Ein einziges Theater mit einer beinahe oscarreifen Vorstellung lieferten die Walbecker Karnevalisten zu ihrer Premierenvorstellung ab. "Walbeck lässt die Puppen tanzen" - dieser Titel ist in diesem Jahr Programm auf der Theaterbühne des Bürgerhauses "Ulrich Mühe".

Walbeck l Es geht um die knuffigen Puppen von Jim Henson und Frank Oz, den Gründern der Muppet-Show, die mit ihren seltsamen Figuren in den 1970ern und bis heute weltweit für Unterhaltung sorgen.

Nun also auch in Walbeck. "Wir haben Einiges neu im Programm", macht Thomas Wetteborn gleich zu Beginn neugierig. Und in der Tat. In einer Bühnenecke hängt die Loge von Charles Waldorf und Herbert Statler, jene zahnlosen Senioren, die zwar keine Muppet-Show verpassen, aber über alles und jeden etwas zu meckern haben. Auf diese Weise führen Martin und Heidi, berühmtes - oder doch eher berüchtigtes - Duo des Walbecker Karnevals, gleich in gekonnter Weise durch den karnevalistischen Abend.

Auf dem Kieker hatten Waldorf und Statler beispielsweise die "Frauenpower". "Das sind unsere Kronjuwelen", meinte Waldorf. "Ja, ja, man muss sie mit Fassung ertragen", kam prompt die Erwiderung.

Was Jim Henson vor 38 Jahren schon mit dem dänischen Koch in seiner Show erreichen wollte, nämlich die gerade aufblühenden Kochshows auf die Schippe zu nehmen, hat heute mehr denn je seine Aktualität. Davon nämlich berichtet der dänische Meisterkoch alias Hans-Werner Kraul in seiner Bütt.

Mit den dichten Bart- und Augenbrauen und der weißen Kochmütze auf dem Kopf rührt er in der Suppe, die heute mehr denn je im TV zur personifizierten Verdummung am Kochtopf beiträgt. "Kochshows tragen zur Gehirnauflösung bei", nuschelte er sich in seinen Bart, ehe das berühmte "Smörrebröd röm pöm pöm pöm" in mehrfach gereimter und gemixter Form in einer überaus unterhaltsame Büttenrede über Gott und die Welt wieder abgeräumt wird. Der Koch kündigt auf seinem Mega-Löffel und lautstark Protest an: "WIGZWABK", was soviel bedeutet wie "Walbecker Initiative gegen zu wenig Alkohol beim Karneval".

Martin alias Ortsbürgermeister Martin Herrmann in der "Walbeck wau wau"-Bütt hat zuvor schon so manches Laster und Lästern aus Walbeck aufs Korn genommen. Dabei hatte ihn eine durch die Wand belauschte Frauenrunde im Bürgerhaus auf so manche Idee gebracht.

So erfährt er, was Computer und Männer gemeinsam haben: "Je länger man wartet, umso besser werden sie." Wie sonst ist zu erklären, dass trotz genauem Abmessen bei einer Walbecker Familie zwar die gewünschte neue Couch zu Hause eintraf, aber nirgends durch die Türen und Fenster passte.

Durch die dünnen Wände hatte Martin aber nicht nur Schlechtes über die Männer im Allgemeinen, sondern auch Schrulliges über die Männer im Besonderen erlauscht. Wie sonst kommt er zu dem Schluss, dass Männer wie Krokodile sind: "Sie wollen ständig gefüttert werden, und ihre ganze Kraft steckt dann in ihrem Schwanz."

Letztendlich steht es für die Frauen fest: "Männer sind wie Kaviar, nutzlos, aber wunderbar." Diese Erkenntnis und der Trost, dass seine Frau Steffi zwar mit von der Frauen-Partie war, aber sich doch sehr zurückgehalten hatte, weil er ihre Stimme nicht gehört hatte, lässt Martin dann aber doch wieder an das Gute in den Walbeckern glauben.

Musikalisch haben die Karnevalisten einiges auf der Pfanne. Das Walbecker "Allerlei" heizt dem Publikum im nahezu vollbesetzten Saal kräftig ein. In bayerischen Dirndl verwöhnen die Sänger mit Oldies, Schlagern und Gassenhauern, laden auf der Bühne und davon zum Mitsingen und -schunkeln ein, worum sich das Publikum nicht lange bitten lässt.

Was wäre der Karneval im Allertal ohne die "Hünde". Nicht ohne Stolz verweist Thomas Wetteborn auf den Nachwuchs, denn der ist zahlenmäßig kräftig angewachsen. Beim ABBA-Medley etwas zeigen die jüngsten Narren, wie sportlich und elegant sie schon ihre Rolle als Tänzer ausfüllen können. Kein Wunder also, dass die "Hünde" mit den ersten Zugabe-Rufen des Abends konfrontiert werden. Es sollen übrigens nicht die letzten Forderungen nach Mehr gewesen sein.

Mit "Frauenpower" und "Cold as ice" folgen die erwachsenen Tänzer mit flotten Rhythmen in Superhelden-Manier. Brav als gelangweilte Teenies in der Schule begonnen, entwickelt sich zum Beispiel ein echtes Feuerwerk an Superhelden mit Tanz und Show auf dem Parkett.

Beachtlicher Kommentar von der Muppet-Loge: "Die Lebende vom Superhelden wird niemals sterben", ein echtes Lob aus den sarkastischen Mündern von Waldorf und Statler, die sonst ja mit Lob reichlich sparsam umgehen.

Mit dem Männerballett zieht Dramatik ein. Wolfgang Petersens Filmerfolg "Das Boot" in einem auf Walbeck zugeschnittenen Nachbau hält Einzug, um dann aber doch den gewohnt lustigen Klamauk zu enthüllen, denn eine Reise nach Hawaii verspricht. "Geh mal nen Bier holen, du wirst schon wieder hässlich" zeigt tänzerisch wie musikalisch die ganze Breitseite männlichen Egos.

Gesang und Tanz vereinen die "Knaller von der Aller", die sich nach der WM 2014 immer noch im Fußballfieber präsentieren und so manchen Gast von den Sitzen reißen.

Man muss schon "3/8 uff`n Kessel" haben, um die gleichnamige Comedy zu verstehen. Ein Junggesellinnen-Abschied auf Mallorca mit einer nicht ganz jugendlichen Gruppe treibt den Zuschauern in einer zweiteiligen Aufführung die Lachtränen in die Augen.

Spaß und Unterhaltung in die rund zweieinhalbstündige Muppet-Unterhaltungsschau brachten auch "Breeze" und "Die toten Schlüpfer.

   

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