Knapp 100 Bürger sowie Vertreter von Parteien haben am Montagabend das öffentliche Forum im Erxleber Bürgerhaus besucht. Fünf Kandidaten bewerben sich um das Amt des Flechtinger Verbandsgemeindebürgermeisters. Über eine Stunde haben die Bewerber zu den Fragen des Moderators und der Gäste Rede und Antwort gestanden. Die Wahl findet am 22. Februar statt.

Erxleben l "Ich bin erstaunt, wie viele Menschen sich für die Wahl des Verbandsgemeindebürgermeisters interessieren", sagte Ulrich Wahrendorf, Moderator des Forums, zur Begrüßung im Erxleber Bürgerhaus. Als einzige Frau saß Ina Köhn (38 Jahre, SPD) aus Wegenstedt in der Mitte des Podiums. Links und rechts an ihrer Seite hatten Daniel Görges (CDU, 36) aus Böddensell, Hubertus Nitzschke (FUWG, 57) aus Berenbrock, Nico Tylewski (Die Linke, 34) aus Beendorf und Mathias Weiß (Einzelbewerber, 35) aus Emden Platz genommen.

Nachdem sich die Kandidaten kurz vorgestellt hatten, konnten die zahlreichen Gäste ihre Fragen stellen und sich ein Bild von den Bewerbern machen. Die Themen des Abends waren vielfältig, es ging um die Visionen der Kandidaten für die Verbandsgemeinde, aber auch darum, wie es künftig mit den Grundzentren Flechtingen, Erxleben und Calvörde bestellt ist und um mögliche Lösungen für die Unterbringung von Asylbewerbern in der Verbandsgemeinde.

Mathias Weiß erzählte, warum er sich zur Wahl stellt: "Ich glaube, dass die Verbandsgemeinde jemanden braucht, der sich mit der Materie auskennt. Wir haben in den letzten vier Jahren nicht das erreicht, wofür ich eigentlich schon vor fünf Jahren als Bürgermeisterkandidat angetreten war. Deshalb bewerbe ich mich nun zum zweiten Mal. Ich möchte, dass die Verbandgemeinde eine Gemeinschaft wird. Und ich möchte, dass die Verbandsgemeinde Flechtingen sich auch nach außen zeigt. Ich möchte die Gemeinde nach vorn bringen, um das zu schaffen, wofür wir uns ursprünglich gebildet haben."

"Ich hatte drei schlaflose Nächte, weil ich wusste, worauf ich mich einlasse."

Hubertus Nitzschke aus Berenbrock

Hubertus Nitzschke sagte zum Grund seiner Kandidatur: "Ich bin kommunalpolitisch schon lange tätig. Es ist ein sehr anspruchsvoller Posten. Ich hatte drei schlaflose Nächte, weil ich wusste, worauf ich mich einlasse. Ich weiß auch, was in den Gemeinden fehlt und wo die Aufgaben sind. Es geht um das Management der Mitgliedsgemeinden und das Leiten der Verwaltung. Die Abteilungen müssen besser koordiniert werden."

Daniel Görges erklärte, warum er zur Wahl antritt: "Unsere Verbandsgemeinde ist es wert, nach vorn gebracht zu werden. Diesen Zusammenschluss, der in fünf Jahren hart erarbeitet wurde, zukunftsfähig zu machen, das ist das, was ich mir auf die Fahne geschrieben habe. Wir haben viel erreicht. Wir sollten das Positive in den Mittelpunkt stellen. Wir haben Bürgermeister, die sich aktiv einbringen. Das ist ein Ehrenamt. Das muss man anerkennen." Ina Köhn sagte zu ihrer Berufung: "Wir brauchen eine Bürgermeisterin, die auf Zack ist, die sich auskennt. Ich weiß, wo es Fördermittel gibt. Wir sollten von den besten Gemeinden lernen. Ich habe Erfahrungen beim Landkreis gesammelt und möchte beweisen, dass ich das Bürgermeisteramt ausführen kann." Nico Tylewski erklärte seine Motivation: "Stillstand heißt Rückschritt. Seit der Gebietsreform ist es nicht wirklich vorangegangen. Ich möchte unsere Verbandsgemeinde langfristig erhalten, deshalb müssen wir junge Familien in unsere Ortschaften ziehen und auch dort halten. Dazu ist der Bestand der Grundschulen und Kindergärten notwendig."

"Es gibt drei Verwaltungsstandorte, da werde ich auch nicht dran rütteln"

Daniel Görges aus Böddensell

Während Hubertus Nitzschke als Diplom-Ingenieur selbständig seine Dammühle betreibt und Nico Tylewski Bäcker gelernt hat und nun in der Logistikbranche tätig ist, haben die anderen drei Bewerber eine Ausbildung als Verwaltungs-fachangestellte.

Auf die Frage nach der Zukunft der Verwaltungsstandorte und der Bürgernähe bezog sich Volkmar Schliephake, Bürgermeister der Gemeinde Calvörde: "Die Verbandsgemeinde ist 2010 auf Grund einer Verbandsgemeindevereinbarung entstanden. Diese Vereinbarungen sind beschlossen worden durch damals noch 29 eigenständige Gemeinden mit über 400 Gemeinderäten. Darin geregelt ist, dass sich der Hauptsitz in Flechtingen befindet und dass Außenstellen für Erxleben und Calvörde für mindestens zehn Jahre eingerichtet werden, in denen alle Verwaltungsleistungen dort angeboten werden. Das ist momentan überhaupt nicht mehr der Fall. Der ehemalige Bürgermeister hat diese Regelung ausgehebelt."

Mit Blick auf das konkrete Problem sieht Görges die Pflicht beim neuen Bürgermeister: "Es gibt drei Verwaltungsstandorte. Da werde ich - wenn ich das Amt bekommen sollte - auch nicht dran rütteln. Die Beschlüsse der Organe sind für mich verbindlich. Wir müssen schauen, was der Bürger will. Wenn die technischen Voraussetzungen gegeben sind, sollte man tageweise das Einwohnermeldeamt an allen Standorten besetzen." Weiß schlug vor, jemanden im Bürgerbüro einzusetzen, der sich in allen Materien auskennt. Nitzschke betonte: "Es gibt einen Vertrag, der einzuhalten ist. Eine vollwertige Außenstelle für fünf Tage in der Woche ist nicht bezahlbar, aber ein bürgernaher Service muss geschaffen werden." Ina Köhn berichtete, dass vielleicht auch - wie in der Stadt Wittenberg - ein Bürgerkoffer eingesetzt werden kann, um zum Beispiel Ausweise zu verlängern. Tylewski ergänzte: "Es dürfte doch kein Problem sein, das Einwohnermeldeamt in den Außenstellen für ein paar Stunden zu besetzen. Ich hätte das am liebsten in jedem Ort ein Mal in der Woche."

"Ich bin hier geboren und aufgewachsen. Ich kenne die Region. Ich habe nie den Faden verloren. Ich bringe das Ausland auch nach Deutschland."

Mathias Weiß aus Emden

Gerhard Reinecke, Mitglied im Calvörder Gemeinderat, fragte Weiß: "Ich habe Ihren Ausführungen entnommen, dass Sie in den letzen Jahren mehr im Ausland gewesen sind als in Deutschland. Wie wollen sie das praktisch hinkriegen? Ein Verbandsgemeindebürgermeister muss sich in der Region auskennen." Weiß, der derzeit für das auswärtige Amt in Kaliningrad arbeitet, antwortete darauf: "Ich bin hier geboren und aufgewachsen. Ich kenne die Region. Ich habe nie den Faden verloren. Ich bringe das Ausland auch nach Deutschland."

"Ich habe die nötige Erfahrung und viel Motivation, um für uns alle da zu sein"

Ina Köhn aus Wegenstedt

Jörn Schenke aus Beendorf sagte, dass er sich Sorgen um die Zukunft der Verbandsgemeinde macht. Er fragte: "Was können wir tun, um die Verbandsgemeinde zu stabilisieren? Wie können wir das Gebilde besser strukturieren und wie besser auf allen Gebieten zusammen arbeiten?" Nitzschke sagte darauf: "Ziel ist es, die Gemeinde solange zu erhalten, wie es möglich ist. Die Voraussetzungen dafür haben wir. Wir müssen uns besser zusammenraufen." In der Kommunalverfassung sei die Verbandsgemeinde laut der Ausführung von Görges festgeschrieben. "Der Hauptgrund, eine Verbandsgemeinde zu gründen, war damals die Identität der Mitgliedsgemeinde zu wahren. Diese Identität weiter zu erhalten, sollte doch das Bestreben jedes anwesenden Bürgermeisters sein", sagte Görges.

Ina Köhn appellierte: "Wir brauchen in der öffentlichen Verwaltung Strategien und Fakten, um richtig zu reagieren und zu sehen, wann man welche Sachen angeht. Weiß dazu: "Möglichkeiten der Zusammenarbeit sehe ich zum Beispiel, wie es die Hohe Börde macht, mit Aktionstagen, um Vereine zusammen zu bringen."

"Ich stehe für eine soziale Infrastruktur"

Nico Tylewski aus Beendorf

Der Moderator forderte die Kandidaten auf, in nur einem Satz zu sagen, warum die Wähler für sie das Kreuz machen sollten. Tylewski: "Ich stehe für eine soziale Infrastruktur." Weiß: "Ich weiß, warum ich ein zweites Mal antrete." Görges: "Ich werde zielstrebig kompetent handeln für eine gemeinsame starke Zukunft." Nitzschke: "Ich habe die kommunale gesellschaftliche Erfahrung und ich weiß, was auf mich zukommt und was kurzfristig gebraucht wird." Ina Köhn: "Ich habe die nötige Erfahrung und viel Motivation, um für uns da zu sein."

Wer die Kandidaten noch live erleben möchte, hat dazu noch Gelegenheit. Das nächste Wahlforum ist bereits am Freitag, 6. Februar, um 18 Uhr im Flechtinger Kurhaus. Matthias Spenn übernimmt dann die Moderation. Das dritte Forum findet am Mittwoch, 11. Februar, um 18 Uhr im Goldenen Löwen in Calvörde statt. Manfred Freyhold moderiert. Die Wahl findet am Sonntag, 22. Februar, statt. Sollte niemand der fünf Bewerber im ersten Anlauf mehr als die Hälfte der Stimmen holen, wird es am 22. März 2015 eine Stichwahl geben.

   

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