensleben arbeiten und somit eine Doppelmitgliedschaft bei der freiwilligen Feuerwehr haben. Insgesamt 25 Mann zählen zu der Alters- und Ehrenabteilung, da Feuerwehrmänner ab 65 Jahren nicht mehr zu den aktiven Mitgliedern zählen dürfen. Auch weibliche Kameraden sind vertreten. Haldensleben hat immerhin zwei Mädchen in der Jugendfeuerwehr und zwei Frauen als aktive Mitglieder.

Seit zehn Jahren am Standort Gerikestraße

Mit die Eingemeindung von Süplingen kamen am 1. Januar auch neue Kollegen dazu. Von insgesamt zwölf Kameraden blieben aber nur drei übrig. "Wir sind da recht streng. Wenn ein Kamerad beispielsweise nicht nachweisen kann, dass er in den letzten drei Jahren beim Arzt war, dann darf er nicht eingesetzt werden", erklärt der Stadtwehrleiter. Demnach könnten noch fünf von den restlichen neun Süplingern nach einem bestandenen Gesundheits-Check wieder zum Einsatz kommen.

"Wir freuen uns übrigens immer über neue aktive Mitglieder", sagt Juhl. Mitbringen sollten Anwärter auf jeden Fall ein technisches Interesse und sie sollten zudem nicht älter als 50 Jahre sein.

Vorausblickend könnte es in diesem Jahr etwas zu feiern geben: Am 5. Oktober 2015 ist die Haldensleber Feuerwehr seit genau zehn Jahren am Standort in der Gerikestraße.

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